Um detaillierte Einblicke in die aktuellen Umsetzungspläne, Herausforderungen und Erfolgsfaktoren in puncto Datacenter-Modernisierung zu erhalten, hat IDC im Februar 2019 in Deutschland IT- und Fachentscheider aus 210 Organisationen mit mehr als 500 Mitarbeitern befragt (Bild oben, IDC 2019).

Die Modernisierung der Datacenter ist ein zwingendes Erfordernis für den geschäftlichen Erfolg. 57 Prozent der befragten Unternehmen modernisieren derzeit ihre IT, um Business-Innovationen in den nächsten Jahren bestmöglich zu unterstützen. Ein wichtiger Treiber für Investitionen ins Datacenter ist für 32 Prozent die Steigerung der Produktivität der Geschäftsbereiche. Die Unternehmen haben also klar erkannt, dass die IT über enormes Potenzial zur Verbesserung aller Geschäftsprozesse verfügt. Für 23 Prozent der Unternehmen steht die Konsolidierung der Datacenter-IT im Mittelpunkt der Aktivitäten.

IT-Konsolidierung ist in den vergangenen Jahren in mehreren Wellen durch die IT-Organisationen gelaufen. Zu ihren Vorteilen zählen eine bessere Auslastung der Ressourcen, ein einfaches Management der Systeme und eine funktionale Entflechtung gewachsener Strukturen. Sie führt gleichzeitig zu höherer Sicherheit und Compliance sowie zu Kostensenkungen. Beide Aspekte sind für jeweils 15 Prozent die Hauptmotivation für Investitionen.

Modernisierungsaktivitäten basieren auf einer klaren Strategie. Auch Teilschritte müssen immer in die IT-Strategie und das Architekturmodell eingebettet sein. 49 Prozent der Befragten optimieren ihre IT-Architektur. Dies ist eine wichtige Grundlage für die Nutzung aktueller IT-Infrastruktur. Das Architekturmodell gibt auch den Rahmen für die Orchestrierung und Automatisierung der IT-Services über verschiedene Systeme und Domains vor und darüber, wie und in welchem Umfang externe IT- und Business-Services genutzt werden. Auch beschäftigen sich Unternehmen im Kontext von IoT wieder stärker mit einem dezentralen Computing-Modell: Edge Computing ist für 35 Prozent der befragten Unternehmen ein Thema.

Analytics und zunehmend auch künstliche Intelligenz (KI) liefern Informationen über das Verhalten der IT-Infrastruktur und sind in der Lage, aufgrund der Analyse der Prozesse den Ausfall einzelner Komponenten der IT-Infrastruktur vorherzusagen. 51 Prozent der Befragten nutzen bereits Analytics im IT-Betrieb. Dieses Ergebnis überrascht und war so nicht zu erwarten.

Auch immer mehr IT-Security-Lösungen setzen auf Machine Learning, um Auffälligkeiten zu erkennen und Abwehr- oder Quarantäne-Maßnahmen anzustoßen. 41 Prozent der Befragten setzen derzeit gezielt auf die Optimierung unterschiedlicher Automatisierungsaufgaben.

„Die meisten IT-Organisationen in Deutschland haben die Zeichen der Zeit erkannt, “, sagt Matthias Zacher, Senior Consulting Manager bei IDC und Projektleiter der Studie. „Allerdings ist noch Luft nach oben. Das gilt besonders für die Automatisierung im Datacenter und die Nutzung von Analytics und künstlicher Intelligenz im IT-Betrieb.“

Der wichtigste Trend im Datacenter ist Cloud Computing in seinen unterschiedlichen Ausprägungen. 90 Prozent der befragten Unternehmen verfügen über eine Cloud-Strategie. Damit belegt auch diese Studie erneut, dass Cloud Computing in Deutschland etabliert ist. Eine Diskussion über das „Ob“ von Cloud hat sich damit erübrigt.

Unternehmen sind vielfach an einem One-Stop-Shopping interessiert, aber in der Realität lässt sich das nur schwer erreichen. Aus diesem Grund wächst in den nächsten 24 Monaten die Zahl derjenigen, die mehr als eine Cloud-Plattform nutzen. 59 Prozent werden mittelfristig auf zwei oder drei Plattformen setzen. Damit ist auch der Weg in die Multi-Cloud deutlich vorgezeichnet.

