Eine Umfrage des europäischen Sicherheitsunternehmens ESET zeigt, dass ein Großteil der IT-Entscheidungsträger die künstliche Intelligenz (KI) als Allheilmittel bei Schwachstellen der IT-Sicherheit sieht. Damit verleitet offenbar der aktuelle Hype um KI und maschinelles Lernen (ML) drei von vier IT-Entscheidungsträgern (75 Prozent) zu dem Schluss, diese Techniken wären die beste Lösung für ihre Cyber-Sicherheitsprobleme. Dieser Trend, so ESET, sorgt für Verwirrung unter den IT-Teams und könnte die Gefahr erhöhen, dass Unternehmen Opfer von Cyber-Kriminalität werden.

Die wichtigsten Ergebnisse der Befragung:

  • 75 Prozent der IT-Entscheidungsträger glauben, dass KI allein der Königsweg bei der Lösung von Cybersicherheitsproblemen ist,
  • gerade die Befragten in den USA betrachten KI als eine Art Allheilmittel für ihre Cyber-Sicherheitsprobleme. Die Umfrageteilnehmer in Großbritannien und Deutschland sind skeptischer, und
  • nur 53 Prozent der IT-Entscheider geben an, dass ihre Organisationen den Unterschied zwischen Machine Learning und künstlicher Intelligenz wirklich verstehen.

Ob in Marketingmaterialien, Medien oder Social Media: Im letzten Jahr wurde enorm viel über die Rolle von KI in der Cyber-Sicherheit geschrieben.  ESET befragte daher 900 IT-Entscheider in den USA, Großbritannien und Deutschland zu ihrer Einstellung zu KI und ML im Umfeld dieses Hypes.

Die Ergebnisse zeigen, dass die IT-Entscheidungsträger in den USA die Technik im Ländervergleich am ehesten als Allheilmittel zur Lösung ihrer Cyber-Sicherheitsherausforderungen betrachten (82 Prozent). Etwas anders die europäischen Kollegen: In Großbritannien sehen dies nur 67 Prozent so, in Deutschland sind es 66 Prozent. Die Mehrheit der Befragten ist der Meinung, dass KI und ML ihrer Organisation helfen würden, Bedrohungen schneller zu erkennen und darauf zu reagieren (79 Prozent) und Kompetenzlücken aufgrund von Fachkräftemangel zu beheben (77 Prozent).

Juraj Malcho, Chief Technology Officer bei ESET, sagt dazu: „Es ist beunruhigend zu sehen, dass der Hype um KI und ML so viele IT-Entscheider – vor allem in den USA – dazu veranlasst, die Technologien als das Allheilmittel für Cyber-Sicherheitsherausforderungen zu betrachten. Wenn uns das letzte Jahrzehnt etwas gelehrt hat, dann, dass es für manche Dinge keine einfache Lösung gibt. Das gilt besonders für den Cyberspace, wo sich die Bedingungen binnen weniger Minuten verändern können. In der heutigen Geschäftswelt wäre es unklug, sich nur auf eine Technologie zu verlassen, um eine widerstandsfähige Cyber-Abwehr aufzubauen. Es ist wichtig, dass IT-Entscheidungsträger erkennen, dass ML zweifellos ein wichtiges Instrument im Kampf gegen Cyber-Kriminalität ist, aber eben nur ein Teil der gesamten Cyber-Sicherheitsstrategie eines Unternehmens sein sollte.“

Während viele IT-Entscheidungsträger KI und ML in der Cyber-Security als künftigen Idealweg betrachten, hat die Mehrheit der Befragten ML bereits in ihre Strategien aufgenommen. 89 Prozent der deutschen Befragten, 87 Prozent der US-Umfrageteilnehmer und 78 Prozent der britischen Befragten gaben an, dass ihre Endgerätesicherheitslösung ML zur Abwehr bösartiger Angriffe verwendet.

Darüber hinaus gaben viele Befragte an, dass ihnen die unterschiedliche Bedeutung von KI und ML nicht wirklich klar sei: Nur 53 Prozent der IT-Entscheider sagen, dass in ihrem Unternehmen die Unterschiede zwischen beiden vollständig verstanden würden.

Malcho fährt fort: „Wenn es um KI und ML geht, tauchen in manchen Marketingmaterialien irreführende Verwendungen der Begriffe auf. Das führt dazu, dass IT-Entscheider in allen Märkten weltweit verunsichert sind, was sie glauben sollen. Wahr ist, dass es in der Cyber-Sicherheit wie überall sonst noch keine echte, vollständige KI gibt. Der Hype um die Neuheit von ML ist zudem komplett irreführend, denn die Technologie an sich wird schon lange eingesetzt. Da die Bedrohungsszenarien immer komplexer werden, sollten wir Unternehmen nicht noch zusätzlich verunsichern. Hier muss Klarheit geschaffen werden: Der Hype macht es für diejenigen, die entscheiden, wie sie die Netzwerke und Daten ihres Unternehmens am besten absichern können, schwer, den richtigen Weg zu wählen.“

ML ist laut ESET von unschätzbarem Wert für die Wahrung von Cyber-Sicherheit, insbesondere beim Erkennen von Malware. Als Schutzlösung funktioniert es so: Sie basiert auf großen Datenmengen und Erfahrungen aus der Vergangenheit, bestehend sowohl aus als gutartig gekennzeichneten als auch bösartigen Materialsammlungen. Das ist die Grundlage, auf der ML zwischen „gut“ und „schlecht“ unterscheidet. So kann es potenzielle Bedrohungen für Benutzer schnell analysieren, identifizieren und Malware abwehren.

Für Unternehmen sei es jedoch wichtig, die Grenzen von ML zu verstehen. Zum Beispiel muss auch bei ML immer noch ein Mensch die Erstklassifizierung durchführen, um potenziell bösartige Proben zu untersuchen und vor allem die Anzahl der Fehlalarme zu reduzieren. ML-Algorithmen haben zudem einen engen Fokus und arbeiten mit Regelwerken. Aber Hacker lernen weiter – ein kreativer Cyber-Krimineller kann Szenarien einführen, die für ein ML-System komplett neu sind und können es damit überlisten. Algorithmen des maschinellen Lernens können auf vielfältige Weise irregeführt werden, und Hacker können dies ausnutzen, indem sie bösartigen Code erstellen, den ML dann fälschlicherweise als gutartiges Objekt klassifiziert.

Malcho dazu weiter: „Seit 1995 setzen wir maschinelles Lernen als Teil unseres Arsenals  gegen Cyber-Kriminelle ein. Aber das allein reicht nicht aus. Indem Unternehmen sich über die Grenzen von ML informieren, können sie einen strategischeren Ansatz für den Aufbau einer robusten Verteidigung wählen. Mehrschichtige Lösungen, kombiniert mit talentierten und qualifizierten Mitarbeitern, werden der einzige Weg sein, den Hackern immer einen Schritt voraus zu sein, wenn sich die Bedrohungslandschaft weiterentwickelt.“

Weitere Informationen stehen unter www.eset.de zur Verfügung.

Dr. Jörg Schröper ist Chefredakteur der LANline.