Gastkommentar von Emanuel Lippmann, Dell Technologies

Schluss mit der Wegwerfmentalität

3. November 2022, 12:00 Uhr | Wilhelm Greiner
Dell Technologies
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Unser Umgang mit Elektrogeräten – einschließlich IT-Hardware – muss umweltfreundlicher und damit nachhaltiger werden. Dabei sind die IT-Hersteller ebenso gefordert wie deren Unternehmenskunden und die Endverbraucher, wie Emanuel Lippmann, Global Program Manager ESG bei Dell Technologies, im folgenden Gastkommentar darlegt.

Egal ob Kühlschrank, Notebook oder Handy – in vielen Fällen sind Verbraucher gezwungen, kaputte Elektrogeräte wegzuwerfen und durch ein neues Modell zu ersetzen. Ersatzteile sind nämlich oft nur schwer zu bekommen, die Reparatur ist im Vergleich zum Neukauf häufig teurer oder die Geräte lassen sich gar nicht mehr auseinanderbauen. In der Folge wächst der Müllberg: Jeder Bundesbürger produziert im Schnitt pro Jahr mehr als zehn Kilogramm Elektroschrott.

„Die Recyclingquote muss deutlich steigen“, fordert Emanuel Lippmann, Global Program Manager ESG bei Dell Technologies.
„Die Recyclingquote muss deutlich steigen“, fordert Emanuel Lippmann, Global Program Manager ESG bei Dell Technologies.
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Weltweit wird die Menge laut einer Prognose des Global E-Waste-Monitors von 53,6 Millionen Tonnen im Jahr 2019 auf 74,7 Millionen Tonnen im Jahr 2030 steigen. In der EU werden zudem nur rund 40 Prozent des anfallenden Elektroschrotts recycelt. Der Rest landet oft auf Mülldeponien in Entwicklungsländern, wo die Geräte aufgrund der enthaltenen Schadstoffe zu einer Gefahr für Mensch und Umwelt werden.

Die Recyclingquote muss – wie vom Gesetzgeber eigentlich vorgeschrieben – deutlich steigen. Man darf aber nicht vergessen: Viele der Seltenen Erden und anderen kritischen Rohstoffe in Elektrogeräten lassen sich nicht zurückgewinnen. Hinzu kommt, dass der Großteil der schädlichen Emissionen bereits in der Produktion entsteht. Wenn Recycler also Smartphones und Rechner schreddern, die man eigentlich reparieren könnte, vernichten sie auch darin enthaltene Energie und Materialien. Deshalb führt kein Weg an einer besseren Reparaturfähigkeit von Elektronikgeräten vorbei.

Was die IT-Branche beisteuern kann (und muss)

Grundsätzlich dient ein modularer Aufbau der Nachhaltigkeit. Bei einer Störung oder einem Upgrade wird das entsprechende Funktionsmodul einfach getauscht und das Gerät ist wieder einsatzbereit. Die Möglichkeit, leistungsfähigere Komponenten wie eine neue Festplatte einzubauen, verhindert zudem, dass Endanwender ihre Rechner zu schnell austauschen. Das Gehäuse muss dafür leicht zugänglich und alle Komponenten mit handelsüblichem Werkzeug erreichbar sein. Dazu gehört auch, auf verklebte Komponenten zu verzichten.

Ein weiteres Problem sind fehlende Service- und Reparaturanleitungen – und zwar keine unübersichtlichen Handbücher in komplizierter Sprache, sondern beispielsweise virtuelle Assistenten, die mittels Augmented Reality weiterhelfen. Einmal die App auf dem Handy installiert, scannt der Assistent das Gerät, demonstriert die notwendigen Schritte via 3D-Overlays direkt an der Hardware und gibt nützliche Anweisungen.

Für Unternehmen sind darüber hinaus zwei weitere Punkte wichtig: Ein automatisierter Maintenance-Support erleichtert es, Hardware- und Softwareproblemen zu identifizieren. Dies verhindert oft schwerere Schäden und damit den Austausch des Geräts. Zudem helfen frei verfügbare Firmware- oder Security-Upgrades weiter, sodass auch Kunden ohne Service-Vertrag ihre Rechner jederzeit auf dem aktuellen Stand halten können. Und passt nach ein paar Jahren die Performance der Hardware wirklich nicht mehr, dann können die Geräte refurbished (wiederaufbereitet, d.Red.) ein zweites Leben in weniger anspruchsvollen Umgebungen wie Schulungszentren oder Bildungseinrichtungen finden.

Reparieren statt recyceln

Wir können es uns schon lange nicht mehr leisten, einfach nur alles wegzuwerfen. Geräte zu reparieren, muss wieder an Attraktivität gewinnen. Einen wichtigen Schritt in diese Richtung hat die Bundesregierung bereits unternommen, indem sie das Recht auf Reparatur stärken will.

Aus anderen EU-Ländern gibt es dazu gute Ideen. In Schweden zahlt man zum Beispiel für kleinere Reparaturen eine reduzierte Mehrwertsteuer. In Frankreich gibt es einen Index, der die Reparaturtauglichkeit von Geräten auf einer Skala von 1 bis 10 angibt. In Deutschland ist Thüringen Vorreiter: Das Bundesland bezuschusst anteilig die Reparatur von Elektrogeräten, jeder Haushalt bekommt pro Jahr bis zu 100 Euro erstattet.

Wie schnell sich ein verlängerter Lebenszyklus lohnt, zeigt eine einfache Rechnung: Würden Haushalte ihre Laptops, Handys, Fernseher und Waschmaschinen länger nutzen, ließen sich laut einer Berechnung des Öko-Instituts allein in Deutschland jedes Jahr rund vier Millionen Tonnen CO2 sparen. Das wäre dieselbe Einsparung, die man erreichen würde, wenn plötzlich knapp zwei Millionen Autos weniger auf den Straßen unterwegs wären.

 


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