Zu den größten Herausforderungen bei der Implementierung des Internet of Things (IoT) gehören laut Cisco Projektkomplexität, Skalierbarkeit und End-to-End-Sicherheit. Diese und weitere IoT-spezifische Probleme in den Griff zu bekommen, war das zweite Schlüsselthema auf der Hausmesse des Unternehmens in Barcelona. Der Lösungsansatz bei Cisco dazu lautet „Intent-based Networking“ (IBN), das bislang nur für Office-Netzwerke verfügbar war. In Barcelona stellte der Netzwerkausrüster erstmals auch entsprechende Geräte für IoT-Umgebungen vor, zusammen mit neuen DevNet-Entwicklungswerkzeugen und drei neuen, vorgetesteten Design-Richtlinien.

IBN soll nach der Vorstellung von Cisco die Netzwerkbereitstellung und -verwaltung vereinfachen. Das Unternehmen verspricht mit IBN die Automatisierung wichtiger IT-Funktionen und zentrale Transparenz und Kontrolle über das gesamte Netzwerk — von der Netzwerkleistung über Sicherheit, Analyse und Betrieb. Mit der Erweiterung von IBN auf das IoT-Edge sollen Nutzer nun auch ihre IoT-Netzwerke problemlos über ein einziges Dashboard steuern und verwalten können.

Mit zwei neuen IoT-spezifischen Geräteplattformen bringt Cisco das hauseigene IBN nun auch an den Rand des Netzwerks: Catalyst IE3x00 Switches und IR1101 Integrated Services Router. Beide sind laut Cisco programmierbar, modular und Edge-fähig. Betrieben werden beide Plattformen mit IOS XE, das eine Verwaltung über den Cisco DNA Center erlaubt. „Unsere neuen Switches bieten zudem bedienerlose Einrichtung und höhere PoE-Kapazität in einem kompakten Formfaktor“, so Liz Centoni, Senior Vice President und General Manager IoT bei Cisco (siehe oben; Bild: Stefan Mutschler). „Bei der Bereitstellung und Fehlerbehebung bei Installationen mit tausenden Geräten machen diese Funktionen einen großen Unterschied.“

KI-Technologie findet sich inzwischen in sehr vielen Produkten quer durch das Portfolio, darunter zählen Netzwerkprodukte wie DNA Center und ACI, Security-Lösungen wie Umbrella und Talos, Multi-Cloud-Lösungen wie Intersight und Hyperflex sowie in Datenanalyseprodukten wie DNA Analytics & Insurance, AppDynamics, Kinetic und Tetration. Bild: Cisco

Die beiden neuen Produktlinien sind modular aufgebaut und sollen sich laut Cisco problemlos auf neue Technologien wie 5G umrüsten lassen, ohne die Infrastruktur zu ersetzen. Der IR1101 sei einer der ersten 5G-fähigen Industrie-Router der Branche. Die IE3x00-Switches sollen sich flexibel mit Schnittstellen für Glasfaser-, Kupfer- und PoE-Ports (Power over Ethernet) bestücken lassen.

Flexibilität reklamiert Cisco für seine neuen IoT-Plattformen auch bei der Software. Die IoT-Infrastruktur sei offen und programmierbar und lasse sich daher an spezifische Anwenderwünsche und sich ändernde Anforderungen anpassen. „Wir verwandeln unsere Gemeinschaft von über 500.000 Entwicklern in eine Innovationsmaschine“, so Centoni. „Im neuen DevNet IoT-Development-Center stehen nun eine Vielzahl von Ressourcen und Tools für die App-Entwicklung zur Verfügung, und neu entwickelte Apps können direkt über unser Ökosystem erworben werden.“

Sicherheit eingebaut

Sicherheit gilt als eine der größten Herausforderungen bei IoT-Projekten. Auch in diesem Punkt sieht sich der Netzwerkhersteller durch seinen mehrschichtigen Sicherheitsansatz gut positioniert: Sicherheit sei in jede Ebene des IoT-Stacks integriert, von der Netzwerkhardware über die Betriebssoftware bis hin zu den Edge-Computing-Anwendungen. Lücken in der Abdeckung seien nicht zu erwarten, da Cisco eine Multi-Domain-Architektur vom Rechenzentrum über den Campus bis hin zum IoT-Edge bereitstelle. Mittels IBN sollen sich einheitliche Sicherheitsrichtlinien auch im IoT-erweiterten Unternehmen durchsetzen lassen.

