Auf seiner Hausmesse Discover in Madrid hat Hewlett Packard Enterprise (HPE) neue Lösungen für den IT-Betrieb am Netzwerkrand (Edge) in der Industrie – etwa direkt in der Werkshalle – vorgestellt. Mit einer offenen Edge-Plattform sowie passender Hardware und Management-Software will HPE der Industrie helfen, OT (Operational Technology) und IT zu verknüpfen. Zugleich stellte der Konzern die Erweiterung seiner Composable-Architektur auf hyperkonvergente und Rack-Server vor, zudem besseres KI-gestütztes Management und eine neue Speicherklasse: Memory-Driven Flash.

Eine der großen Herausforderungen ist es heute, unter der Flagge „Industrie 4.0“, „IIoT“ (Industrial Internet of Things) oder „Smart Factory“ Industrieanlagen IT- und internetfähig umzubauen. Diese Entwicklung will HPE nun mit einem neuen Portfolio an Lösungen speziell für den Industrieeinsatz voranbringen: mit der Edgeline OT Link Platform. Die offene Plattform dient der Automation des IT/OT-Zusammenspiels am Edge mit dem Ziel intelligenter oder gar autonomer Steuerung von Industrieprozessen. Mit Edgeline Systems Management, so HPE, biete man zudem nun das branchenweit erste System-Management, das speziell auf solche Edge-Systeme zugeschnitten ist. Das ebenfalls neue Edgeline EL300 Converged Edge System soll dafür die Hardwarebasis liefern – es ermöglicht laut HPE eine Vielzahl von Industrieanwendungen und widersteht rauen Betriebsbedingungen.

Auswertungen direkt vor Ort

Das Problem: Die Analyse von IIoT-Sensordaten zur Echtzeit-Steuerung industrieller Abläufe muss häufig direkt vor Ort erfolgen – sei es aufgrund von Netzwerklatenz, Bandbreitenengpässen oder aus Kostengründen. HPEs Edgeline Converged Edge System – laut Hersteller die branchenweit erste Infrastrukturlösung, die OT und IT in einem System integriert – soll diese Datenverarbeitung am Edge nun beschleunigen. Die Edgeline OT Link Platform bietet hierzu eine Workflow-Engine und einen Anwendungskatalog, um Komponenten, Daten und Anwendungen über eine grafische Oberfläche orchestrieren zu können. Die Plattform unterstützt laut HPE-Angaben eine Reihe von Cloud- und RZ-Anwendungen von AWS, Google, Microsoft, SAP, GE etc., um Erkenntnisse vom Netzwerkrand für das Unternehmen und die Lieferkette nutzbar zu machen.

Der Anbindung an die Industriesysteme dienen OT Link Certified Modules, von HPE entwickelte Adapter, die eine bidirektionale, deterministische Steuerung und Kommunikation ermöglichen sollen. Zu den unterstützten Verfahren zählen laut Hersteller neben High-Speed Digital I/O auch CAN-Bus, Modbus und Profinet. Für die Entwicklung von OT-Link-Modulen durch Dritte gibt es APIs und SDKs (Software Development Kits).

HPEs Edgeline EL300 Converged Edge System ist für Werkshallen gebaut. Bild: HPE

Zur Verwaltung hat HPE seine Lösung Edgeline Integrated System Manager in die Edgeline-Systeme integriert. Die Software dient der Provisionierung per Mausklick, kontinuierlichem System-Health-Management und der Fernwartung. Zudem bietet sie laut HPE Sicherheitsfunktionen, um zum Beispiel Änderungen an Boot-Dateien zu verhindern und die Edge-Systeme bei Sicherheitsvorfällen zu deaktivieren. Mit der Lösung Edgeline Infrastructure Manager wiederum lassen sich laut HPE Tausende Edgeline-Systeme fernsteuern. Edgeline Workload Orchestrator schließlich biete ein zentrales Repository containerisierter Analytics-, KI-, Geschäfts- und IoT-Anwendungen, um sie an die Systeme am Netzwerkrand zu übertragen.

Hardware für die Installation in der Produktionsstätte

Edgeline EL300 ist laut HPE-Angaben ein lüfterloses, energiesparendes System mit Intel-Core-i5-Prozessoren, bis zu 32 GByte RAM und 3 TByte Festplattenspeicher. Es unterstütze Intels Movidius Myriad X VPUs (Vision Processing Units) für Videoanalysen und KI-gestützte Steuerung am Edge. Die Geräte seien besonders widerstandsfähig gegen Erschütterungen, Vibrationen, Feuchtigkeit und Staub, nach IP50 und MIL-SPEC zertifiziert und geeignet für Außentemperaturen von −30 bis +70°C. Das Gerät ist ab sofort weltweit verfügbar, die Listenpreise beginnen bei 2.532 Dollar. Die Edgeline OT Link Platform und Edgeline OT Link Workload Orchestrator sollen im Laufe des ersten Quartals 2019 folgen.

Die Einführung der neuen Lösungen unterstützt HPE mit den Engineering-Services seiner Service-Organisation Pointnext.

Zugleich treibt HPE seine Composable-Strategie voran und hat eine offene hybride Composable-Cloud-Plattform angekündigt. Eine „Composable Infrastructure“ ist ein programmierbares (oder wörtlich „komponierbares“) System, bei dem sich wiederverwendbare Hardwarebausteine mit wenigen Zeilen Code aggregieren und später wiederverwerten lassen.

