Angesichts des anhaltenden Wettbewerbs zwischen Apple und Google um die mobilen Geschäftsanwender lohnt ein Blick auf die Neuerungen bei iOS und Android. Apples iPhones und iPads sind in den Unternehmen gut etabliert. Nun bringt iOS 12 sogenannte „Shortcuts“ und besser nutzbare Benachrichtungen. Mit der neuen Android-Version Pie will Google dem Konkurrenten deshalb verstärkt Paroli bieten.

Apple kann es nicht lassen, in Keynotes wiederholt darzustellen, dass im Vergleich zu iOS nur ein Bruchteil der Android-Geräte die aktuelle Betriebssystemversion aufweist. Diese Fragmentierung macht es vor allem Anwendungsentwicklern schwer, Apps für Android zu entwickeln und zu testen. Für Unternehmen ist dies aber nur dann von Interesse, wenn man eine konsequente BYOD-Strategie (Bring Your Own Device) verfolgt und somit auf die Geräteauswahl der Mitarbeiter angewiesen ist. Führt das Unternehmen selbst die Geräte ein, ist dieser Punkt eigentlich nicht relevant.

Android Enterprise

Um Unternehmen die Gerätewahl zu erleichtern, hat Google das „Android Enterprise Recommended“-Programm gestartet und auf seinem Android Enterprise Summit gleich einen Schwung an Neuheiten präsentiert. So zieht Google mittels „Zero Touch“ mit Apple gleich und ermöglicht die kontaktlose Konfiguration seiner Smartphones und Tablets. Hier in Deutschland ist dies allerdings nur mit Geräten möglich, die man bei der Telekom erworben hat. Aber Google greift noch viel tiefer in seine Architektur ein.

Mussten MDM-Anbieter (Mobile-Device-Management) bislang einen großen Teil des Managements durch eine eigene App realisieren, wandern diese Funktionen nun direkt in das Betriebssystem und lassen sich mit der Android-Management-API ansteuern. Dieser Schritt macht MDM-Systeme ein Stück vergleichbarer, sodass sich Anwender zunehmend für den Anbieter entscheiden können, der ihnen hilft, ihre Projekte am schnellsten und einfachsten umzusetzen. Viel Energie steckt Google zudem in die Trennung des privaten und geschäftlichen Bereichs. Dadurch sollte Android nun auch höheren Datenschutzanforderungen genügen.

Der private und der geschäftliche Bereich sind bei Android Pie strikt getrennt. Bild: Cortado

Zwar hat Google definitiv seine Hausaufgaben gemacht, die aktuelle Marktverteilung spricht aber immer noch für Apple. Der Konzern aus Cupertino hatte in den letzten Jahren einen deutlichen Vorsprung, wenn es um die Anforderungen von Unternehmen ging. Auch Apple hat noch einmal nachgelegt, obwohl diesmal die Änderungen weniger gewaltig ausgefallen sind als zuvor. Denn mit iOS 12 wollte man sich auf die Stabilisierung des Betriebssystems konzentrieren. Das ist eine sehr gute Nachricht für Unternehmensanwender, denn es bietet Investitionssicherheit.

iOS 12 ist nicht nur stabiler geworden, sondern vor allem deutlich schneller als sein Vorgänger. Und diese Performance kommt vor allem auch älteren Geräten zugute. Jedes Gerät, das aktuell iOS 11 unterstützt, wird auch zu iOS 12 kompatibel sein. Das gilt selbst für das jetzt schon fünf Jahre alte iPhone 5s.

Noch vor dem DSGVO-Stichtag Ende Mai hat Apple mit iOS 11.3 bereits eine wesentliche Schwachstelle beseitigt: die klare Trennung von privaten und geschäftlichen Kontakten. So könnten zum Beispiel Unternehmen, die sich entschlossen haben, WhatsApp zu verbieten, diesen Schritt noch einmal überdenken. Denn mit iOS 11.3 kann eine IT-Organisation mit einem MDM-Werkzeug sicherstellen, dass private Anwendungen nur auf private Kontakte zugreifen können. WhatsApp stellt dann für das Unternehmen keine Verletzung der DSGVO dar.

Siri-Verbesserungen und Shortcuts

Im Bezug auf seinen virtuellen Assistenten Siri ist Apple im Vergleich zu Google – und erst recht zu Amazons Alexa – ziemlich ins Hintertreffen geraten. Deshalb war klar, dass Apple hier nachbessern muss. Interessant ist dabei, dass Siri nicht unbedingt schlauer geworden ist: Apple hat es mit teils recht einfachen Mitteln geschafft, dass Siri mit iOS 12 gleich einen Schwung neuer Aufgaben erledigen kann. Dazu führte Apple die sogenannten Shortcuts ein – eine Möglichkeit, mit der jetzt jede App ihre Funktionalität Siri gegenüber bekannt geben kann.

