Es wird eng für Unternehmen, die noch immer keine aktuelle Windows-Version im Einsatz haben: Am 14. Januar 2020 endet Microsofts Support für Windows 7. Der Umstieg auf Windows 10 stellt Unternehmen vor technische und lizenzrechtliche Heraus­forderungen. Das kann für Kopfschmerzen sorgen, doch ein Drei-Baustein-Modell erleichtert den Umstieg.

Wer eine ordentliche Windows-10-Migration für sein Unternehmen plant, sollte systematisch vorgehen, um das Projekt reibungslos und schnell über die Bühne zu bekommen. Eine bewährte Methode ist es, den Migrationsprozess in drei Bausteinen darzustellen: Upgrade-Szenario, technische Umsetzung und Lizenzierung.

Upgrade-Varianten

Bevor IT-Administratoren sich mit der eigentlichen Migration und Windows 10 beschäftigen, sollten sie zunächst evaluieren, welches Upgrade-Szenario sie verfolgen möchten. Derer gibt es drei: „Wipe and Load“ (Neuaufsetzen der Endpunkte), das direkte Upgrade und die dynamische Bereitstellung. Die Vorgehensweisen sind sehr unterschiedlich. Während Wipe and Load als – besonders aus technischer Sicht – eher radikale Lösung die einfachste, aber kostenintensivere Vorgehensweise sein kann, sind mit der Möglichkeit eines direkten Updates oder einer dynamischen Bereitstellung weniger harte, aber dennoch effiziente Migrationswege gegeben.
Auch der Kostenfaktor ist zu beachten: Obgleich die dynamische Bereitstellung in puncto Investitionskosten der günstigere Weg ist, sollte man unbedingt die höheren Support-Kosten bedenken, die ein Parallelbetrieb zweier Betriebssysteme zwangsläufig mit sich bringt. Als moderne Variante empfiehlt sich das direkte Update, beispielsweise mit einer professionellen Deployment-Software. Letztendlich muss aber die IT-Organisation selbst entscheiden, wieviel Energie sie in den eigentlichen Migrationsprozess stecken möchte. Vor allem ist zu bedenken, über welchen Zeitraum der Wechsel auf das neue Betriebssystem erfolgen soll.
Auf technischer Seite ist besonders die Versionsauswahl relevant. Administratoren müssen genau abwägen, welche Windows-10-Edition für ihr Unternehmen am besten geeignet ist. Während Windows Pro deutlich weniger Einstellungsmöglichkeiten bietet, ist die Enterprise Edition zwar deutlich teurer, bietet mit VDI (Virtual Desktop Infrastructure) und LTSC (Long-Term Servicing Channel, Langzeitversorgung mit Updates) jedoch wesentlich umfangreichere Arbeits- und Wartungsmöglichkeiten. Außerdem sollte man schon im Vorfeld definieren, welche Anpassungen die Windows-10-Installation mitbringen sollten. Je nach gewähltem Update-Szenario ergeben sich unterschiedliche Anforderungen. Eine komplette und reibungslose Migration der Nutzerdaten ist beispielsweise ebenso wünschenswert wie die vorherige Installation moderner Apps und einer einheitlichen Anpassung des Startmenüs.
Zuletzt sollten IT-Verantwortliche festlegen, wie sie die zukünftige Wartung von Windows 10 planen. Will man Windows-Updates über die Package Cloud bereitstellen? Bleibt der WSUS (Windows Server Update Service) aktiviert? Wie viele In-Place- und Funktions-Updates sind für den späteren Arbeitseinsatz sinnvoll? Das ist speziell für etwaige Windows-Features wichtig, die zusätzlich zu installieren sind.
Zu beachten ist ferner das Patch-Management von Fachapplikationen und Standardsoftware. IT-Verantwortliche sollten zudem weitere Überlegungen anstellen, etwa wie sie die Einstellungen vornehmen wollen. Während hier in moderne Client-Management-Lösungen beispielsweise per Scripting automatisierbare Kommandos integriert sind, bieten sich mit DISM (Deployment Image Servicing and Management) oder der
PowerShell auch Windows-Bordmittel als Lösungen an. Mit großen Einschränkungen verbunden und daher nicht praktikabel sind Gruppenrichtlinien (GPOs), die nur noch in den Enterprise-Editionen uneingeschränkt zu nutzen sind.

Lizenzrechtliche Fragen

Sobald der technische Rahmen abgesteckt ist, sollte sich die IT-Administration um die Form der Lizenzierung kümmern. Auch hier gibt es neben den grundlegenden Fragestellungen einige speziellere Problematiken, die bereits im Vorfeld zu klären sind. Für eine nicht anfechtbare Lizenzierung ist vor allem die Wahl der richtigen Windows-Edition maßgebend. Je nachdem, welche der Editionen für das eigene Unternehmen am besten geeignet ist, kann die IT-Abteilung hier unterschiedliche Lösungsansätze heranziehen:

  • Windows 10 Pro,
  • Windows 10 Enterprise E3,
  • Windows 10 Enterprise E5,
  • Windows 10 Enterprise LTSB und
  • Windows VDA (Virtual Desktop Access).

Jede Version hat Vor- und Nachteile, die man unternehmensspezifisch in einer Anforderungsmatrix evaluieren sollten. Für die drei unterschiedlichen Windows-10-Enterprise-Varianten gibt es jeweils die Möglichkeit, eine Lizenzierung pro Nutzer oder pro Gerät anzustreben. Dabei ist auch die virtualisierte Windows-Umgebung zu beachten und eventuell geräteweise mit entsprechenden VDA-Lizenzen auszustatten. In vielen Fällen ist es sinnvoll, dass IT-Administratoren schon im Vorfeld die eigene IT genau charakterisieren und dann eine entsprechende Lizenzform wählen. Falls bereits ein sogenanntes „qualifizierendes Betriebssystem“ im Einsatz ist, so übernimmt dieses automatisch seine bestehenden Eigenschaften und muss lediglich durch eine Upgrade-Version aufgewertet werden.
Das Recht auf Re-Imaging erhält ein Unternehmen automatisch mit dem Erwerb einer Volumenlizenz. Dies gilt dann für genau das Produkt, mit dem das Re-Imaging durchgeführt werden soll. Aber auch hier ist Re-Imaging nur dann erlaubt, wenn die Kopien, die das IT-Team von den Volumenlizenzmedien erstellt, mit den Originallizenzen identisch sind, die es beispielsweise über einen Systemhersteller oder den Einzelhandel erworben hat. Microsoft plant aber, diese Regelung in Kürze zu überarbeiten, sodass hier in Zukunft deutliche Änderungen zu erwarten sind. Ausschlaggebend sind hier Produkt, Sprachversion sowie Produktversion, -komponenten und -typen. Erst wenn alle diese Bedingungen erfüllt sind, ist aus lizenzrechtlicher Sicht ein Re-Imaging zulässig.
Ganz gleich, welchen Weg IT-Administratoren einschlagen: Der Umstieg auf Windows 10 ist unumgänglich und sollte deshalb so einfach wie möglich sein. Mit der nötigen Planung und einer leistungsstarken Client-Management-Lösung kann das IT-Team das Betriebssystem innerhalb weniger Minuten auf die Endpunkte ausbringen und die eigene IT fit für die Zukunft machen.

Sebastian Weber ist Produkt-Manager bei Aagon in Soest, www.aagon.de.