Effizienz aus Betreibersicht

Energie-Management senkt RZ-Kosten

06. Juni 2014, 06:00 Uhr   |  Matthew Gingell/jos, Director Data Centre Services bei Colt, www.colt.net.

Energie-Management senkt RZ-Kosten

Lange Zeit war das Thema Energie-Management nur ein Aspekt der Green-IT-Diskussion. Doch immer weiter steigende Energiepreise haben das Energie-Management zu einem Faktor gemacht, der sich auf die Unternehmensstrategie auswirkt und die Entscheidungen der IT-Abteilung rund um das Rechenzentrum maßgeblich beeinflusst.Steigende Energiekosten stehen einer der zentralen Anforderungen an die IT diametral entgegen - der Kostensenkung. Daher nimmt der Druck zu, den Energieverbrauch im Rechenzentrum effektiv zu senken und die Kapazitäten dennoch zu erhöhen. Für die von Colt in Auftrag gegebene Studie "Four Forces of Data Centre Disruption" wurden 503 IT-Entscheider in Unternehmen aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden befragt. 64 Prozent sehen den Energieverbrauch als zunehmend wichtigen Einfluss auf die IT-Strategie. In Deutschland sind 57 Prozent der Teilnehmer dieser Meinung. 67 Prozent sehen Energie-Management als wichtigen oder sehr wichtigen Faktor, um Sparziele zu erreichen. Dabei liegen die Teilnehmer aus Deutschland auf dem europäischen Schnitt. Energie-Management ist damit aus Sicht der Entscheider der zweitwichtigste strategische Einsparungsbereich für die IT nach der Netzwerkeffizienz.   Vier Fragen an die IT-Abteilung Die IT-Abteilung und der Betreiber des Rechenzentrums können sich die Verantwortung für die Kostensenkungen teilen. Die IT-Abteilung kann sich vier Fragen stellen, um die IT-Umgebung selbst effizienter zu gestalten: Die erste Frage ist, ob das im Rechenzentrum eingesetzte Equipment wirklich notwendig ist. Die Erfahrung von Rechenzentrumsbetreibern zeigt, dass dies nicht regelmäßig geprüft wird. Geräte kommen einmal im Rechenzentrum zum Einsatz und laufen dann weiter. Unnötig eingesetztes Equipment ist einer der wichtigsten Gründe für Energieverschwendung. Die zweite Frage bezieht sich ebenfalls auf die Hardware. Die IT-Abteilung sollte sicherstellen, dass moderne Geräte eingesetzt werden, denn die Leistungsfähigkeit hat sich in den vergangenen fünf Jahren deutlich weiter entwickelt. Modernes Equipment kann bis zu 30 Prozent Einsparungen bringen. Die dritte Frage ist, ob das genutzte Rechenzentrum für die Anforderungen des Unternehmens richtig dimensioniert ist. Die Erfahrung zeigt, dass IT-Abteilungen ihren Bedarf an Energieversorgung häufig an den Empfehlungen der Hersteller für ihr Equipment ausrichten. Dabei addiert sie die Werte auf, obwohl das eigentlich unnötig ist. So entsteht ein Bedarf an überdimensionierten Rechenzentrumsumgebungen. Dieser Fehlplanung lässt sich am besten mit einer flexiblen Umgebung begegnen, in der die Energieversorgung schnell an den Bedarf anpassbar ist. Die vierte Frage ist, ob der Betreiber die Virtualisierung richtig nutzt. Diese Technik ist inzwischen weit verbreitet. Doch ebenso wie beim Equipment ist es wichtig, regelmäßig zu prüfen, ob sie auch konsequent arbeitet.   Vier Faktoren für Rechenzentren Auch der Rechenzentrumsbetreiber kann auf vier entscheidende Faktoren achten, die für Unternehmen zugleich Kriterien für die Auswahl eines geeigneten Dienstleisters sein können: Das Equipment muss richtig in die Rechenzentrumsumgebung eingebaut sein. Diese Anforderung erscheint banal, doch auch an dieser Stelle kommen immer noch Fehler vor. Die Server müssen richtig im Rack installiert sein, und die Racks sollten so angeordnet, dass der Raum effizient genutzt ist und das sich Equipment zugleich richtig kühlen lässt. Die Kühlung ist der zweite Faktor. Früher glichen Rechenzentren Kühlschränken. Die Betreiber hielten die Temperatur sehr niedrig, damit Server- und Speichertechnik reibungslos