Equinix will bis 2030 klimaneutral sein

Nachhaltiger RZ-Betrieb

23. Juni 2021, 12:00 Uhr   |  Wilhelm Greiner

Nachhaltiger RZ-Betrieb
© Equinix

Equinix-RZ mit begrüntem Dach

Allmählich setzt sich die Erkenntnis durch, dass ein Gegensteuern gegen die Überhitzung des menschlichen Habitats vielleicht doch keine so schlechte Idee ist. Immer mehr Unternehmen veranlasst dies zu ambitionierten Aktionsplänen – schneller als weite Teile der globalen politischen Führungsriege. Insbesondere in der IT-Branche gedeiht das grüne Engagement, versteht man sich doch als Katalysator für die Prozessoptimierung und damit auch für das Energiesparen. Doch es gibt da einen Haken: Je mehr Prozesse IT-gestützt laufen, desto größer ist auch der Bedarf an Rechenzentren – und diese sind aufgrund ihres enormen Stromverbrauchs allzu eifrige CO2-Schleudern. Equinix will hier gegensteuern.

Der Strombedarf hiesiger Rechenzentren ist im Pandemiejahr 2020 laut Berechnungen des gemeinnützigen Borderstep-Instituts deutlich angestiegen: „Im Vergleich zum Vorjahr erhöhte sich der Bedarf an elektrischer Energie durch Server und Rechenzentren um sieben Prozent auf 16 Milliarden kWh“, so Dr. Ralph Hintemann von Borderstep. „Damit ist der Energiebedarf im Vergleich zum Vorjahr um eine Milliarde kWh angestiegen, trotz der Wirtschaftskrise durch die Corona-Pandemie.“ Während Investitionen in kleinere Rechenzentren rückläufig seien, so der Experte, hätten viele Cloud-Anbieter von der Pandemie profitiert: „Hier führt beispielsweise die stark angestiegene Nachfrage nach Videodiensten, Tools für Online-Zusammenarbeit oder Online-Shopping zu einem deutlichen Marktwachstum.“

Der Strombedarf deutscher Rechenzentren im Pandemiejahr 2020 laut Borderstep-Institut um sieben Prozent gestiegen.
© Borderstep 2020

Der Strombedarf deutscher Rechenzentren im Pandemiejahr 2020 laut Borderstep-Institut um sieben Prozent gestiegen.

Deshalb sind RZ-Betreiber gefordert, schnellstmöglich auf klimaneutrale Technik umzurüsten, um den Eigenanteil an der Klimaerwärmung nicht unnötig eskalieren zu lassen. Schließlich will man nicht der kohlebraune Fleck auf der weißen Weste des digitalen Fortschritt sein. Vor diesem Hintergrund gab nun Equinix – ein US-Konzern, der im durchaus wörtlichen Sinne Rechenzentren rund um den Globus unterhält – bekannt, bis 2030 Klimaneutralität erreichen zu wollen.

Dazu hat Equinix laut eigenem Bekunden wissenschaftlich fundierte Ziele (sogenannte Science-Based Targets oder SBTs) für die Emissionsreduktion im gesamten globalen Geschäft und der Lieferkette festgelegt. Im Einklang mit den Zielen des Pariser Klimaabkommens will der RZ-Betreiber und Connectivity-Provider Investitionen und Innovationen vorantreiben. So will er dazu beizutragen, Treibhausgasemissionen zu reduzieren und das Klimaziel von maximal 1,5 °C Erwärmung gegenüber dem Niveau vor der Industrialisierung zu erreichen. Zur Umsetzung dieser Ziele setze man auf Initiativen und Strategien in den Bereichen erneuerbare Energien, nachhaltige Finanzwirtschaft, politisches Engagement sowie Modernisierung bei RZ-Design und -Betrieb.

Der RZ-Betreiber betont, an bereits erzielte Fortschritte anknüpfen zu können: So habe man in den letzten drei Jahren den Anteil des Stroms aus erneuerbaren Quellen für den RZ-Betrieb auf über 90 Prozent gesteigert. In Deutschland betreibt Equinix seine zehn Rechenzentren seit 2014 mit Ökostrom vom Versorger Mainova.

Außerdem, so der Konzern, habe man bis heute rund 3,7 Milliarden Dollar in Anleihen für ökologisch nachhaltige Projekte in den Bereichen nachhaltiges Bauen, erneuerbare Energien, Energie-, Wasser- und Entsorgungseffizienz sowie sauberen Transport investiert. Zudem sei Equinix Gründungsmitglied des EU Climate Neutral Data Centre Operator Pact und der Renewable Energy Buyers Alliance (REBA). Der Weiteren habe man 14 Millionen Dollar in den Aufbau eines globalen Kompetenzzentrums für Energieeffizienz investiert, das sich der Verbesserung der Effizienz an allen Standorten widmet.
 
Im Rahmen der SBTs plant Equinix laut eigenen Angaben, seine Scope-1- und 2-Emissionen – also den direkt und indirekt durch Strom bedingten Treibhausgasausstoß – bis 2030 gegenüber 2019 um 50 Prozent zu reduzieren. Dazu will der Konzern bis 2030 ausschließlich auf erneuerbare Energien zurückzugreifen. Den Ausstoß von Treibhausgasen reduzieren sollen außerdem die Förderung höherer Energieeffizienz, die Reduzierung von Kältemittelverlusten, die Abschaffung von Kältemitteln mit hohem Treibhauspotenzial und die Erforschung alternativer, sauberer Optionen zur lokalen Stromerzeugung zur Ablösung der Dieselgeneratoren für die Notstromversorgung.
 
Zudem verpflichte Equinix sich zur Kooperation mit seinen wichtigsten Lieferanten mit dem Ziel, dass diese bis 2025 eigene SBTs festlegen und umsetzen. Mit Blick auf die Klimaneutralität der Scope-1- und Scope-2-Emissionen bis 2030 werde man auch auf Möglichkeiten zur CO2-Kompensation setzen und Innovationen erforschen, darunter Biodiesel, grüner Wasserstoff und andere Techniken lokaler Energieerzeugung.

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