Der Bieterwettstreit um die 5G-Mobilfunkfrequenzen läuft auf Hochtouren, eine ganze Branche zeigt sich angesichts der neuen Möglichkeiten geradezu euphorisch. Sascha Giese, Head Geek bei Solarwinds, fasste die Situation vor Kurzem in einer Stellungnahme zusammen und gab dabei drei Tipps zur Vorbereitung. Die nächsten zehn Jahre werden zeigen, was sich von den großen Plänen umsetzen lässt, so Giese. Der 5G-Hype sei schon jetzt groß und werde längere Zeit anhalten. Ihn gelte es zu überstehen, so der Solarwinds-Mann.

Denn die Welt wird sich nicht auf einen Schlag ändern. Der normale Smartphone-User wird beim Streamen zunächst keinen großen Unterschied feststellen. Erst im Laufe der Zeit wird er merken, dass er es mit deutlich weniger Aussetzern und Verzögerungen bei der Übertragung zu tun hat. Davor aber steht der Infrastrukturausbau, inklusive neuer Masten. Denn was in der aktuellen Diskussion laut Giese oft vernachlässigt wird: Viele Unternehmen fordern 5G-Bereitschaft, aber ohne die Infrastruktur, die sie unterstützt, bleibt einem Anwender die gleiche Bandbreitengeschwindigkeit wie bisher.

Unternehmen könnten die Vorteile früher nutzen, beispielsweise indem sie 5G als Ergänzung für WLAN-Anwendungen verwenden. So können sie schnelle kabellose Datenübertragungen in Fabriken ermöglichen, wie sie für AR, IoT und Robotik nötig sein werden. Um dies zu realisieren, gilt es sich zunächst einmal mit der neuen Hype-Technik vertraut zu machen.

Der Tipp 1 lautet: Bereit sein ist alles. Es gibt mittlerweile genug 5G-Praxisbeispiele, auf deren Basis sich Unternehmen orientieren können, was der neue Standard für ihr Geschäft bringen kann, auch wenn er intern noch nicht zur Verfügung steht. Jetzt sollte man die Zeit nutzen, um sich zu informieren – im Gespräch mit Integrationspartnern, in Videos, in Blogs. Dabei werden sich erste Anwendungsfälle herauskristallisieren, die für Technikexperten relevant sein können. Außerdem: Aufklärung schützt vor Quacksalbern und falschen Heilsversprechen, wie sie in Hype-Phasen immer wieder auftauchen, und die Unternehmen viel Geld kosten können.

Je mehr die Experten über die neue Technik wissen, desto leichter werde es ihnen fallen, schnell auf Anwendungen zu kommen, die ihr Geschäft tatsächlich weiterbringen. Schließlich werden sie im seltensten Fall 5G um seiner selbst willen in ihrem Unternehmen einführen, sondern neue Anwendungen – Roboter, IoT, KI – die mit 5G laufen und ihr Geschäft auf eine neue Ebene heben helfen. Erfahrene IT-Profis wissen, dass sie dabei ganzheitlich vorgehen sollten: Also nicht auf die eine Anwendung alleine fokussiert, sondern auch mit Blick darauf, wie sie ihre Geschäftsziele mit Hilfe der neuen Möglichkeiten noch unterstützen können.

Tipp 2: Wählen Sie weise! Wenn Experten eine neue Technik einführen, dann testen sie in der Regel verschiedene Anbieter und Systeme und entscheiden erst, nachdem sie die Gelegenheit für ausführliche Vergleiche hatten. Genau dies sollten Entscheider auch tun, wenn sie 5G einführen sollen. Dies gilt vor allem, wenn sie das noch im Jahr 2019 tun wollen. Denn dann zählen sie zu den Early Adoptern und haben wenige Best Practices zur Verfügung, auf die sie sich stützen können. IT-Entscheider sollten sich also eine gesunde Skepsis bei allen Angeboten bewahren, Alternativen in Betracht ziehen und die Anbieter fordern, ehe sie sich entscheiden. Gerade in der Frühphase der Verfügbarkeit neuer Technik sind Hersteller gerne bereit, Geräte für eine Testphase zur Verfügung zu stellen, da diese damit weitere Erfahrungen aus dem tatsächlichen Produktivbetrieb sammeln können. Nutzen Sie diese Gelegenheiten!

Tipp 3: Seien Sie wachsam! Die Einführung von 5G wird ähnlich verlaufen wie bei 3G und 4G: Es wird eine Übergangszeit geben, in der wir es mit einem sehr heterogenen Gefüge an Verbindungstypen zu tun haben – mit WLAN, 4G und 5G. Anwendungen werden daher anfangs nicht konstant hohe Leistungen liefern, es wird Asymmetrien geben, deren Ursache es schnell zu erkennen und zu beseitigen gilt. So lässt sich etwa noch nicht einschätzen, wie Network Slicing bei den Anbietern implementiert wird, und wie sich die Konsequenzen der Implementierung auf das Unternehmen auswirken können.

Diese frühen Erfahrungen in Sachen 5G sind enorm wichtig, um schnell aus ihnen zu lernen und Kinderkrankheiten zu überwinden. Monitoring und Reporting werden damit zum Schlüssel zur Vermeidung schmerzhafter Kundenerfahrungen während der Umstellung. Dies ist umso wichtiger, da die 5G-relevanten Anwendungen gerade diejenigen sind, die formen, wie Anwender eine Marke wahrnehmen. Application Performance Monitoring (APM) wird daher essenziell, um auch in der Übergangsphase für möglichst unterbrechungsfreie Nutzung zu sorgen.

5G ist laut Giese bei allem Hype immer noch nur eine Technik und sollte dementsprechend mit kühlem Technikerverstand angegangen werden. Nach einer kleinen Neukalibrierung können sich Experten dabei auf die gleichen Tools verlassen, die sie bislang bei ihren Entscheidungen unterstützt haben. Auch tun Unternehmen gut daran, ihre Monitoring-Funktionen mit einigen neuen Tools zu kombinieren – wie Rückverfolgung, Echtzeit-Transaktionsdaten von Benutzern sowie aggregierte Ereignisse und Protokolle. Dadurch erhalten sie alle Metriken, die sie zur Performance ihrer 5G-Anwendungen benötigen, in einer nützlichen, aussagekräftigen Ansicht. Giese: „5G ist keine Zauberei. Lassen Sie sich nicht verrückt machen!“

Weitere Informationen stehen unter www.solarwinds.com zur Verfügung.

Dr. Jörg Schröper ist Chefredakteur der LANline.