Green IT, Teil 2: OVHcloud

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Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Immersionskühlung und Kreislaufwirtschaft

Eine Besonderheit von OVHcloud: Der Provider, seit 18 Jahren auf dem Markt, setzt auf Kontrolle über den gesamten RZ-Stack hinweg. Dazu verwendet er ausschließlich selbstassemblierte, wassergekühlte Server. Auf dieser Basis erreichen die Rechenzentren nach OVHcloud-Angaben einen PUE-Durchschnittswert (Power Usage Effectiveness) von 1,19, die besten des Verbundes sogar 1,09. Pro 100 Watt Server-Leistung sind hier also nur neun Watt Kühlleistung erforderlich. Damit spielt OVHcloud in der ersten Liga der RZ-Energieeffizienz mit, laut Weinreich ist sein Unternehmen sogar „der grünste Provider, den es gibt“.

Interessant: Der RZ-Betreiber forscht an einer Kombination seiner patentierten Flüssigkeitskühlung mit Immersionskühlung (also dem direkten Eintauchen heißer Bauteile in Kühlflüssigkeit). Versuchsweise sei dieses Verfahren bereits im Einsatz. Es soll den Energieaufwand für die Kühlung künftig nochmals um 30 bis 40 Prozent reduzieren. Details zum Verfahren wollte OVHcloud während der Testphase aber noch nicht nennen.

Insgesamt sind die Nachhaltigkeitsziele des gallischen RZ-Dorfs jedenfalls weitreichend: Bis 2025 will man komplett auf erneuerbare Energien umsteigen und bis 2030 Klimaneutralität („Net Zero“) erreichen.

Das Ziel „100 Prozent erneuerbare Energie“ ist insbesondere für einen französischen Anbieter bemerkenswert: Dortige Unternehmen brüsten sich gern mit CO2-Neutralität, vor dem Hintergrund, dass Frankreichs Stromversorgung großteils (laut Statista im Jahr 2019 zu 71 Prozent) auf Kernenergie beruht, die man als „CO2-frei“ einstuft. Dabei gehen sie elegant darüber hinweg, dass die häufig stark veralteten französischen Kernreaktoren aus ganz anderen Gründen nicht zukunftsfähig sind – und dass Reaktorrückbau sowie Atommüll über Jahrtausende hinweg massive Folgekosten (inklusive eines massiven Folge-CO2-Anteils) verursachen werden.

Umso löblicher, das OHVcloud hier explizit auf erneuerbare Energieträger setzt – obschon das angesichts des heutigen europäischen Stromverbundenetzes letztlich doch nur auf dem Papier funktioniert. Hierzulande ist man schon so weit: In Limburg bezieht OVHcloud laut Weinreich zu 100 Prozent Ökostrom, überwiegend aus Windenergie, ein Kernenergie- oder Kohleanteil sei vertraglich ausgeschlossen.

Ebenfalls bis 2025 will OVHcloud eine Kreislaufwirtschaft im RZ erreichen, also Elektroschrott komplett vermeiden. Schon heute nutzen laut Bekunden des Providers 45 Prozent seiner Server recycelte Komponenten. Laut Weinreich werden Server nach Ablauf ihrer Einsatzdauer mehrfach in die hauseigene Fabrik zurückgeschickt und wieder aufbereitet. Der Provider hat zudem vor, eine eigene Marke zu etablieren, um Services zu vermarkten, die explizit auf recycelten Servern basieren.

Die eigentliche Herausforderung, so Falk Weinreich, sei es aber, bis 2030 Nachhaltigkeit „für die gesamte Value Chain“ durchzusetzen, also über die komplette Lieferkette hinweg und somit schon bei den Herstellern der Server-Komponenten. Es bleibt abzuwarten, ob die Marktmacht der Gallier dafür ausreicht, oder sie sich für dieses Vorhaben doch erst noch einen Zaubertrank mixen müssen.

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