Der aktuelle Domain Fraud Report 2019 von Proofpoint ist herausgekommen – und lässt aufhorchen, wie die Experten der PSW Group kommentieren. Im Jahr 2018 stieg demzufolge die Anzahl von Fake-Seiten im Internet um elf Prozent. Noch schwerwiegender sei jedoch ist die Tatsache, dass für 96 Prozent aller echten Unternehmen Fake-Domains existieren. Das Problem: Cyberkriminelle tarnen ihre Fake-Seiten sehr gut, insbesondere, wenn sie bekannte Online-Shops imitieren. Verbrauchern fällt es zunächst oft gar nicht auf, dass es sich um Fake-Seiten im Internet handelt.

„Es gibt jedoch Anzeichen, die dabei helfen, eine seriöse Seite von einem Fake-Shop zu unterscheiden“, beruhigt IT-Sicherheitsexpertin Patrycja Tulinska. Die Geschäftsführerin der PSW Group erklärt: „Weist eine eigentlich bekannte Web-Adresse Ungereimtheiten auf, beispielsweise wenn statt der Domain-Endung „de“ noch weitere, zusätzliche Domainendungen wie „.de.com” erkennbar sind, oder wenn die Web-Adresse gar nicht zum Inhalt der Site passt, sollte Skepsis angebracht sein.“

„Es gibt jedoch Anzeichen, die dabei helfen, eine seriöse Seite von einem Fake-Shop zu unterscheiden“, erklärt IT-Sicherheitsexpertin Patrycja Tulinska, Geschäftsführerin der PSW Group. Bild: PSW Group

„Es gibt jedoch Anzeichen, die dabei helfen, eine seriöse Seite von einem Fake-Shop zu unterscheiden“, erklärt IT-Sicherheitsexpertin Patrycja Tulinska, Geschäftsführerin der PSW Group. Bild: PSW Group

Schnell zu übersehen seien Lookalike-Domains, bei denen der Markenname geringfügig abgeändert wird und beispielsweise ein “O” durch eine Null ersetzt wurde. Dann müsse man schon genau hinschauen. Auch wenn die Preise eines Online-Shops zu gut sind, um wahr zu sein, ist dies ein Indiz für einen Fake-Shop. Bleibt dann auch noch als einzige Bezahlmöglichkeit nur Vorkasse, rät die Expertin, sofort den Kauf abzubrechen. Denn dann ist das Risiko zu hoch, dass die bestellte Ware niemals ankommt.

Ein schlechtes Zeichen sei immer auch ein fehlendes oder unvollständige Impressum sowie mangelnde Angaben zur Erreichbarkeit. In das Impressum gehören neben der Postadresse auch ein Vertretungsberechtigter sowie eine E-Mail-Adresse und die Handelsregisternummer – deren Echtheit lässt sich unter handelsregister.de prüfen. „Fehlen dann auch noch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen, rate ich in solchen Online-Shops gar nicht erst zu bestellen. Dasselbe gilt, wenn diese offensichtlich zusammenkopiert oder mit einem Übersetzungsprogramm in schlechtes Deutsch übersetzt wurden“, so die IT-Sicherheitsexpertin weiter.

SSL-Zertifikat überprüfen

Gleichgültig, ob Online-Shop oder Online-Banking: Hände weg von einer Website, wenn sie nicht verschlüsselt ist oder Passwörter, persönliche Daten oder auch die Zahlungsdaten unverschlüsselt übermittelt werden. „Selbst, wenn die Website sicher erscheint, also mittels HTTPS verschlüsselt ist, empfehle ich das Zertifikat genau zu prüfen, indem in der Adresszeile des Browsers das Schloss oder das Feld vor https angeklickt wird. Sogleich erscheint, wer Zertifikats- und Domain-Inhaber ist und welche Zertifizierungsstelle die Identität geprüft hat. Kostenfreie SSL-Zertifikate sind in aller Regel nur Domain-validiert, das heißt eine Identitätsprüfung des Website-Betreibers fand nicht statt. Und diese Zertifikate werden gern von Fake-Shops genutzt“, warnt Tulinska.

Tatsächlich machen sich die wenigsten Fake-Shops die Mühe, ein sogenanntes Extended-Validation-SSL-Zertifikat (EV-Zertifikat) anzufordern, da dieses eine genaue Prüfung der Identität des Zertifikatbesitzers durch die Zertifizierungsstelle erfordert.

Gütesiegel überprüfen und Bewertungen kritisch betrachten

Um seriöse Online-Shops auch als solche zu kennzeichnen, hat die Branche Gütesiegel entwickelt. Um ein solches Siegel zu erhalten, werden Online-Shops auf verschiedene Parameter geprüft, die sich von Siegel zu Siegel unterscheiden können. Anstatt jedoch blind auf diese Siegel zu vertrauen, lohnt es sich, genauer hinzuschauen, denn Fake-Shops setzen auf frei erfundene Siegel. „Ein Klick auf das jeweilige Siegel zeigt, ob es echt ist. Wer zum Zertifikat des Siegel-Anbieters weitergeleitet wird, kann sicher sein, dass das Siegel und damit auch der Shop echt sind. Handelt es sich um einen Fake, ist in aller Regel kein Link hinterlegt“, informiert Tulinska und rät auch einen Blick auf Kundenbewertungen zu werfen: Existieren die nur innerhalb des Shops, sind sie ausschließlich positiv oder überschlagen sich Bewerter regelrecht mit Lobeshymnen, ist Vorsicht geboten.

Weitere Informationen gibt es unter www.psw-group.de/blog/fake-seiten-erkennen-millionen-betrugs-domains/7074.

Dr. Jörg Schröper ist Chefredakteur der LANline.