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Interview mit Alexandra Knupe von Atos

Nachhaltigkeit im RZ und darüber hinaus

27. Oktober 2020, 06:00 Uhr   |  Wilhelm Greiner

Nachhaltigkeit im RZ und darüber hinaus
© Wolfgang Traub

Atos bemüht sich sehr um Nachhaltigkeit – und das mit Erfolg: Bei einschlägigen Rankings belegt der französische Service-Provider seit Jahren Spitzenplätze. LANline sprach mit Alexandra Knupe, Head of Group Corporate Social Responsibility bei Atos, über das Nachhaltigkeitsengagement des Konzerns, Energieeffizienz im RZ, Awareness bei den Mitarbeitern, die Akquisition des Beratungshauses EcoAct und die Klimaschutzziele für kommendes Jahr.

LANline: Frau Knupe, könnten Sie für unsere Leser Atos’ Nachhaltigkeitsengagement kurz umreißen?

Alexandra Knupe: Seit 2010 veröffentlicht Atos Berichte zur Corporate Social Responsibility. Schon damals war die Umwelt ein valider, großer Part des CSR-Berichts. Im Dow Jones Sustainability Index erzielen wir seit Jahren sehr gute Ergebnisse. (Atos lag 2018 und 2019 weltweit und in Europa unter den IT-Anbietern auf Platz 1, d.Red.) Unser Engagement für Nachhaltigkeit geht aber weit über CSR hinaus. So haben wir für die Büros so weit wie möglich auf erneuerbare Energien gewechselt. Wir trainieren unsere Mitarbeiter im Nachhaltigkeitsbewusstsein und unterhalten eine eigene Abteilung, die die Energieeffizienz der Rechenzentren im Unternehmen optimiert. In vielen Ländern ist unsere Fahrzeugflotte zudem bereits auf E-Aggregate umgestellt.

„Im Dow Jones Sustainability Index erzielen wir seit Jahren sehr gute Ergebnisse“, so Atos’ CSR-Leiterin Alexandra Knupe.
© Atos

„Im Dow Jones Sustainability Index erzielen wir seit Jahren sehr gute Ergebnisse“, so Atos’ CSR-Leiterin Alexandra Knupe.

LANline: Wie optimiert Atos die Energieeffizienz in seinen Rechenzentren?

Alexandra Knupe: Unsere Rechenzentren haben wir konsequent auf erneuerbare Energien umgestellt, das hat die größte und direkteste Wirkung. Wir halten natürlich auch unsere RZ-Technologie up-to-date, sodass sie möglichst wenig stromintensiv ist, zum Beispiel durch Optimierung der Klimaanlagen und Kühlung, optimale Nutzung und Auslastung des Datacenters oder auch LED-Licht. Außerdem bemühen wir uns, die Abwärme energienutzend abzugeben. Unser Wissen geben wir auch an Kunden weiter: Das Know-how, wie man die PUE (Power Usage Effectiveness, d.Red.) verbessern kann, ist Teil des Atos-Beratungsportfolios.

LANline: Wie fördern Sie die Awareness für Nachhaltigkeit unter den Mitarbeitern?

Alexandra Knupe: Eine große Anzahl unserer Standorte ist ISO-14001-zertifiziert. Dafür ist es unter anderem erforderlich, die Mitarbeiter zu Umweltthemen zu trainieren, das machen wir schon viele Jahre. Zum Beispiel geben wir Hinweise, die Rechner, das Licht oder die Heizung auszuschalten, wenn sie nicht benötigt werden.

LANline: Welche Klimaschutzziele hat sich Atos für 2021 gesetzt?

Alexandra Knupe: Unsere Klimaschutzziele sind abgeleitet von den Science-based Targets (wissenschaftlich fundierte Ziele für die Reduktion der Treibhausgasemissionen, d.Red.). Unser Reduktionsziel für das Erreichen der Zwei-Grad-Obergrenze haben wir schon letztes Jahr übererfüllt. Als Nächstes nehmen wir uns, wie im Juni kommuniziert, das 1,5-Grad-Ziel vor. Zudem haben wir angekündigt, dass wir bis 2025 die Emissionen unter unserer Kontrolle halbieren wollen. Auch das werden wir mit den Science-based Targets abstimmen. Außerdem erweitern wir den Fokus auf die Supply Chain: Wir werden mit Lieferanten dazu zusammenarbeiten, wie Treibhausgas-Reduktionsziele zu erreichen sind.

