Die Überwachung von Server-Räumen, Rechenzentren und Verteilern besteht nicht nur aus dem Zählen von Datenpaketen oder der Protokollierung der Latenz. Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Rauch, Erschütterungen oder Leckagen sind Gefahren, die der Administrator im Blick haben sollte. Dies ist glücklicherweise gar nicht schwer. Im LANline-Test bewies das StarterSet-PRO von Kentix, dass sich ein günstiger Einstieg durchaus lohnt.

Die Starter-Pakete von Kentix enthalten den Alarm Manager und Sensoren sowie alles weitere zum Betrieb nötige Equipment. Bild: Kentix

Viele Unternehmen investieren stark in die Sicherung ihrer Server-Systeme. Dies geschieht nicht allein für Backup-Verfahren, sondern auch für Brandschutzmaßnahmen, gesicherte Türen oder leistungsfähige USV-Anlagen. Doch wie bemerkt der IT-Verantwortliche überhaupt, dass sich zum Beispiel eine immer größere Wasserpfütze ausgehend von der Klimaanlage in einem Verteilerraum im Keller bildet? Spätestens dann, wenn der Wasserstand so hoch ist, dass die Stromversorgung in Mitleidenschaft gerät. Schenkt man den Meldungen aus dem Internet Glauben, dann entstehen mehr als die Hälfte aller Feuer in elektrischen Anlagen durch sich langsam entwickelnde Schmorbrände. Es gilt also, den Gerätezustand und die klimatischen Gegebenheiten im Rechenzentrum gut im Auge zu behalten. Temperaturänderungen, beispielsweise durch ausgefallene Klimageräte, ziehen nicht selten Server-Ausfälle nach sich. Dies gilt etwa dann, wenn rotierende Datenträger zum Einsatz kommen, die besonders auf wechselnde Wärme reagieren. Diese Aufzählung ließe sich noch um einige weitere Parameter erweitern, es geht jedoch immer darum, dass ein Sensor einen sich ändernden Wert protokolliert und eine Warneinheit entsprechende Meldungen ausgibt.

Was macht das StarterSet-PRO?

Der Kentix Alarm Manager lässt sich sehr einfach per Browser bedienen.

Laut einer Aufstellung des Herstellers Kentix überwachen die hauseigenen Geräte bis zu 37 unterschiedliche Gefahren und Parameter. Von der zu hohen Temperatur über den verstopften Filter einer Kühlung, einen Einbruch, eine Leckage oder Kabeldefekte bis hin zum offenen Fenster oder der nicht geschlossenen Tür. Darüber hinaus gibt es Bewegungsmelder, protokollierte Keypad-Eingabesysteme oder Vibrationserkennungssensoren. Im Portfolio von Kentix finden interessierte Kunden unterschiedliche Ausprägungen von Sensoren und Komplettsets. Das Einstiegsgerät, das MultiSensor-LAN für rund 570 Euro überwacht mit Hilfe von acht integrierten Sensoren die Umgebung eines Raums und ist üblicherweise per Power over Ethernet mit Strom versorgt.

Praktisch für den Einstieg sind die angebotenen Starter-Sets in den Ausbaustufen Basic für 30 überwachte Parameter und maximal 200 anschließbare Sensoren für ein rechnerisches Raum-Monitoring von bis zu 4.000 m² oder in der Pro-Variante mit allen möglichen Parametern und einem Monitoring für bis zu 10.000 m². Die Sets bieten ein Komplettpaket ab rund 1.000 Euro für den Einstieg in das Monitoring mit Kentix und lassen sich bei Bedarf durch weitere netzwerkfähige Sensoren ergänzen. Diese arbeiten entweder kabelgebunden oder per konfigurationsfreiem ZigBee-WLAN im 2,4-GHz-Frequenzbereich.

Das Auffinden des Tasters für das Einlernen ist eine wahre Herausforderung.

Neben der lokalen Web-Server-basierenden Verwaltung über die Management-Software besteht die Möglichkeit einer Ansteuerung über den Kentix-Cloud-Service und die Integration der Geräte ins SNMP-gestützte Verwaltungswerkzeug.

