AWS-Portfolio wächst um Desktop-as-a-Service-Angebot namens Amazon Workspaces

Amazon steigt in den DaaS-Markt ein

15. November 2013, 06:55 Uhr   |  LANline/Dr. Wilhelm Greiner

Amazon steigt in den DaaS-Markt ein

Amazon Web Services (AWS), laut Gartner mit großem Abstand Marktführer im IaaS-Markt (Infrastructure as a Service), hat auf der AWS-Hausmesse Reinvent mit Amazon Workspaces ein Angebot für Desktops as a Service (DaaS) vorgestellt. Damit erhalten Unternehmen komplett verwaltete virtualisierte Desktops als Dienstleistung aus der Cloud. Extern gehostete Windows-Umgebungen stehen damit für den Zugriff per Notebook, Ipad, Android-Tablet oder Kindle Fire zur Verfügung. AWS betont, das hauseigene DaaS-Angebot sei nur halb so teuer wie der lokale Betrieb einer Virtual-Desktop-Infrastruktur (VDI).

Amazon Workspace, Cloud-üblich für eine monatliche Abonnementgebühr zu beziehen, bietet eine in AWS-Rechenzentren gehostete Desktop-Computing-Umgebung mit persistentem Speicher sowie paketabhängiger CPU-, RAM-, Storage- und Softwareausstattung. Die Lösung soll sich laut AWS mit wenigen Mausklicks bereitstellen lassen, um den Bezug virtueller Desktops aus externer Quelle praktikabel zu machen.

Verfügbar sind die vier Bundles namens Standard, Standard Plus, Performance und Performance Plus. Die Hardwareausstattung reicht von einer virtuellen CPU, 3,75 GByte RAM und 50 GByte Storage im Standardpaket bis zu zwei virtuellen CPUs, 7,5 GByte RAM und 100 GByte Storage beim Performance-Plus-Bundle. Letzteres umfasst dann neben den Standard-Utilities (Adobe Reader und Flash, Internet Explorer, Firefox , 7-Zip sowie Java-Laufzeitumgebung) auch Microsoft Office in der Professional-2010-Version und Trend Micros Antivirenlösung.

Alle Workspaces-Bundles bieten laut AWS-Angaben eine vollwertige Windows-7-Arbeitsumgebung, allerdings auf der Basis von Windows Server 2008 R2. (Kritiker werden deshalb einwenden, dies sei gar kein „echtes“ DaaS; dieser Workaround ist derzeit allerdings aufgrund von Microsofts Lizentpolitik notwendig.) Die Desktop-Instanzen laufen auf AWS EC2. Für Backups des persistenten Storage nutzt Amazon seinen hauseigenen Service S3.

Im Rahmen des Setups wird eine VPC-Umgebung eingerichtet (Virtual Private Cloud). Die VPC-Umgebung wird mit dem Unternehmensnetzwerk über ein VPN verbunden und erlaubt dann laut AWS die Nutzung des Active Directorys sowie die Einbindung weiterer Intranet-Ressourcen.

Für die beschleunigte Übertragung der darzustellenden Desktop-Inhalte kommt Technik von Teradici zum Einsatz, die auch VMware für sein VDI-Angebot View nutzt. Teradicis PCoIP-Protokoll (PC over IP) sorgt für die komprimierte, verschlüsselte Übertragung der entfernten PC-Bildschirmdaten. Dank der Funktion Workspaces Sync sollen die Anwender außerdem ihre Dateien zwischen ihren Workspaces und lokalen Repositories synchronisieren können.

AWS betont, DaaS sei wesentlich kostengünstiger als der lokale VDI-Betrieb. In einem TCO-Beispiel (Total Cost of Ownership) rechnet der Cloud-Gigant vor, dass Workspaces bei 1.000 Endanwender-Desktops knapp 60 Prozent günstiger sei als eine hausinterne VDI-Umgebung.

DaaS konnte bislang nicht wirklich Fuß fassen – aufgrund verbreiteter Vorbehalte gegen das Outtasking der Desktop-Umgebungen, aber auch aufgrund von Microsofts Lizenzierungsvorgaben, die den kundenübergreifenden Windows-Desktop-Betrieb auf gemeinsamer Hardware (Shared Desktops) untersagen. Durch Amazons Vorstoß könnte der DaaS-Markt aber nun deutlich Fahrt aufnehmen. Schließlich ist AWS dafür bekannt, Cloud-Angebote hochverfügbar und preiswert betreiben zu können. Für S3 garantiert AWS eine Verfügbarkeit von 99,99 Prozent (über das Jahr gerechnet).

Auch Virtualisierungsschwergewicht VMware hat kürzlich durch die Akquisition des DaaS-Spezialisten Desktone verstärktes Engagement für den DaaS-Markt bewiesen. Virtual-Desktop-Computing-Marktführer Citrix wiederum hat im Rahmen des „Avalon“-Projekts seine Lösung für virtualisierte Desktops und Anwendungen auf eine neue, Cloud-taugliche Basis gestellt. Im Teilprojekt „Merlin“ sollen in Kürze die Integration der erforderlichen Automations-Tools folgen.

Microsoft wiederum bietet bislang lediglich Remote-Desktop-Services aus der Azure-Cloud heraus an. Doch seit Mai sind Gerüchte um das Microsoft-Projekt „Mohoro“ im Umlauf, das auf eine Microsoft-eigene Variante von DaaS abzielen soll.

Amazon Workspaces ist als „Limited Preview“ verfügbar unter aws.amazon.com/workspaces/limited-preview/. Künftig soll der Client für das Angebot über Amazons Workspaces-Download-Seite ebenso kostenlos erhältlich sein wie per Amazon Appstore for Android, Google Play and Apples Itunes App Store. 

Weitere Informationen finden sich unter aws.amazon.com/workspaces/.

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Der persistente Speicher des Desktops in der Cloud wird auf Laufwerk D: gemappt. Bild: AWS
Dank Amazon Workspaces stehen Windows-Arbeitsumgebungen zum Beispiel auch auf einem Kindle Fire zur Verfügung. Bild: AWS
AWS bietet mit Amazon Workspaces Windows-Desktops in vier Varianten aus der Cloud "as a Service" an. Bild: AWS

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