Zusammen mit den neuen Geräteplattformen präsentierte Cisco in Barcelona drei IoT Design-Richtlinien. Das Unternehmen versteht darunter IoT-Bereitstellungspläne von Komplettlösungen, die es zusammen mit Partnern entwickelt hat. Die Blaupausen für Versorgung, Produktion sowie entfernte und mobile Anlagen enthalten Stücklisten, Konfigurationen, Security Best Practices und Systemdesign — allesamt von Cisco getestet. Damit sollen Risiken bei der Bereitstellung eliminiert und zuverlässigere und vorhersehbarere Ergebnisse ermöglicht werden.

Sicherheit ist laut Cisco in jede Ebene des IoT-Stacks integriert, von der Netzwerkhardware über die Betriebssoftware bis hin zu den Edge-Computing-Anwendungen. Bild: Cisco

Cisco adressiert mit seinen neuen Lösungen Anwender aus verschiedenen Branchen wie Fertigung, Energie, Verkehr und Smart Cities. Innogy, einer von Ciscos Pilot- und Referenzkunden, erläuterte in Barcelona, wie ein deutsches Energieunternehmen seine ehrgeizige Vision, den eigenen CO2-Fußabdruck zu verringern, erfolgreich in die Tat umgesetzt hat. „Um dieses hohe Ziel zu erreichen, brauchten wir ein Netzwerk, das Zehntausende von erneuerbaren Energiequellen in einem ganzen Land zuverlässig und sicher verbinden kann“, so Dr. Jürgen Tusch, Head of Telecommunications, Grid & Infrastruktur Segment bei Innogy.

KI als durchgängige Querschnittstechnologie

In Barcelona zeigte Cisco auch, wie das Unternehmen mit dem Thema Künstliche Intelligenz (KI) umgeht und in welchen Produkten bereits KI-Komponenten mit integriert sind. Wichtigste Teildisziplin von KI ist für Cisco aktuell das Machine Learning (ML), für welches der Hersteller zwischen drei verschiedene Szenarien unterscheidet: überwacht (eine Wahrheitsquelle ist verfügbar), nicht überwacht (der Inhalt der Daten ist unbekannt) und mit zusätzlicher Verstärkung (beobachtbare Daten sind dynamisch). Beispiele für Ersteres seien etwa die Erkennung von Objekten in Bildern oder die Vorhersage von Router-Fehlern. Das zweite Szenario mache beispielsweise die Gruppierung von Filmen nach Interessenlage oder die Erkennung von Security-Anomalien aus. Beim dritten Anwendungsfall handele es sich etwa um die Adaption von Kanälen im Drahtlosnetzwerk oder das Spielen eines Spiels wie „Go“. Je nach Anwendung gehe die entsprechende ML-Variante Hand in Hand mit übergeordneten KI-Komponenten.

Tatsächlich findet sich KI-Technologie inzwischen in sehr vielen Produkten quer durch das Portfolio des Herstellers, darunter wie zu erwarten in Netzwerkprodukten wie DNA Center und ACI, in Security-Produkten wie Umbrella und Talos, in Multi-Cloud-Lösungen wie Intersight und Hyperflex sowie in Datenanalyseprodukten wie DNA Analytics & Insurance, AppDynamics, Kinetic und Tetration. In Zukunft sollen noch stärkere KI-Ansätze in weiteren Lösungen von Cisco zum Einsatz kommen.

Den ersten Teil von der Cisco Live in Barcelona finden Sie hier.

Stefan Mutschler.