Installation mit kleinen Tücken

Grundsätzlich ist die Inbetriebnahme des von uns getesteten StarterSets PRO tatsächlich ganz einfach und in der äußerst gut geschriebenen Anleitung Schritt für Schritt erklärt. Was ist zu tun? Den Alarm Manager, eines der beiden aus schwarzem Kunststoff gefertigten Geräte mit den Ausmaßen von vier aufeinandergelegten CD-Hüllen, über einen PoE-fähigen Switch anschließen. Danach das zweite Kästchen, den „MultiSensor-RF“ mit dem so genannten KIO2-Stromadapter und dem Steckernetzteil anbringen, und anschließend über die Default-IP-Adresse mit dem Standardbenutzer die Management-Webseite öffnen. Ehe jedoch der Administrator dazu kommt, das Kennwort einzugeben, macht der kleine Alarm Manager ordentlich auf sich aufmerksam – der eingebaute Lautsprecher gibt einen lautstarken Warnton von sich und zeigt so an, dass er ordnungsgemäß arbeitet. Den Signalton kann man selbst durch die geschlossene Schutztür und beim Lüfter- und Klimaanlagenlärm im Server-Raum gut hören.

Grafische Darstellung der gesammelten Messwerte.

Vor der Auseinandersetzung mit den Details der Management-Oberfläche gilt es, den „MultiSensor-RF“ per Funknetz einzubinden. Da der Dialogaufbau sehr intuitiv ist, findet der Administrator die dazu notwendige Schaltfläche recht schnell und erfährt, dass das Gerät nun auf den Alarm Manager „angelernt“ werden muss. Dazu, so das Dialogfenster, ist ein Schalter auf dem Gerät zu drücken. Bis wir den Miniaturtaster zwischen den Kunststoffaussparungen auf der Unterseite entdeckten, dauerte es allerdings ein wenig. Nicht minder kompliziert ist das Öffnen der Unterseite des Türsensors, dann jedoch hat der Administrator das System durchschaut.

Der erste Besuch der Web-Oberfläche des Alarm Managers gestaltet sich ebenso einfach wie die komplette spätere Bedienung. Das „Dashboard“ mit den aktuellen Messdaten bekommt jeder zu Gesicht, der auf der Website der Appliance surft.

Selbsterklärender Erstkontakt

Im Vergleich zu dem in der Vergangenheit getesteten Kentix MultiSensor-Rack vermissten wir die Unterstützung für IPv6 bei den Netzwerkeinstellungen. Ansonsten gibt es alle typischen Felder wie Zeit-Server, Zeitzone, E-Mail-Einbindung und den Bereich GSM in den Einstellungen.

Der Alarm Manager verfügt über ein integriertes GSM-Modem, dazu liefert Kentix eine Telekom-SIM-Karte mit 600 Frei-SMS für das erste Jahr mit. Sollte die PoE-Spannungszufuhr einmal ausfallen, versorgt der Alarm Manager mit Hilfe seiner Stützkondensatoren das Modem eine gewisse Zeit weiter, damit noch Benachrichtigungen nach außen gehen können. Der SMS-Versand ist die letzte Meldung des Alarm Managers, bevor er herunterfährt. Praktischerweise lässt sich das Modem auch als SMS-Gateway für andere Applikationen nutzen. Die entsprechende Syntax für ein HTTPS-Kommando findet der Administrator in der Anleitung.

Über die Baumstruktur ist der IT-Verantwortliche in der Lage, die gewünschte Darstellung aufzubauen – typischerweise gliedert der Administrator die Umgebung in Standorte, Räume und so genannte Alarmzonen. Jede Alarmzone kann der Benutzer bei Bedarf mit unterschiedlichen Parametern ausstatten. Beispielsweise kann es darum gehen, bei welcher Temperatur ein Alarm erfolgen soll, oder um die Reaktion eines Geräts auf Vibrationen, die ein Hinweis auf eine versuchte Manipulation daran sein könnten.

Zu dieser Struktur passend gibt es auch eine einfache Benutzerverwaltung, die neben den typischen Feldern wie Ziel-E-Mail-Adresse oder Telefonnummer für Alarmierungen auch spezifische Angaben wie PIN-Code oder RFID-Token für das Kentix-Keypad bietet. Was uns im Test sehr gut gefiel, war die Möglichkeit, den Nutzungszeitraum von Anwendern über ein Datums- und Uhrzeitfeld festzulegen. Für ausscheidende Kollegen kann der IT-Verantwortliche somit definieren, dass ab einem Zeitpunkt keine Anmeldung mehr möglich ist. Leider besteht keine Möglichkeit, Anwendern nur in gewissen, wiederkehrenden Zeitfenstern Zugang zu gewähren – ein Beispiel wäre ein „nächtlicher Zugang“ für den ausgelagerten Support.

