Im Rahmen des Gartner Symposiums in Barcelona präsentierte der chinesische IT-Allrounder Huawei seine Visionen für das Netzwerk der Zukunft. Erstmals zeigte das Unternehmen dazu seine neuen Agile-Switches der S12700-Serie auf europäischem Boden, deren Funktionen dank neuem „Ethernet Network Processor“ (ENP) und weiteren Technologien komplett Software-definierbar sein sollen. Weiteres Highlight war die Open Cloud Fabric, über die Huawei zusammen mit Partnern ein weitgehend automatisiertes Cloud Computing für Rechenzentren anbieten will.

Das Netzwerk rückt wieder in den Fokus – darüber sind sich die Analysten von Gartner einig: „Seit 20 Jahren halten wir jetzt das Gartner Symposium ab – und nie waren Connectivity und Networking wichtiger“, so etwa Peter Sondergaard, Senior Vice President und globaler Chef der Forschung bei Gartner. Dabei soll in den nächsten Jahren vor allem das Internet der Dinge (Internet of Things, kurz IoT) die Spielregeln komplett neu definieren und das Wachstum im IT-Markt (das ohne IoT bis 2017 bei jährlich schwachen zwei Prozent liegen würde) maßgeblich vorantreiben.

 

„Der IT- und Telekommunikationsmarkt zusammen wird 2015 knapp vier Billionen Dollar erreichen. Das Wachstum, das allein die Anbieter rund um das IoT generieren, wird unseren Einschätzungen nach bei jährlich 309 Milliarden Dollar liegen – und das bis mindestens 2020.“ Produkte schlagen dabei nur mit etwa einem Fünftel zu Buche – 80 Prozent der IoT-Umsätze sollen durch Dienstleistungen erzeugt werden. Als Katalysator identifiziert Gartner alle weiteren derzeit überall diskutierten IT-Trends wie Mobility, Cloud, Big Data, Social Media und – wie in verschiedenen Ansprachen mehrfach betont wurde – 3D-Drucker.

 

Alles zusammen erfordere nicht nur neue Netzwerke, sondern auch eine neue Rollendefinition der IT insgesamt, die nicht mehr losgelöst als eigene Disziplin betrachtet werden dürfe. Ein „Chief Digital Officer“, den Gartner als neue Schlüsselposition im Unternehmen vorschlägt, müsse vor allem die Fähigkeit haben, IT als Werkzeug neuer Business-Möglichkeiten zu begreifen.

 

Die Aufbruchsstimmung des Gartner-Events war sicher ein perfekter Rahmen für das, was Huawei zu verkünden hatte. Stichwort war „Agile“, auf Deutsch also etwa beweglich, wendig, flink. Die Vision war überschrieben mit „agiler Service, agiles Management und agile Evolution“. Und „während traditionelle Unternehmen sich zu digitalen Unternehmen wandeln, muss aus einer technologiezentrischen IT-Infrastruktur eine erlebniszentrische IT-Infrastruktur wachsen“, erklärt Leon He, President der Huawei Enterprise Business Group in Westeuropa.

 

Die Kernschwachpunkte klassischer Unternehmensnetze sieht He in der mangelnden Kapazität für Service-Prozesse, in der Schwierigkeit, Fehler zu lokalisieren und einfach in schlechten Antwortzeiten. Um den Anforderungen gemäß Vision gerecht zu werden, müssten Netzwerke intelligenter, elastischer, einheitlicher, komfortabler und nicht zuletzt offener (auf offenen Standards basierend) werden. Unter dem Strich gehe es darum, die Netzwerkdienste schnell und ohne großen Aufwand an die sich ständig ändernden Geschäftsbedürfnisse anpassen zu können.

 

Mit seinem Agile-Network-Ansatz will Huawei Software-Defined Networking (SDN) erstmals auch bis in die Campus-Netzwerke tragen. Weitere Schlüsselfähigkeiten lägen darin, allgegenwärtige Services über das Netzwerk zum Rollout zu bringen und die Service-Qualität in Echtzeit messen zu können. Das zugehörige Produkt, das im August bereits für den US-Markt vorgestellt und nun auch für den europäischen Markt freigegeben wurde, ist der Agile Switch S12700.

 

Dessen Architektur basiert auf einer vollständig programmierbaren Fabric, angetrieben von einem neuen ENP der Huawei Transformer-Serie, der die Leistung von traditionellen ASICs mit der Flexibilität neuer NP-Chips in sich vereinen soll. Das Gerät soll Millionen von Tabelleneinträgen unterstützen und sowohl das gesamte verkabelte als auch drahtlose Netzwerk unter seiner Haube virtualisieren.

 

Die ebenfalls neu in Barcelona vorgestellte Open Cloud Fabric ist eine Entwicklungskooperation zwischen Huawei und Microsoft. So basiert die Lösung auf MS Hyper-V und wird mittels MS System Center verwaltet. Huawei steuert im Wesentlichen seine High-Performance-Switches der Cloud-Engine-Serie sowie seine Open Cloud Fabric bei. Die Cloud wird über ein Gateway angesteuert, um eine möglichst sanfte Migration in Richtung Cloud zu erlauben.

„Während traditionelle Unternehmen sich zu digitalen Unternehmen wandeln, muss aus einer technologiezentrischen IT-Infrastruktur eine erlebniszentrische IT-Infrastruktur wachsen“, erklärt Leon He, President der Huawei Enterprise Business Group in Westeuropa. Bild: Huawei