Die Green-IT-Debatte konzentrierte sich lange auf die Verbesserung der Energiebilanz von
IT-Equipment. Immer stärker rückt in den Fokus, dass IT andere Industriezweige effizienter und
damit umweltfreundlicher machen kann. Google geht nun noch einen Schritt weiter: Mit Google Earth
will die Softwareschmiede die Mächtigen der Welt zum Handeln bewegen.

„Die Wirtschaftslage hat den Bedarf erhöht, die Kosten für die Stromversorgung und Kühlung
der Rechenzentren zu senken“, bringt Ben Grimes, CTO des RZ-Management-Spezialisten Avocent, die
primäre Green-IT-Motivation auf den Punkt. Grimes plädiert deshalb für den Einsatz von Tools, die
es erlauben, sämtliche IT- und Nicht-IT-Bestände eines RZs komplett zentral zu überwachen und somit
deren Nutzung zu optimieren. Die Branche ist sich einig, dass so enorme Kostensenkungen möglich
sind.

Einige Fachleute wie Dennis Pamlin vom WWF weisen schon seit Jahren darauf hin, dass der
IT-Einsatz als Mittel zur Prozessoptimierung in anderen Industriebereichen (Produktion, Handel,
Logistik etc.) ein noch weit größeres Optimierungspotenzial birgt. Dessen nehmen sich die
IT-Anbieter immer stärker an, so zum Beispiel IBM im Rahmen seiner „Smarter Planet“-Initiative oder
auch Cisco. Der Netzwerkausrüster hat ein „Converged Building Systems“-Konzept für das
netzwerkbasierte, energieoptimierte Gebäude-Management vorgestellt, zudem kooperiert er – wie auch
andere Branchengrößen – mit Energieversorgern, um „Smart Grids“ (intelligente
Stromversorgungsnetze) zu realisieren.

So hat Cisco Deutschland zusammen mit Yello Strom ein Smart-Grid-Pilotprojekt gestartet. „Bis
zu 70 ausgewählte Haushalte und Betriebe“, hieß es, will man mit innovativer IP-Technik zur
Verbrauchssteuerung von Elektrogeräten sowie zur Steuerung dezentraler Energieerzeugung mittels
Photovoltaik, Blockheizkraftwerken oder Wärmepumpen ausstatten.

Online-Stromzähler sollen den Kunden den eigenen Stromverbrauch viertelstündlich aktualisiert
anzeigen. Energie-Management-Systeme und Smart Plugs zur Steuerung der Energieverbraucher und der
dezentralen Energieerzeuger sollen helfen, den Stromverbrauch um zirka zehn Prozent zu senken und
um weitere 15 Prozent zeitlich zu verschieben. Dies verringert die Last in Spitzenzeiten.

Eine spannende neue Green-IT-Facette bringt Google ins Spiel: Pünktlich zum Klimagipfel der
Vereinten Nationen von 7. bis 18. Dezember 2009 in Kopenhagen (COP15) will der Anbieter seine
beliebte Geografiesoftware Google Earth um -Features zur Visualisierung und Simulation des
Klimawandels erweitern. Dies ist einem Video zur Ankündigung der neuen Funktionen (siehe Kasten) zu
entnehmen, für das Google den Ex-US-Vizepräsidenten und renommierten Umweltaktivisten Al Gore
gewonnen hat, dessen Buch „An Inconvenient Truth“ zumindest einen Teil seiner Landsleute
wachgerüttelt hat.

„In Zusammenarbeit mit der dänischen Regierung und anderen launchen wir eine Reihe von
Google-Earth-Layers und -Touren, die es ermöglichen, die potenziellen Auswirkungen des Klimawandels
auf unseren Planeten und die Lösungen für den Umgang damit zu erforschen”, hieß es dazu auf Googles
offiziellem Blog. Das Video “Confronting Climate Change” (Der Umgang mit dem Klimawandel) mit Al
Gore sei nur das erste einer Reihe ähnlich gelagerter Filme, die in den nächsten Wochen folgen
sollen. Zudem plane Google mit der dänischen Regierung den „Youtube COP15 Channel“. Dort könnten
Mitbürger ihre Gedanken und Fragen zum Thema beisteuern. Die bestbewerteten Beiträge sollen am 15.
Dezember in einer CNN/Youtube-Debatte weltweit ausgestrahlt werden.

Wie im Al-Gore-Video zu sehen, wird die neue Funktionalität den Betrachtern die drohenden
Auswirkungen des Klimawandels plastisch vor Augen führen. Dies soll bei ausreichender Verbreitung
helfen, die Regierungschefs über schöne Worte hinaus in Zugzwang zu bringen – selbst die USA.

Dr. Wilhelm Greiner

Weblinks

Klimagipfel der UN: en.cop15.dk

Google Earth: earth.google.com/intl/de

Al Gore: www.algore.com

Google Earth Climate Intro kurz: www.youtube.com/watch?v=jPIo7lteCZk

Google Earth Climate Intro lang: www.youtube.com/watch?v=J7ygf-puKm0

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