Ganzheitlicher Ansatz als Bedingung

Effizient durch passende Strategie

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© Wolfgang Traub

Das Thema Energieeffizienz gewinnt immer mehr an Bedeutung, und zwar nicht nur im Alltag, sondern bekanntlich auch in jeglichem Umfeld der Rechenzentren. Ob Hyperscaler, Enterprise, Mittelstand oder Edge – jeder dieser Bereiche muss sich mit diesem Schlagwort auseinandersetzen. Auch der einzelne Nutzer diverser IT-Dienste ist in alle Überlegungen einzubinden, um den gewünschten und auch notwendigen Effekt der Einsparung zu erzielen.

Zu kurz gedacht wäre es allerdings, den Fokus allein auf die Energieeffizienz zu lenken. Vielmehr müssen alle Beteiligten auch die weiteren Ressourcen betrachten, um dem angedeuteten ganzheitlichen Ansatz gerecht zu werden. Von Beginn an müssen sich also alle dieser Frage stellen: Was ist denn überhaupt ein energieeffizientes Rechenzentrum? Oder anders: Welche Voraussetzungen müssen für ein solches erfüllt sein? Es gibt bereits etliche Artikel, andere Veröffentlichungen, White-paper etc., die das Thema behandeln, und dieser Beitrag wird auch nicht der letzte sein. Jeder hat bekanntlich einen anderen Blickwinkel bezüglich der erforderlichen Herangehensweise an die Thematik. Für ein tatsächlich energieeffizientes Rechenzentrum müssen die Beteiligten bereits in der Planungs- oder Findungsphase sowie bei der Anforderungs- und Bedarfsanalyse die entscheidenden Voraussetzungen schaffen. Wichtig: Der Schlüssel zum nachhaltigen Erfolg ist die Einbindung sämtlicher Stakeholder in diesen Prozess.

Dabei verweisen Experten stets auf die von der EN 50600 in Teil 1 geforderte Geschäfts- und Risikoanalyse, um die richtige RZ-Strategie zu wählen. Denn die treibende Kraft hinter allen Bemühungen ist bekanntlich das Geschäftsmodell des Unternehmens. Diese wiederum bildet die Basis der IT-Strategie, auf der die eigentliche RZ-Strategie fußt. Das Unternehmen bestimmt die IT-Strategie, und die IT-Strategie bestimmt die RZ-Strategie.

Es ist also entscheidend, von Beginn die notwendigen Geschäftsprozesse auf ihre Kritikalität hin zu analysieren, um die notwendigen Verfügbarkeiten ableiten zu können. Dieser Prozess muss sachlich und konstruktiv erfolgen. Ziel ist dabei unter anderem, mit der notwendigen Distanz die zu erwarteten Risiken abschätzen zu können. Angst ist selten ein guter Berater in diesen Angelegenheiten. Mit den gewonnen Erkenntnissen aus der Anforderungs- und Bedarfsanalyse und einer für das individuelle Geschäftsmodell passenden Schutzzieldefinition (es gibt nicht das „eine“ Rechenzentrum, denn jedes hat unterschiedliche Anforderung und Ziele) hat der künftige Betreiber bereits den ersten erfolgreichen Schritt in Richtung eines energieeffizienten RZs gemacht.

Auch wenn dieser erste Schritt unabhängig von der Unternehmensgröße sehr viel Aufwand bedeutet, ist danach doch klar, was man tatsächlich benötigt. Zu den Ergebnissen zählt auch, welche Strategie individuell die beste ist. Danach lassen sich weiteren Schritte angehen. Ein zusätzlicher Treiber hinsichtlich der Energieeffizienz ist zudem die geforderte CO2-Neutralität ab 2050 in der EU für Rechenzentren. Dies bedeutet, dass jede eingesparte Kilowattstunde bereits ein Plus darstellt, um das sehr ambitionierte Ziel erreichen zu können. Rechenzentren sind erforderlich, um die Digitalisierung voranzubringen. Ziel muss es also sein, den Energiehunger bestmöglich zu drosseln. Dazu sollten sich die Verantwortlichen grundsätzlich aller verfügbaren Möglichkeiten aus den IT- und Infrastrukturwelten bedienen können. Die Stichworte lauten etwa Virtualisierung, Cloud on Premise, Kalt- und Warmgangaufstellung, Einhausung, SLA-Bedingungen, die Implementierung modularer und skalierbarer Konzepte.

Diese haben sich in den vergangenen Jahren als sinnvoll herausgestellt, um eine Überdimensionierung der IT- und der technischen Gebäudeausstattung zu vermeiden. Das zum Teil immer noch vorhandene Silodenken (IT ist IT, und TGA ist TGA – was interessiert mich der andere?) muss durchbrochen werden, um den notwendigen ganzheitlichen Ansatz verwirklichen zu können.

Um überhaupt eine Aussage hinsichtlich der Energieeffizient treffen zu können, ist ein detailliertes Messkonzept in Abstimmung mit der eingesetzten Technik auszuarbeiten und umzusetzen. Als Ergebnis stehen dann die für das jeweilige Rechenzentrum notwendigen Leistungskennzahlen fest. Der PUE-Wert (Power Usage Effectiveness) ist dabei allerdings nicht die einzige Kennzahl. Auch WUE (Water Usage Effectiveness), CUE (Carbon Usage Effectiveness), ERE (Energy Reuse Effectiveness) sowie REF (Renewable Energy Factor) gehören in die Betrachtung.

Es erfordert jedoch zusätzlich auch eine mutige und neuartige Herangehensweise, um auch die letzten möglichen Hebeeffekte hinsichtlich Effizienz erreichen zu können. Dies schließt zum Beispiel den Einsatz von künstlicher Intelligenz zur Optimierung der Betriebsparameter ein. Aber auch ein solches Vorgehen entbindet die Branche nicht davon, auch über andere – vermeintlich simple – Synergieeffekte intensiv nachzudenken. Die Themen Abwärmenutzung und Recycling sind dabei nur zwei Aspekte.

Manuel Mair ist Data Center Executive Expert im West European Digital Power Marketing and Solution Sales Department bei Huawei.

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