Workloads laufen immer häufiger in der Cloud. Aktuell dominiert noch die Private Cloud, entweder im eigenen Datacenter oder im Provider-RZ. Investitionen fließen am häufigsten in datenrelevante Themen wie Analytics und Management relationaler Datenbanken (63 Prozent), künstliche Intelligenz/Machine Learning (63 Prozent) und Business Intelligence/Data Warehouse (61 Prozent).

Basis der geschilderten Entwicklungen ist eine Software-Defined Infrastructure (SDI). Die Erweiterung virtualisierter Infrastrukturen (Software-Defined Computing, Software-Defined Storage, Software-Defined Networking) um Automatisierungs- und Orchestrierungskomponenten schafft die technische Basis, um Private Clouds und Public Clouds umzusetzen und in hybriden und Multi-Cloud-Szenarien zusammenzufügen. 61 Prozent der Befragten nutzen oder evaluieren SDI. IDC betrachtet sie als einen der Kernfaktoren der Modernisierung der IT-Infrastruktur.

Colocation ist heute längst Bestandteil moderner Datacenter-Architekturen. Die Angebote beschränken sich nicht mehr auf die Core-Komponenten Stellplatz, Power und Netzwerk, sondern zeigen sich um Plattformen für den Betrieb hybrider Infrastrukturen erweitert. Damit treffen sie auf einen hohen Bedarf seitens der Anwenderunternehmen. 53 Prozent der Befragten nutzen Colocation-Services oder planen eine Nutzung. Lediglich 37 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass Colocation derzeit kein Thema für sie sei.

IDC ist der Ansicht, dass Open-Source-Software in vielen Fällen die Grundlage für neue moderne Anwendungen ist und die Tools für neue Lösungen bereitstellt. Mehr als drei Viertel der Befragten nutzen eine oder mehrere Open-Source-Lösungen im Datacenter. Die Antworten der Befragten zeigen, dass Open Source in allen Bereichen vorhanden ist. Haupttreiber für die Nutzung von Open-Source-Technik sind die Flexibilität bei der Bereitstellung von IT-Ressourcen, Kostenreduzierung sowie die Unterstützung der digitalen Transformation.

Zum umfassenden Blick auf das Datacenter gehört zwingend auch DevOps, das eine Antwort auf die Schlüsselfrage von IT-Managern gibt: Wie kann man das Applikations-Deployment beschleunigen und den Anforderungen der Fachabteilungen besser gerecht werden? Umso erstaunlicher ist es, dass lediglich 31 Prozent der Unternehmen angaben, DevOps zu nutzen. Sie verschenken damit laut IDC wertvolles Potenzial, das aktuelle Infrastruktur in Verbindung mit modernen Softwarewerkzeugen und Entwicklungs- und Deployment-Methoden bietet.

Fazit

Laut der Studie haben Unternehmen in Deutschland die Modernisierung ihrer Datacenter und ihrer IT-Infrastruktur in Angriff genommen. Die Investitionen der vergangenen Jahre machen sich bezahlt, sodass immer mehr IT-Organisationen über eine modernisierte Infrastruktur verfügen. Allerdings bleiben zahlreiche „Baustellen“ bestehen, denen sich alle Unternehmen widmen müssen. Geschäftlicher Erfolg und moderne IT bedingen einander. Virtualisierte Infrastrukturen sind daher eine Schlüsselvoraussetzung für die Automatisierung von Business und IT.

Die Ergebnisse belegen laut IDC, dass die Reise immer mehr in Richtung Cloud gehen wird. Die Bandbreite der Einsatzszenarien ist extrem groß und umfasst alle IT-Ressourcen und zunehmend auch die Business-Services eines Unternehmens. Die Komplexität im Datacenter bleibt bestehen. Die Anforderungen an Management und Governance werden eher wachsen als sinken. Aber diese Komplexität lässt sich beherrschen. Auch hier sind Orchestrierung und Automatisierung die zentralen Ansätze. Organisationen sollten daher besser heute als morgen ihre Technik, Architektur und Prozesse umfassend optimieren.

Weitere Informationen stehen unter www.idc.com zur Verfügung.

Dr. Jörg Schröper ist Chefredakteur der LANline.