Der Telekommunikationsmarkt in Deutschland wird nach Einschätzung des Ausrüstungsanbieters Keymile in diesem Jahr durch fünf Trends geprägt. Im Sprachbereich werden weitere Lücken bei Voice over IP geschlossen. Vectoring und seine Nachfolgetechnologien nehmen Fahrt auf, die Virtualisierung von Zugangsnetzen wird in diesem Zusammenhang verstärkt zum Thema und parallel dazu geht auch der Glasfaserausbau weiter. Durch Video on Demand schließlich wird der Bandbreitenbedarf weiter steigen.

Auch wenn beim Breitbandausbau in den letzten Jahren spürbare Fortschritte im deutschen Telekommunikationsmarkt erzielt wurden, bleiben mittelfristig weitere Herausforderungen bestehen. Keymile hat nach eigenen Angaben fünf Bereiche identifiziert, die das Geschehen im Telekommunikationsmarkt hierzulande maßgeblich prägen werden.

 

1. Im Sprachnetz verdrängt Voice over IP (VoIP) das klassische Telefonienetz

 

Bis vor zehn Jahren dominierten ISDN-Anschlüsse bei den Telefonanschlüssen. In der Zwischenzeit sind die Netzbetreiber dabei, die letzten verbliebenen weißen Flecken bei VoIP zu schließen. Im Transportnetz oder bei Transatlantikverbindungen, also dort, wo viele Gespräche gleichzeitig übertragen werden, ist der Umstieg schon länger vollzogen. Selbst wer heute noch über Analog- oder ISDN-Anschlüsse verfügt, telefoniert letztlich ab dem Voice-Gateway oder der Vermittlungsstelle über ein IP-Netz. Viele Unternehmen und Privathaushalte nutzen bereits VoIP, bei anderen steht die Migration an. In den nächsten zwei bis drei Jahren soll in Deutschland dann das gesamte Netz auf VoIP umgestellt sein. Damit wird auch das letzte Glied in der Kommunikation auf IP/Ethernet migriert und es entsteht eine einheitliche, zukunftssichere Plattform für Sprach-, Daten- und Videodienste.

 

2. Netzbetreiber nutzen Vectoring für schnellere Breitbandanschlüsse

 

VDSL2 und Vectoring sind in Kombination eine Brückentechnik, die aktuell eine zentrale Rolle für eine bessere Breitbandversorgung spielt. Die vergleichsweise geringen Investitionskosten, die hohe Nachfrage nach mehr Bandbreite und die Möglichkeit, vorhandene Kupferleitungen weiter nutzen zu können, sind wichtige Gründe dafür, warum viele Netzbetreiber auf VDSL2 und Vectoring setzen. Dazu kommt, dass Vectoring auch für eine höhere Netzstabilität sorgt. Der Rollout von VDSL2 und Vectoring hat gerade begonnen. Bezüglich der technischen Weiterentwicklung stehen Techniken wie G.fast schon in den Startlöchern. Und die Entwicklung geht weiter: So befindet sich derzeit das VDSL2 Profile 35b im ITU-T-Standardisierungsprozess, das auf noch höheren Frequenzen die Bandbreiten auf mittellangen Kupferstrecken von rund 300 Metern auf bis zu 250 MBit/s steigern soll. Noch höhere Raten sind durch den zurzeit in der Diskussion befindlichen Long-Reach-G.fast-Ansatz zu erwarten. Es bleibt aber abzuwarten, inwieweit Netzbetreiber diese zukünftigen Techniken nutzen werden, oder doch gleich auf Glasfaser bis ins Haus setzen.

 

3. Virtualisierung von Zugangsnetzen

 

Durch die Einführung von Vectoring wird die bisherige Marktordnung zum Teil außer Kraft gesetzt, denn Vectoring sieht keine Entbündelung einzelner Teilnehmeranschlussleitungen (TAL) am Kabelverzweiger mehr vor. Statt der bisherigen physischen Leitungsentbündelung ermöglichen Software-Defined Access Networks eine virtuelle Entbündelung. Analog zu Software-Defined-Networking- und Network-Functions-Virtualization-Architekturen, wie sie in Rechenzentren und bei Cloud-Providern eingeführt werden, können dann auch Zugangsnetze von den Vorteilen einer Trennung der Steuer- und Datenebene profitieren. Auf Basis einer Vectoring-Plattform sind dann mehrere Provider in der Lage, über einen virtuellen Zugriff ihre jeweiligen Kunden mit schnellen Breitbandzugängen zu versorgen.

 

4. Insbesondere bei regionalen Netzbetreibern geht Glasfaserausbau voran

 

Parallel zum Einsatz von Vectoring geht auch der Glasfaserausbau schrittweise weiter, vorangetrieben vor allem durch regionale und lokale Netzbetreiber. Im Vergleich zu börsennotierten und international tätigen Konzernen können regionale Netzbetreiber einen längeren Zeitraum nutzen, innerhalb dessen sich die Investitionen in den Glasfaserausbau amortisieren müssen. Während die „“Großen““ auf Förderung der Politik und der EU warten, haben immer mehr Kommunen und Stadtwerke ihre Chancen erkannt. Daher wird kurzfristig der Glasfaserausbau auch weiterhin eine Domäne von Stadtwerken und deren Tochterunternehmen bleiben, die zudem die Gegebenheiten vor Ort genau kennen und flexible Lösungswege einschlagen können.

 

5. Video on Demand setzt sich immer stärker durch

 

Eine hohe Bandbreite ist die Grundlage für neue Dienste wie Video on Demand (VoD). Millionen von Deutschen rufen bereits über ihren Fernseher Inhalte aus dem Internet ab. Über Videoportale, Mediatheken und OTT-Dienste (OTT: Over the Top) werden Zuschauer zu ihrem eigenen Programmdirektor. Das stellt Netzbetreiber vor Herausforderungen, denn sie müssen ihre Netze an einen rasant steigenden Bedarf anpassen und erweitern, denn Video on Demand beruht auf Unicast-Verbindungen, bei denen jeder Empfänger direkt mit dem Sender kommuniziert.

 

„“Der Breitbandbedarf wird aufgrund von VoD in den nächsten Jahren stark anwachsen, insbesondere in den Kernnetzen – nicht zuletzt wegen der geänderten Sehgewohnheiten der Zuschauer. Sie haben heute die freie Wahl, Inhalte abzurufen, wann und mit welchem Endgerät sie das gerade möchten““, sagt Klaus Pollak, Head of Consulting and Projects bei Keymile. „“Der weitere Vectoring-Ausbau ist dabei ein wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg zum Glasfaserausbau bis in die einzelnen Häuser.““

 

Weitere Informationen gibt es auf www.keymile.de.

 

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