Rechenzentren zählen zu den kritischen Infrastrukturen. Ausfallsicherheit gehört daher zu den zentralen Prioritäten jedes Betreibers, und Redundanzen sind zwingend notwendig. Zugleich sollen Datacenter wirtschaftlich arbeiten. Dabei gerät oft in den Hintergrund, dass ein wesentlicher Bestandteil der Verfügbarkeit das Bewirtschaften des Gebäudes ist.

Ein professionelles Facility-Management stellt sicher, dass eine ordnungsgemäße Wartung der Gebäudetechnik erfolgt und das Sicherheits-, Reinigungs- und Wartungspersonal sich der Bedeutung eines qualitätsorientierten Services und des Risikos für den Betrieb des Rechenzentrums bewusst ist. Ein professionelles Energie-Management inklusive einer Verbrauchsanalyse trägt außerdem zu einem effizienten Betrieb und damit direkt zur Profitabilität des Betreibers bei.

Der Ausfall eines Rechenzentrums sorgt für direkten Schaden beim Betreiber – sowohl in wirtschaftlicher Hinsicht als auch für das Image. Da Fehler bekanntlich nie auszuschließen sind, gilt es, alle Voraussetzungen für einen reibungslosen Betrieb zu gewährleisten.

Redundanzen sind daher in Rechenzentren genauso unerlässlich wie etwa in Krankenhäusern oder an Flughäfen. Je nach Qualitätsanspruch ergibt sich die Anzahl der Notfallsysteme. Dessen ungeachtet ist eine Bevorratung von Ersatzteilen sowie kompletten Anlagen zwingend erforderlich, um auch bei einem Ausfall einer Anlage die Redundanzen wieder vollständig herzustellen.

Der größte Risikofaktor ist nicht die Gebäudetechnik, sondern der Mensch. Dies gilt für das Personal des Gebäudedienstleisters ebenso wie für die Mitarbeiter der IT-Infrastruktur. Jedes Risiko-Management muss folglich sicherstellen, dass die Mitarbeiter sich ihrer Verantwortung bewusst sind. Abstriche in deren Qualifikationen wirken sich auf die Fehlerquote, Diagnose bei Anlagenfehlern und damit Reparaturzeiten aus. Menschliches Versagen tritt indes nicht nur während des Betriebs auf, sondern ist auch in der Planungs- und Bauphase zum Teil nur aufwändig zu korrigieren. Der Ansatz des baubegleitenden Facility-Managements inklusive eines Inbetriebnahme-Managements kann dem entgegenwirken und so essenziell zu einem Einhalten des Kosten- und Zeitplans beitragen. Zum Beispiel sollte ein Black-Building-Test regelmäßig die Funktion der Notstromversorgung überprüfen, damit im Ernstfall alle Ersatzsysteme wie beabsichtigt in Betrieb gehen und nach einer festgelegten Zeit das ordnungsgemäße Abschalten sicherstellen.

Betreiberverantwortung

Betreiber von Gebäuden sind verpflichtet, für die Vermeidung von Unfällen Sorge zu tragen. Kommt es aufgrund eines Anlagenfehlers zu einem Versicherungsfall, stellt sich die Frage, ob der Betreiber seinen Wartungspflichten nachgekommen ist. Ist dies nicht der Fall, wird die Versicherung Regressmöglichkeiten prüfen. Abgesehen vom hieraus resultierenden finanziellen Risiko kann ein Vernachlässigen der Betreiberverantwortung zudem zu Unfällen mit Gesundheitsgefährdung führen.

Im Zuge der Betreiberverantwortung haftet grundsätzlich der Betreiber. Eine einfache Übertragung auf den Nutzer ist – anders als etwa im Mietrecht hinsichtlich der Schneeräumung – nicht möglich. Ein professionelles Risiko- und Facility-Management wird den Dienstleister mit der Übernahme der vorgeschriebenen Prüfungen und Wartungen beauftragen und so eine ordnungsgemäße Dokumentation sicherstellen. Diese ist besonders im Versicherungsfall zentral und kann über eine Haftung des Betreibers mitentscheiden.

Zu oft verfolgen die Betreiber in Gebäuden keinen Lebenszyklusansatz. Was heißt das konkret? Der Bauherr beauftragt einen Architekten mit der Planung eines Gebäudes, das seinem Nutzenanspruch – und Budget – entspricht. Anschließend errichten die beauftragten Baufirmen das Gebäude, gestalten Innenräume und Außenanlagen und installieren die gewünschte Technik. Nähert sich das Gebäude der Fertigstellung, erfolgt die Ausschreibung für die Reinigung, Wartung und Instandhaltung der Technik sowie des Objektschutzes. Dabei sind alle Parteien Spezialisten für ihr Fachgebiet – eine klassische Silostruktur.