Dem Anwender präsentiert iOS diese Shortcuts nicht nur über die Suche, er kann vielmehr Siri beibringen, diese für ihn auszuführen. Praktisch für Apple: Siri muss dazu kein besseres Verständnis der Sprache entwickeln, sondern lediglich Spracheingaben vergleichen. Denn zur Ausführung eines bestimmten Shortcuts definiert der Benutzer eine Phrase, die er selbst aufnimmt. So kann der Benutzer beispielsweise den Befehl „Siri, hol mir einen Kaffee“ definieren, und das iOS-Gerät ordert dann stets automatisch einen Kaffee beim bevorzugten Coffee Shop.

Mit iOS 12 können Nut-zer Benachrichtigungen pro App abbestellen oder abonnieren. Bild: Cortado

Doch damit nicht genug: Apple hat für iOS 12 die letztes Jahr akquirierte Workflow-App kräftig überarbeitet und in Shortcuts umbenannt. Es gibt also eine Shortcuts-App und eine Shortcuts-iOS-Funktion. Mit der Shortcuts-App lassen sich Ereignisse und iOS-Shortcuts einfach zu anwendungsübergreifenden Workflows zusammenstellen – und natürlich per Sprachbefehl auslösen.

Nicht nur die Bundesregierung hat festgestellt, dass sich einfach mehr Bundesbürger für den digitalen Personalausweis entscheiden, wenn man das Verfahren von Opt-in auf Opt-out umstellt – eine interessante Entwicklung, gerade in Zeiten der DSGVO. App-Berechtigungen sind in Punkt, bei dem der Anwender zurückhaltend reagiert. Gerade bei Benachrichtigungen gibt es leider immer wieder Apps, die diese unverhältnismäßig anwenden. Doch bei vielen Anwendungen sind Benachrichtigungen ein wichtiger Bestandteil des Workflows. Wer beispielsweise Informationen über sein Gate verpasst, weil er der Airline-App Benachrichtigungen untersagt hat, wird das sofort einsehen. Airline-Apps, die meinen, Benachrichtigungen für die Promotion von Sonderangeboten nutzen zu müssen, leisten ihren Kunden einen echten Bärendienst.

Anwendungsentwickler, die Benachrichtigungen wirklich sinnvoll einsetzen wollen, haben mit iOS 12 einen neuen Weg. Sie müssen beim Anwender vorab nicht mehr anfragen, ob sie Benachrichtigungen ausgeben dürfen, um den Anwender von deren Nutzen zu überzeugen: Die unter dem sogenannten „Provisional Authorization“-Modus ausgelieferten Benachrichtigungen erscheinen jeweils mit der Möglichkeit, sie direkt abzubestellen oder zu abonnieren. Dies ist gerade bei iOS wichtig, da sich hier das An- und Abstellen von Berechtigungen nicht zentral steuern lässt und so besser gewährleistet wird, dass Anwender die Berechtigungen richtig setzen. Bei Android hingegen kann der Administrator Berechtigungen einfach per MDM-System festsetzen. Damit der iOS-Anwender vor lauter Benachrichtigungen die Übersicht nicht verliert, führt Apple mit Version 12 die Möglichkeit ein, Benachrichtigungen zu gruppieren.

Zentrale Verwaltung

Die neuen Features machen deutlich: Die iOS- und Android-Geräte sind erwachsen geworden und können sich – mit den richtigen Apps ausgestattet – als echte Produktivitätsmaschinen erweisen. Ein zentrales Management ist dabei absolut empfehlenswert. In letzter Zeit hat sich die das auf iOS und Android fokussierte MDM unter Einbeziehung von Windows-10- und macOS-Geräten immer mehr zum Unified-Endpoint-Management (UEM) entwickelt. Manchem Unternehmen ist der Schritt zu UEM aber zu groß oder die Anzahl der Tablets und Smartphones zu gering, als dass man für diesen Paradigmenwechsel bereit wäre. So kann es durchaus sinnvoll sein, statt eines „Unified“-Ansatzes lieber eine gerätespezifische Verwaltungsweise zu nutzen. Hinzu kommt, dass sich ein solch spezifischer Ansatz in Verbindung mit einem aktuellem Cloud-basierten MDM-System innerhalb weniger Tage, wenn nicht sogar Stunden umsetzen lässt.

Carsten Mickeleit ist Vorstand bei Cortado, www.cortado.com.