Ein Paukenschlag: Apple und IBM haben eine exklusive Partnerschaft bekanntgegeben. Diese zielt darauf ab, Apples beliebte Iphones und Ipads mit branchenspezifischen Apps auszustatten, um den IBM-Kunden den Weg ins Mobile Business zu ebnen – und damit Apple den Weg in die Großkonzerne.

IBM wird laut eigener Verlautbarung im Herbst damit beginnen, Apples Iphones und Ipads zu vertreiben. Die Geräte sollen mit 100 branchenspezifischen Business-Apps betankt erhältlich sein. Während Apple seine insbesondere im Consumer-Segment beliebte, bedienerfreundliche Hardware und das deutlich administrationstauglichere IOS 8 beisteuert, will sich Big Blue um alle anderen unternehmensrelevanten Belange kümmern – von der zentralen Verwaltung der Devices im IBM-typischen Großkundenmaßstab über Analysesoftware bis zu den damit verbundenen Services.

 

Die exklusive Partnerschaft, die das Konzernduo unter der Leitung von Tim Cook (Apple) und Ginni Rometty (IBM) ausgeheckt hat, birgt das Potenzial, sich für beide Player als genialer Schachzug zu erweisen: IBM – per Fiberlink-Akquisition Ende 2013 laut Gartner einer der fünf Marktführer im Enterprise-Mobility-Management (EMM), aber ohne eigene Smart Devices – verschafft sich einen privilegierten Zugriff auf eine verbreitete, bewährte und vergleichsweise sichere Endgerätefamilie.

 

Apple wiederum bekommt den roten Teppich zu IBMs Großkundenklientel ausgerollt und kann seine ursprünglich rein für Consumer konzipierten Devices nun an Unternehmen mit Tausenden oder Zehntausenden mobiler Endanwender verkaufen – statt dass diese Anwender ihre Privatgeräte ins Unternehmen mitbringen und darauf bestehen müssen, die Devices auch beruflich nutzen zu dürfen. Schließlich war die enorme Beliebtheit des Iphones und des Ipads einer der Haupttreiber dieses „Bring Your Own Device“ (BYOD) genannten Phänomens.

 

Mobilefirst statt BYOD
IBMs Beitrag bei dem gemeinsamen Vorhaben wird darin bestehen, Apples Smart Devices um Software und Services zu ergänzen, die IBMs (Groß-) Unternehmenskundschaft benötigt, um die Transformation hin zum mobilen Business möglichst effektiv zu bewerkstelligen. IBMs Zugpferd in diesem Bereich sollen die „Mobilefirst for IOS Solutions“ sein: eine neue Familie von speziell für den Unternehmenseinsatz entwickelten Apps, die sich Aufgabenstellungen und Problembereichen in diversen Branchen wie Banken, Gesundheitswesen, Handel, Transport und Logistik, Telekommunikation oder Versicherungen widmen. Die ersten 100 dieser IOS-basierten Mobilefirst-Lösungen sollen ab Herbst sowie nächstes Jahr auf den Markt kommen.

 

IBMs „Mobilefirst Platform for IOS“ wird dabei für die Bereitstellung unternehmensinterner Funktionen sorgen: von der Datenanalyse über Workflows, Cloud Storage und EMM bis hin zur Security und der Integration in die restliche Unternehmens-IT. Zum Portfolio zählen laut IBM-Angaben individuelle App-Kataloge ebenso wie Security-Services für Daten und Transaktionen. Diese Werkzeuge sollen für die lokale Installation erhältlich sein, aber ebenso auf Bluemix, IBMs Entwicklungsplattform im hauseigenen Cloud Marketplace.

 

In Sachen Service und Support soll Apple die IT-Organisationen mittels „Applecare for Enterprise“ mit Rund-um-die-Uhr-Unterstützung versorgen, Dienstleistungen vor Ort beim Kunden erbringt IBM. Außerdem verspricht Big Blue unternehmensorientierte Service-Pakete wie „Mobilefirst Supply and Management“ für die Gerätebeschaffung, -aktivierung und -verwaltung mit Leasing-Optionen für Iphones und Ipads.

 

Durch diesen Coup dürfte es Apple der Konkurrenz aus dem Android-Lager, allen voran Samsung, erheblich erschwert haben, IBMs Bestandskundschaft für sich zu begeistern. Und auch der angeschlagene Ex-Platzhirsch Blackberry dürfte nun noch stärker unter Druck geraten.

 

Weitere Informationen finden sich unter www.ibm.com und www.apple.com.

 

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IBM-Chefin Ginni Rometty und Apple-CEO Tim Cook gehen künftig gemeinsame Wege, um Unternehmen den Wandel zum Mobile Business zu erleichtern. Bild: IBM