funktionierten. Doch die Geräte haben sich weiterentwickelt, und die Komponenten vertragen heute normalere Temperaturen und auch mehr Luftfeuchtigkeit. Beides sollte bestmöglich eingestellt sein. Daher kommen Rechenzentren inzwischen grundsätzlich mit Frischluftkühlung aus. Jedes Grad höhere Temperatur macht sich dabei unter dem Strich in enormen Kosteneinsparungen bemerkbar. Der dritte Faktor ist die richtige Nutzung des Equipments und der Ausstattung des Rechenzentrums. Es sollte nur das Notwendigste arbeiten, alles andere sollte ausgeschaltet bleiben. Dies gilt für die Beleuchtung in den Räumen ebenso wie beispielsweise für Isoliertransformatoren. In der Vergangenheit kamen häufig externe Komponenten zum Einsatz, um das Equipment vor Ausfällen zu schützen. Heute sind die Funktionen in der Hardware eingebaut, und externe Komponenten sollten abgeschaltet sein. Die Stromspannung schließlich ist der vierte Faktor. Die Geräte kommen mit unterschiedlichen Spannungen zurecht, sollten aber mit der Spannung betrieben werden, mit der sie am besten laufen. Um Energie-Management betreiben zu können, ist es erforderlich, dass das Rechenzentrum die entsprechenden Daten erhebt. Die Kosten sind daher auch der Hauptantrieb für Unternehmen, sich stärker mit den Vorgängen im Rechenzentrum zu beschäftigen. Das Verständnis für dessen Bedeutung im Rahmen des Geschäftsbetriebs wächst. Für technikgetriebene Unternehmen ist das Rechenzentrum der Dreh- und Angelpunkt für den effektiven Einsatz moderner Konzepte wie Social Business, Mobility, Cloud Computing und Big Data. Es hat direkten Einfluss auf den Unternehmenswert und den Umsatz. Mittlerweile lässt sich eine Vielzahl von Daten im Rechenzentrum erheben und dem Anwender in Echtzeit oder über regelmäßige Reports zur Verfügung stellen. Höchste Priorität kommt dabei dem Energieverbrauch zu. Er ist an unterschiedlichen Stellen messbar, vom Hochspannungszugang bis zu einzelnen Servern in einem Rack. Ein weiterer wichtiger Parameter ist die Temperatur. Ebenso können Luftfeuchtigkeit und Luftqualität Auswirkungen auf sensibles Equipment haben. Schon geringe Schwankungen beeinflussen womöglich die Leistung erheblich, und schnelle Reaktionszeiten bei Veränderungen all dieser Umgebungsfaktoren sind entscheidend für einen kontinuierlichen Betrieb. Nicht zuletzt ist die Gebäudesicherheit ein zentraler Bestandteil jedes Rechenzentrumsbetriebs. Der Betreiber muss nachweisen, dass Sicherheitsvorschriften eingehalten sind, er Alarme und Videomaterial sammelt und diese Informationen dem verantwortlichen Personal des Betreibers und des Kunden zugänglich macht. Das Gebäude-Management-System sammelt die Daten, speichert sie und macht sie verfügbar. Es ist nicht nur multifunktional, sondern muss auch selbst bestens gesichert sein. Die technische Entwicklung wird den Rechenzentrumsbetrieb weiter öffnen und den Kunden noch mehr Einblicke und Möglichkeiten eröffnen. Aktuell erledigen Servicetechniker im Rechenzentrum noch vieles manuell. Ihre Arbeit wird sich künftig besser auswerten lassen. Wer arbeitet woran, an welchen Stellen des Rechenzentrums und wie lange? Solche Informationen können dazu beitragen, die Effizienz auch beim Energieverbrauch zu steigern und Know-how gezielt einzusetzen. Künftig werden auch viele Prozesse automatisch ablaufen. Automatisierte Rückmeldungen zu Ereignissen und Feedback-Schleifen sowie eine Lastkontrolle werden zur Norm.

67 Prozent der befragten Verantwortlichen sehen das Energie-Management als wichtigen oder sehr wichtigen Faktor, um Sparziele zu erreichen.
Laut der Studie "Four Forces of Data Centre Disruption" sehen europaweit 64 Prozent der Befragten Manager den Energieverbrauch als zunehmend wichtigen Einfluss auf die IT-Strategie, in Deutschland sind es 57 Prozent.

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