Praktisch ist die Integration der Umgebung in die Kentix360-Cloud, dazu gehört der Zugriff von mobilen Endgeräten.

Über das „Benutzerlevel“ steuert der Verantwortliche die Berechtigungsstufe und über die zugewiesenen Alarmzonen die Bereiche, die der Benutzer sehen darf. Welcher Benutzer zudem über die optionale und kostenpflichtige Kentix360-Cloud auf die Anlage zugreifen kann, steuert der Administrator dabei durch das Setzen eines entsprechenden Optionshäkchens.

Sensoren, Alarme und Schalter

Das Logbuch sammelt alle wichtigen Ereignisse wie Neustart, Alarm-Aussendungen und Zugriffe chronologisch. Der integrierte Update-Mechanismus arbeitete im Test einwandfrei, und eine manuelle Backup-Funktion erlaubt das Erstellen und Wiedereinspielen der verschlüsselten Konfigurations- und Logdaten. Alles vermittelt einen soliden Eindruck.

Die eingebauten Sensoren weisen eine gewisse Trägheit auf: Nach dem ersten Einschalten sollte es in unserem Büro, in dem wir den Test durchführten, nicht einmal 10 °C betragen. Nach rund einer Stunde im Betrieb zeigte das Gerät den von uns ebenfalls gemessenen Wert von deutlich über 20 °C an. Die Luftfeuchtigkeitsmessungen reagierten im Test zügiger und ebenfalls zuverlässig.

Die Funktionalität des CO-Sensors, der für die Erkennung von Rauchentwicklungen im Raum zuständig ist, prüften wir – der Nachweihnachtszeit entsprechend – mit einem Duftkegel für ein Räuchermännchen. Der Bewegungssensor des MultiSensors-RF arbeitete bei allen Temperaturen und Lichtverhältnissen ohne erkennbare Probleme. Die Alarm- und Reaktionsdefinition ist grundsätzlich zweigeteilt. Bei welchen Werten die Software aktiv wird, legt der Administrator in den selbsterklärenden Dialogen zum Sensor fest. Was mit dem Alarm schlussendlich geschehen soll, regelt der IT-Verantwortliche über die Einstellungen in der Alarmzone. Ein Sensor kann stets nur Mitglied einer Alarmzone sein. Dies muss der Administrator bei der Definition einer Überwachungskaskade bedenken.

GSM oder gleich in die Wolke

Sofern das GSM-Modem und die SIM-Karte aktiviert sind, ist der Alarm Manager auch in der Lage, über diesen Weg auf sich aufmerksam zu machen, zum Beispiel durch das Verschicken einer SMS. Noch flexibler und moderner ist die Integration der eigenen Alarm-Manager-Anlage in den Kentix360-Cloud-Service. Bei diesem kostenpflichtigen Zusatzdienst besteht die Möglichkeit, über eine Android- oder Apple-iOS-App über das Internet zuzugreifen, Alarme zu bestätigen, Parameter anzupassen oder die Überwachung ein- oder auszuschalten.
Sofern Netzwerkkameras an den Alarm Manager angeschlossen sind, ist auch ein „LiveView“ dieser Bilder möglich.
Die dazu notwendige App ist kostenfrei über den App- oder den Play-Store erhältlich. Nach dem Download muss der Benutzer festlegen, ob er lokal über das WLAN auf den Manager zugreifen will oder per Kentix360-Cloud. Entscheidet sich der Benutzer für Letzteres, startet die Kamera-App und verlangt einen QR-Code. Diesen Code findet der Administrator in der Benutzerverwaltung, sodass es zu einer Zuordnung von Mobilgerät und Anwender kommt. Die Bedienung der App ist selbsterklärend. Zu beachten ist, dass „Quit“ nicht etwa das Kommando be­deutet, um das Programm zu beenden, sondern den Bestätigungsbefehl, um Alarme zu quittieren.

Fazit

Die Überwachungssysteme von Kentix sind praktisch und leicht in die eigene Umgebung zu integrieren. Insbesondere Messdaten wie die Luftfeuchtigkeit oder eine stabile Temperatur sind für die zu erwartende Lebensdauer von aktiven Netzwerkkomponenten äußerst entscheidend. Gleichzeitig bietet das System die Grundlage für eine Videoüberwachung, eine Alarmierung bei Brandentwicklung und durch die Vibrationsüberwachung einen Manipulationsschutz. Insgesamt überzeugte das Starter Set von Kentix und rangiert mit rund 1.000 Euro sicher nicht außerhalb jeden Budgets.