Bei Veeam gibt es Grund zur Freude: Auf seiner Hausemesse VeeamON, die dieses Jahr in Miami fünfjähriges Jubiläum feiern durfte, konnte Veeams Gründer und CEO Ratmir Timashev die Erreichung eines lange verfolgten Ziels vor über 2.500 Teilnehmern verkünden: Der Backup-Spezialist hat im vergangenen Jahr erstmals einen Umsatz von über einer Milliarde Dollar erreicht.

Mit dem Knacken der Umsatzmarke von über einer Milliarde Dollar ist Veeam laut CEO Ratmir Timashev nun einer vor 34 Herstellern, die dieses Umsatzziel allein mit Softwareverkäufen erreichen. Dazu kann Veeam nun über 350.000 zahlende Kunden vorweisen, im Jahr 2011 waren es noch 20.000 (www.veeam.com/news/20000-customers-worldwide-now-use-veeam-backup-replication.html) – und damals galt Veeam schon als technisch führender Hersteller in seinem Segment.

Nicht nur bei den Geschäftszahlen läuft es für den Hersteller gut, auch was die Technik in den eigenen Produkten betrifft, geht es nun nach einer etwas ruhigeren Phase wieder stärker voran. Dieses Jahr noch soll die bereits ursprünglich für Ende 2017 angekündigte Version 10 von Veeam Backup und Recovery erscheinen. Wichtigstes Feature von insgesamt rund 20 neuen Funktionen der kommenden Version von Veeams Flaggschiffprodukt ist die Unterstützung von File-Servern und NAS-Systemen auf CIFS-/SMB- und NFS-Basis als weitere Datenquelle für Backups. In der ersten Ausgabe von v10 ist allerdings noch nicht davon auszugehen, dass die Continuous-Data-Protection-Funktion inkludiert ist.

Continuous Data Protection soll einen fortlaufenden Schutz der Daten auf Basis von Replikationstechniken ermöglichen. Im Unterschied zum Konkurrenten Zerto, der mit seinem kürzlich aktualisierten Produkt „Zerto 7“ diese Funktion schon seit Jahren anbietet, soll Veeams Implementierung von CDP auf Basis von VMwares VAIO (vSphere API for I/O)-Schnittstelle arbeiten.

Spannend sind dafür die neuen Fähigkeiten rund um die Hybrid Cloud: Version 10 soll eine einfache und direkte Wiederherstellung von Backups von Cloud Maschinen (AWS, Azure) in eine VMware-basierende Infrastruktur ermöglichen. Die Migration von Maschinen von der der Cloud zurück ins Rechenzentrum (Cloud Repatriation) wird dadurch massiv vereinfacht.

Mehr Technik und weniger Marketing

Ebenfalls positiv angekommen bei den Teilnehmern ist es, dass der Hersteller sich auf der diesjährigen Hausmesse wieder seiner Wurzeln besonnen hat – wurden 2018 auf der damaligen VeeamON vor allem marketinglastige Aussagen mit wenig technischen Neuerungen verkündet, standen dieses Jahr die Kernfunktionen der Veeam-Produkte im Vordergrund: Backup und Recovery. Allerdings vergrößert Veeam dafür seinen Markt. Ursprünglich hatte der Hersteller mit Backup und Recovery für virtualisierte Umgebungen auf Basis von VMware vSphere und Microsoft Hyper-V begonnen. Später kam die Unterstützung für den VMware-Konkurrenten Nutanix hinzu.

Nun stehen die Public-Cloud-Anbieter sowie Wechselspiele zwischen der Public Cloud und der Private Cloud im Fokus der Veeam-Strategen. Im persönlichen Gespräch mit der LANline betonte Rick Vanover, Director of Technical Product Marketing bei Veeam: „Backup ist nach wie vor unser Kerngeschäft, allerdings bauen unsere Kunden nun hybride Clouds auf Basis von Azure, AWS und Google Cloud. Um hier erfolgreich zu sein, fokussiert sich Veeam auf Datensicherung und -management in der hybriden Cloud – eine riesige Geschäftschance für uns“.

Hierfür sieht sich der Hersteller mit der noch aktuellen Version von Veeam Availability Suite, Version 9.5 Update 4, die seit Januar 2019 zur Verfügung steht, bereits gut aufgestellt. Die wichtigste Neuerung in dieser Version war die Einbindung von objektbasiertem Speicher in der Cloud als Erweiterung des Scale Out Backup Repositories: Backup-Daten, die ein einstellbares Alter in Tagen überschreiten, lassen sich darüber automatisch aus dem Rechenzentrum in die Cloud verschieben und bei Bedarf zurückholen.

Version 2 des Availability Orchestrators ist verfügbar

Ein weiteres Highlight der Messe war die Ankündigung von Veeams Availability Orchestrator in der neuen Version 2, die bereits jetzt verfügbar ist. Anwender können mit dem Availability Orchestrator komplexe Wiederherstellungsmaßnahmen, wie sie im Disaster-Recovery-Fall nötig sind, planen und automatisieren, eine Funktion wie sie auch VMwares Site Recovery Manager (SRM) liefert. Im Unterschied zu VMwares SRM ist Disaster Recovery auf Basis von Veeams Lösung mit deutlich weniger Aufwand zu betreiben. Während VMware eine komplette Parallelumgebung mit Replikation der VMs benötigt, kann Veeam mit dem Availability Orchestrator in Version 2 nun auch automatische Disaster-Recovery-Vorgänge auf Basis von kostengünstigen und einfachen Backups vornehmen, die ohnehin vorhanden sind. Der GUI hat der Hersteller ebenfalls ein Update spendiert. In der neuen Version ist es möglich, die wichtigen Metriken RTO (Recovery Time Objective) und RPO (Recovery Point Objective) direkt in der grafischen Oberfläche zu konfigurieren.

Mehr Wahlfreiheit will Veeam seinen Anwendern auch in Sachen Hardwareplattform geben. Bereits Anfang Mai anlässlich der Nutanix-Hausmesse .Next hat Veeam die Unterstützung für „Nutanix Mine“ angekündigt. Dies ermöglicht es Kunden, eine komplette Veeam-Umgebung als einfach zu konfigurierende Appliance aufzusetzen – eine Darreichungsform, die Veeam bislang selbst nicht unterstützt hatte und von neuen Herstellern im Backup-Markt favorisiert wird. Im Zusammenspiel mit den hyperkonvergenten Server-Systemen von Nutanix auf Basis deren eigenen Hypervisors AHV können Kunden nun die Veeam-Software bequem als Bundle mit der passenden Hardware beziehen – die Idee ist gut, auf die Marktakzeptanz darf man gespannt sein.

Den Termin für die nächste Hausmesse hat der Hersteller auch bereits verkündet: die VeeamON 2020 findet vom 4. bis 6. Mai in Las Vegas statt.

Jens Söldner ist Geschäftsführer von Söldner Consult GmbH, www.soeldner-consult.de.