Nachhaltiger und wirtschaftlicher RZ-Betrieb

Erlösquelle Notstromaggregat

5. Dezember 2022, 7:00 Uhr | Claudius Beermann/jos
Maßnahmen für mehr  Klimaschutz
RZ-Betreiber können nicht nur Erlöse erzielen, sondern auch Maßnahmen für mehr Klimaschutz refinanzieren.
© RWE

Der Strombedarf von Rechenzentren in Deutschland ist in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich gestiegen. Im Corona-Jahr 2020 erreichte er imposante 16 Terawattstunden Die Branche sieht daher einen klaren Bedarf zum Gegensteuern. 2021 befragte der Branchenverband Bitkom in einer Studie Experten zu den größten Risiken – und viele nannten allen voran die steigenden Strompreise. Neue Geschäftsmodelle könnten helfen.

Strom war in Deutschland jedoch schon vor der gegenwärtigen Energiekrise teuer. Aktuell führt die europaweite Gasmangellage zu stark steigenden Preisen. Dies belastet RZs erheblich. Ihr immenser Stromverbrauch stellt jedoch nicht nur einen Kostenfaktor dar, er ist zudem klimaschädlich. Einige Betreiber von Rechenzentren haben dies bereits erkannt und Potenziale für einen ökologisch nachhaltigeren Betrieb untersucht. Dabei ging es primär um die Verbesserung der technischen Energieeffizienz, insbesondere bei der Kühlung.

Aber auch die mit dem Betrieb der dieselbetriebenen Netzersatzanlagen verbundenen CO2-Emissionen sind wenig umweltfreundlich. Dennoch gaben Rechenzentrumsbetreiber im Rahmen der Bitkom-Studie an, dass der Ersatz ihrer klassischen Diesel-Notstromaggregate aktuell allenfalls in sehr geringem Umfang in Planung oder gar Umsetzung sei. Eine Erklärung dürfte sein, dass alternative Techniken der Netzersatzversorgung erheblich teurer sind als klassische Notstromaggregate. Für 24 oder 48 Stunden Netzersatzkapazität (etwa DIN EN 50600) sind zum Beispiel Batteriespeicher, Wasserstoffmotoren oder Brennstoffzellen geeignet. Diese Lösungen sind jedoch schlicht zu teuer. Daher kommen sie gegenwärtig allenfalls im Rahmen von Demonstrations- oder Versuchsprojekten zum Einsatz.

Dennoch existieren bereits heute Alternativen, um die in den meisten Rechenzentren vorhandenen Notstromaggregate wirtschaftlicher und nachhaltiger einzusetzen. Denn diese Netzersatzanlagen können einen Beitrag zur Entlastung des Stromverteilnetzes sowie zur Stützung des Übertragungsnetzes leisten und so attraktive Erträge erzielen. Damit lassen sich die steigenden Stromkosten kompensieren und der Betrieb der Aggregate umweltfreundlicher gestalten.

Energiewirtschaftliche Nutzung der Notstromaggregate

In Zusammenarbeit mit spezialisierten Aggregatoren aus der Energiewirtschaft können Betreiber von Rechenzentren ihre Netzersatzanlagen durchaus vermarkten. RWE Supply and Trading, die Energiehandelstochter von RWE, bietet Rechenzentrumsbetreibern einen energiewirtschaftlich optimierten und ökologisch nachhaltigen Einsatz der Notstromaggregate an, der lediglich einer geringfügigen Erweiterung des Probebetriebs bedarf und zudem nachweislich keine Rückwirkung auf die Sicherheit des Rechenzentrums hat.

Regelenergie

Die Aggregate werden üblicherweise betriebswarm vorgehalten, sodass sie bei Netzausfall innerhalb von 30 Sekunden gestartet und binnen weniger Minuten zur Übernahme der Netzersatzversorgung im Rechenzentrum dienen können (sogenannter Inselbetrieb). Diese zuverlässige und schnelle Warmstart-Eigenschaft ist eine herausragende Besonderheit in der Kraftwerkslandschaft, die aus energiewirtschaftlicher Sicht keinesfalls ungenutzt bleiben sollte. Die Betriebsbereitschaft dieser bestehenden Notstrom-Erzeugungskapazitäten lässt sich auf dem Markt für sogenannte Sekundärregelleistung platzieren, sodass zum Beispiel weniger thermische Kraftwerke gedrosselt betrieben oder Pumpspeicherkraftwerkskapazitäten vorgehalten werden müssen, um bei Unterfrequenzen im deutschen Übertragungsnetz zur Netzstützung einspringen zu können.

Weil eine Erzeugung sogenannter Regelarbeit mit diesen Aggregaten mit hohen Erzeugungs- und Betriebskosten – und damit Arbeitspreisen – einhergeht, ist nur von äußerst seltenen Einsätzen auszugehen. Im Vordergrund steht vielmehr die Leistungsvorhaltung (Betriebsbereitschaft), deren Vergütung über einen separaten Leistungspreis erfolgt. Im Jahr 2021 betrug der Jahres-Leistungspreis für die Vorhaltung positiver Sekundärregelleistung über 100.000 Euro/Megawatt.

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