LANline: Welche Rolle spielt die IT für die Erreichung dieser Ziele?

Alexandra Knupe: Hier stellt sich zunächst die Frage: Ist die genutzte IT so energiesparend, wie sie sein kann? Und: Nutzt man Lieferanten mit dem Blauen Engel? Doch hier ändert sich die Perspektive gerade. In den Mittelpunkt rückt nun: Wie kann man IT einsetzen, um Energie zu sparen? Denn IT kann einen Beitrag dazu leisten, die Effizienz zu steigern, und das lässt oft gleichzeitig den Energieverbrauch sinken. Außerdem kann man IT einsetzen, um CO2 wieder einzufangen – da wird man noch technische Lösungen finden müssen.

LANline: Haben Sie konkrete Zahlen, wie die Gesamtbilanz des IT-Einsatzes bei Atos aussieht, also positive und negative Effekte gegeneinander aufgerechnet?

Alexandra Knupe: Eine Gesamtbilanz ist sehr komplex, weil sehr viele Faktoren eine Rolle spielen, von den Lieferanten bis hin zur Nutzung der IT durch den Kunden. Wir wären deshalb im Augenblick nicht in der Lage, eine Nachhaltigkeitsbilanz umfassend zu berechnen. Aber wir arbeiten mit Kunden und Lieferanten daran, die Energiebilanz bestimmter IT-Services zu ermitteln. Damit können wir dann sukzessive eine Datenbank aufbauen, die die Footprints der Services abbildet.

LANline: Wie fügt sich die Akquisition des Beratungshauses EcoAct vom Oktober in diese Strategie ein?

Alexandra Knupe: EcoAct ist sehr bewandert beim Thema Carbon Offset (CO2-Emissionskompensation, d.Red.) und hat große Expertise im Environmental Consulting. Somit ist die Akquisition eine gute Ergänzung unseres Ansatzes, Kunden bei der Dekarbonisierung (Umstellung auf CO2-arme Wirtschaftsweise, d.Red.) zu helfen.

LANline: Könnten Sie ein Beispiel dafür nennen, wie Atos IT-Organisationen in puncto Nachhaltigkeit unterstützt?

Alexandra Knupe: Für IT-Organisationen bieten wir Digital Decarbonization Assessments. Der Fokus der ein- bis zweitägigen Workshops liegt darauf, wie IT zur Dekarbonisierung beitragen kann. Der Workshop folgt einem Katalog an IT-Infrastrukturbestandteilen und hinterfragt, was produktiv sei könnte, um den CO2-Footprint zu verringern. Das Assessment hilft damit zu erkennen, wo man bei solch einem Vorhaben am besten ansetzt.

LANline: Wie entwickelt sich die Nachfrage nach Beratung zu Umweltthemen?

Alexandra Knupe: Das Thema Reduktion des CO2-Footprints ist omnipräsent bei Kunden, Partnern, Mitarbeitern – bei jeder Art von Stakeholdern. Immer öfter definieren Unternehmen die Rolle eines „Sustainable IT Head“ (Leiter nachhaltige IT, d.Red.). Das zeigt, dass das Thema an Bedeutung gewinnt und Unternehmen es wirklich ernst nehmen.

LANline: Konnten Sie denn auch bei Atos positive CO2-Effekte aufgrund der Pandemie beobachten?

Alexandra Knupe: Auch wir haben in der Pandemie gemerkt, dass viel mehr auch virtuell möglich ist als gedacht – bespielsweise virtuelle Meetings mit Tools wie Circuit (Atos’ hauseigenes Web-Conferencing-Tool, d.Red.). Dieses Jahr werden wir beim CO2-Ausstoß sicher eine Reduktion sehen, vor allem durch vermindertes Reiseaufkommen. Wir sind allerdings ein Digital-Service-Anbieter: Viele Mitarbeiter müssen weiterhin vor Ort beim Kunden sein. Dennoch wird man auf jeden Fall Auswirkungen feststellen, für konkrete Aussagen dazu ist es aber noch zu früh. Wir werden uns auf jeden Fall auch bemühen, diese Ausnahmeeffekte herauszurechnen, um den Trend betrachten zu können, wie er ohne diese Sondersituation gewesen wäre.

LANline: Frau Knupe, vielen Dank für das Gespräch.

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