Verfügbarkeitsklassen: Rechenzentren nach „Tiers“ (ANSI): Verfügbarkeit, Ausfallzeiten und Schwachpunkte gemäß ipv-denkfabrik.de/hochverfuegbarkeit-im-betrieb-von-rechenzentren und The Uptime Institute.

Der Immobilienlebenszyklus-Ansatz bricht diese auf: Die für den Betrieb verantwortlichen Dienstleister begleiten bereits den Planungsprozess und helfen so, im späteren Betrieb hohe Kosten zu vermeiden. Sie stellen beratend sicher, dass die Gebäudetechnik einfach zugängig und leicht zu warten ist und empfehlen leicht zu reinigende Oberflächen, verlässliche Lüftungsanlagen und effiziente Notstromaggregate. In Krankenhäusern legen Betreiber aus diesem Grund bereits heute großen Wert auf ein optimales Layout, damit möglichst kurze Wege es allen Beteiligten ermöglichen, möglichst effizient zu arbeiten.

Ein Inbetriebnahme-Management stellt sicher, dass die Gebäudetechnik bereits schrittweise vor der Übergabe des Gebäudes auf Funktionsfähigkeit geprüft und Fehler frühzeitig behoben werden: ein Beitrag zur planungsgemäßen Inbetriebnahme des gesamten Gebäudes.

Dies alles ist nicht zum Nulltarif erhältlich, denn Beratungsleistungen wollen bezahlt sein. Über den Lebenszyklus des Gebäudes amortisiert sich diese Anfangsinvestition jedoch durch eine Vermeidung von Ausfallzeiten und einen effizienteren Betrieb. Eine Zahl verdeutlicht die Bedeutung einer auf den Betrieb ausgerichteten Planung: Rund 20 Prozent der Lebenszykluskosten fallen in der Planungs- und Errichtungsphase an, 80 Prozent jedoch über die Betriebsphase von durchschnittlich 30 bis 40 Jahren. Vor allem, wenn die Projektentwickler auch das Gebäude später betreiben, erweist sich ein Immobilienlebenszyklus als sinnvoll.

Dienstleister

Aktuell 53,4 Milliarden Euro Marktvolumen generiert in Deutschland eine Vielzahl an Facility-Management-Dienstleistern. Ein Teil der führenden Dienstleister verfügt über explizite Kompetenzen in Services für Rechenzentren. Dies ist gerade bei der Vergabe von Gebäudedienstleistungen wesentlich: Nur speziell geschulte Mitarbeiter tragen zu einer Reduzierung des Ausfallrisikos bei – sind doch rund 75 Prozent der Rechenzentrumsausfälle auf menschliches Versagen zu-rückzuführen.

Die externe Vergabe entlastet den Betreiber, denn er muss sich nicht um Personalgewinnung, Aus- und Weiterbildung, Normen und Richtlinien sowie Ersatzteilbeschaffung und Wartung der Gebäudetechnik kümmern. Dies gilt nicht nur für die zentrale Kühltechnik sowie die USV und Notstromaggregate, sondern auch die Gebäudesicherheit inklusive Zutrittskontrolle, Unterhalts- und Sonderreinigung, Pflege der Außenanlage und Brandschutzklappen sowie Einkauf von Strom und Treibstoffen für Dieselaggregate. In jeder der vorgenannten Leistungen besteht ein Risiko für den Betrieb des Rechenzentrums. Keine gehört zum Kerngeschäft des Betreibers.

Die passende Vergabestrategie ist abhängig vom jeweiligen Betreiber. Für ein international agierendes Unternehmen ist eventuell die Vergabe von Gebäudedienstleistungen in mehreren Ländern an nur einen Partner interessant. Reduzierte Schnittstellen sorgen dabei für einen minimalen Verwaltungs- und Steuerungsaufwand. Andere Unternehmen präferieren Multidienstleister, die an jedem Standort alle notwendigen Leistungen aus eigener Hand erbringen und in der Service-Steuerung Pluspunkte beitragen. Auch für die Vergabe von Einzelleistungen gibt es gute Gründe. Bei der wirtschaftlichen Betrachtung sollte ein Betreiber indes nicht vergessen, dass ein geringerer Steuerungsaufwand beim Dienstleister Kapazitäten beim Auftraggeber bindet.

Wie in der IT gilt zu oft auch für die Facility-Services: Man merkt es nur, wenn es nicht funktioniert. Angesichts der vergleichsweise geringen Kosten des Facility-Managements im Vergleich zu IT-Infrastruktur und Energie und der gravierenden Konsequenzen eines gebäudebedingten Ausfalls ist dies ein hoher Risikofaktor.

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Thomas Ball ist Senior Consultant bei Lünendonk & Hossenfelder, www.luenendonk.de. Jürgen Bieser ist Leiter Data Center Solutions bei Apleona HSG Facility Management, www.hsg.apleona.com.