Programmierbare Hybrid-Cloud-IT

Mit dem integrierten Software-Stack will es der Konzern IT-Organisationen ermöglichen, lokal mit der gleichen Geschwindigkeit, Effizienz und Wirtschaftlichkeit zu operieren wie beim Bezug von Public-Cloud-Services. Dazu nutzt HPE den KI-gesteuerten Betrieb mit dem hauseigenen Werkzeug InfoSight, neue intelligente Speicherfunktionen, ein Fabric-Netzwerk, das der Anbieter speziell für Composable-Umgebungen entwickelt hat, sowie eine neue Version seiner Hybrid-Cloud-Management-Lösung OneSphere.

Mit dem neuen Cloud-Stack erweitert HPE die Auswahl an IT-Infrastrukturbausteinen, die ein Unternehmen für eine Composable Cloud nutzen kann. Neben die Composable Cloud for Synergy treten nun Rack-Server in Form der neuen Lösung Composable Cloud for ProLiant DL sowie das HCI-System (Hyper-Converged Infrastructure) SimpliVity mit Composable Fabric. Dies erlaube es, alle Arten von Workloads und Services über alle Cloud-Plattformen hinweg zu kombinieren, um Infrastrukturkosten und Komplexität zu senken.

Als Alleinstellungmerkmal der neuen Hybrid-Cloud-Plattform nennt HPE das per OneView verwaltete Fabric-Netzwerk, das man speziell für Composable-Umgebungen entwickelt habe. Diese Netzwerktopologie, ursprünglich als Bestandteil der HPE-eigenen Composable-Infrastructure-Plattform Synergy eingeführt, ist nun für das gesamte Rechenzentrum verfügbar. Damit, so der Hersteller, könne eine IT-Abteilung wie ein Hyperscaler agieren.

Mit Composable Cloud for ProLiant DL, so betont HPE, können Administratoren ihre Infrastruktur in Echtzeit skalieren, ohne über spezielle Netzwerkkenntnisse zu verfügen. Das Ziel ist es hier, Cloud-Umgebungen und Workloads in Minutenschnelle zusammenzustellen, und dies mit einheitlicher Nutzungs- und Kostenverwaltung von lokalen und Public-Cloud-Ressourcen.

Komponierbare Rack-Server

Die Lösung ist laut Hersteller für Cloud-native Workloads und Rack-Umgebungen mit Template-basierter Automation optimiert. Für die Cloud-Stack-Bereitstellung und die Automation unterstütze das System zunächst Red Hat OpenShift und VMware.

Dem Management der Software-Defined-Infrastruktur und der Workflow-Automatisierung dient OneView. Damit, so HPE, könne man innerhalb weniger Minuten Private Clouds aufsetzen und skalieren. Ebenso sei es möglich, Bare-Metal-Ressourcen als Service automatisch bereitzustellen. Für den Überblick über die Kosten sorgt dabei die SaaS-Management-Lösung OneSphere. Im Betrieb stützt sich die Umgebung auf die künstliche Intelligenz (KI) der InfoSight-Software. Vorausschauende Wartung (Predictive Analytics) und kontinuierliches Lernen sollen es erleichtern, die Umgebung laufend zu optimieren. Die Composable Fabric ermögliche dazu die kontinuierliche Skalierung über Server, Racks und Rechenzentren hinweg.

Composable-Systeme liefern die Grundlage für Infrastructure as a Service und bilden damit laut HPE eine neue Entwicklungsstufe der IT-Umgebungen. Bild: HPE

Des Weiteren erweitert HPE sein Portfolio um die HCI-Lösung (Hyper-Converged Infrastructure) SimpliVity mit Composable Fabric. Sie ist dafür konzipiert, Server, Storage und Netzwerk durchgängig zu automatisieren, verwaltet über eine einzige Benutzeroberfläche. Das System, so HPE, setze einen neuen Standard für Hyperkonvergenz, indem es SDN (Software-Defined Networking) umfasst und so die Performance und das Management verteilter Anwendungen verbessert. Denn die Composable Fabric erleichtere es, Workloads innerhalb der Infrastruktur optimal zu verteilen: Ihre Mesh-Struktur soll kosteneffizienter sein als alternative Architekturen.

Composable Cloud for Synergy – HPEs ursprünglicher Composable-Variante – dient dem ebenso flexiblen wie zuverlässigen Betrieb jeder Workload in einer Private- oder Hybrid-Cloud-Umgebung: Composable Cloud for Synergy biete eine einfache, automatisierte Verwaltung und unterstütze Workloads wie SAP und Oracle ebenso wie Cloud-native Anwendungen oder einen Mix unterschiedlicher Workloads. Mit über 2.200 Kunden ist Synergy die erste und weltweit führende Composable-Infrastructure-Plattform, betont der US-Konzern.

KI und „Memory-Driven Flash“

InfoSight soll – siehe oben – mittels KI den Aufwand für das Infrastruktur-Management minimieren. Dazu erweitert HPE die Software um ein Workload-Management mit neuen ML-Funktionen (Machine Learning), um Aufwand und Risiko bei der Planung neuer Workloads zu verringern: InfoSight, so HPE, gebe nun KI-basierte Empfehlungen für die komplette IT-Infrastruktur, einschließlich der Virtualisierungsebene. Ein KI-gesteuerter Ressourcenplaner helfe bei der Optimierung der Workload-Zuteilung, eine ML-gestützte Selbstdiagnose erleichtere die Behebung von Leistungsengpässen von 3PAR-Speichersystemen.

Last, but not least: HPE Memory-Driven Flash ist eine neue Speicherklasse auf der Grundlage von SCM und NVMe. Sie soll die Leistung von 3PAR- und Nimble-Storage-Systemen verbessern. Memory-Driven Flash halbiert laut HPE die Latenzzeiten und sei damit bis zu 50 Prozent schneller als All-Flash-Arrays mit NVMe-Solid-State-Laufwerk.