Interview: Aroosh Thillainathan, Northern Data

Grüne Chancen für HPC

22. Juni 2021, 07:00 Uhr   |  Dr. Jörg Schröper

Grüne Chancen für HPC
© Wolfgang Traub

Um der digitalen Transformation in Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft Rechenleistung zur Verfügung zu stellen, ist High-Performance Computing (HPC) zu einem wichtigen Faktor geworden. In klimasensiblen Zeiten ist die Energieversorgung auch in diesem Umfeld ein Thema. Aroosh Thillainathan, CEO des HPC-Spezialisten Northern Data, sprach mit LANline über den ökologischen Anspruch seiner Branche.

LANline: Welche Bedeutung hat HPC im Vergleich mit herkömmlichen IT-Leistungen?
Thillainathan: HPC war zunächst vor allem in der Forschung zu Hause. Doch seit einiger Zeit kommen immer mehr kommerzielle Anwendungen dazu. Riesige Datenmengen mit sehr hoher Geschwindigkeit durch zusammenhängende IT-Strukturen aus Tausenden oder sogar Zehntausenden von Rechnern parallel verarbeiten zu können, ist für viele Unternehmen aus Zukunftsbranchen zum zentralen Erfordernis geworden. Das betrifft wissenschaftliche Disziplinen von der Klima- bis zur Krebsforschung, aber auch die Industrie fragt zunehmend Anwendungen für beispielweise Machine Learning oder Big-Data-Analyse nach.

LANline: Wo findet man diese Anwendungen genau?
Thillainathan: Überall dort, wo große Datenmengen innerhalb kürzester Zeit verarbeitet werden müssen. Die Workloads sind dann zu groß, als dass einzelne Computer sie verarbeiten könnten. Sei es bei der Simulation von Luftströmungen im Flugzeugbau, bei der Sequenzierung von DNA in der Genomik, bei der Durchführung komplexer Risikoanalysen in der Finanzwirtschaft, beim autonomen Fahren, bei 3D-Streamings im Gaming oder bei der Analyse großer Mengen von Kundendaten im Einzelhandel. Und dies sind nur einige wenige Beispiele. Dass die Marktforscher von Hyperion Research dem weltweiten HPC-Markt voraussagen, bis 2022 auf 44 Milliarden Dollar anzuwachsen, ist deswegen nicht verwunderlich.

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© Bild: Northern Data

Aroosh Thillainathan, CEO von Northern Data: „Moderne Software benötigt keine Rechenzentren, wie sie vor zehn oder 20 Jahren gebaut wurden. Dazu haben Virtualisierungs-Plattformen den Anfang gemacht.“

LANline: Vor Kurzem hat eine Bitkom-Studie ermittelt, dass jedes zweite Unternehmen in Deutschland klimaneutral werden will. Wie verträgt sich dies mit dem Energiebedarf der Digitalisierung?
Thillainathan: In derselben Studie ist auch zu lesen, dass der verstärkte Einsatz digitaler Technologien – etwa in der industriellen Fertigung oder in der Mobilität – dazu beitragen kann, den CO2-Austoß im Jahr 2030 verglichen mit 2019 um 120 Millionen Tonnen zu senken. Das entspricht fast der Hälfte der Einsparungen, die Deutschland für sein Klimaziel in den nächsten neun Jahren erreichen muss. Dazu passt, dass 86 Prozent der befragten Unternehmen Digitalanbietern eine Vorreiterrolle im Kampf gegen den Klimawandel einräumen. Viele geben zudem an, dass sie in Zukunft auf digitale Weise effizienter, ressourcenschonender und klimaverträglicher wirtschaften wollen. HPC kann und sollte das nach Kräften unterstützen.

LANline: Welche Möglichkeiten sehen Sie dazu?
Thillainathan: Grob gesagt sind es zwei: Zum einen gilt es natürlich, wo immer möglich, regenerative Energien zu nutzen. Und zum anderen ist es wichtig, dank technologischer Innovationen die Energieeffizienz immer weiter zu verbessern.

LANline: Wie sieht eine praktische Umsetzung aus?
Thillainathan: Ein einfaches Beispiel sind unsere Anlagen in Skandinavien. Dort produzieren wir Rechenleistung nachhaltig und klimaneutral, weil wir zu 100 Prozent regional überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energien nutzen, vor allem aus Wasserkraft. Aber nicht nur das. Wir können dort auch ein innovatives Kühlungs-Management betreiben. Es basiert auf unserer selbst entwickelten KI, die in unseren Rechenzentren jeden einzelnen Server automatisiert steuert, sowie aus einer passiven Kühlung.

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