Self-Healing IT

Autonome Selbstwartung

08. Juli 2021, 07:00 Uhr   |  Johannes Carl/wg

Autonome Selbstwartung
© Ivanti

Moderne IT-Management-Lösungen nutzen KI-gestütze Assistenzfunktionen, um das IT-Team von Routinetätigkeiten zu entlasten.

Self-Healing gilt als Zauberwort für die Lösung von IT-Problemen. Da sich heute zahlreiche Endgeräte dauerhaft außerhalb des Unternehmensnetzwerks befinden, klingt autonome Wartung verheißungsvoll: Der Ansatz zielt darauf ab, dass Geräte KI-basiert möglichst viele Störungen automatisiert beheben.

Im Grunde bedeutet autonome Selbstwartung eine Verlagerung von Service-Prozessen direkt auf die Endgeräte der Benutzer – also die Beseitigung von Störungen, noch bevor diese die Belegschaft in ihrer Arbeit unterbrechen. Ein typisches Beispiel dafür sind Geräte mit wenig Speicherplatz auf der Festplatte: Für Beschäftigte besteht hier die Gefahr, dass sie Programme nicht verwenden können und das Gerät bestimmte Funktions-Updates oder wichtige Sicherheits-Patches nicht aufspielt. Ein sich selbst reparierendes Gerät erkennt diese drohende Störung frühzeitig und führt autonom Schritte aus, um mehr Speicherplatz freizugeben.

Im Desktop-Bereich sind heute Auto-Updates des Betriebssystems oder von Anwendungen üblich. Ebenso üblich ist es, dass IT-Abteilungen diese Funktionen deaktivieren, da sie die Updates vor deren Installation testen und die Kompatibilität mit Backend-Systemen prüfen wollen. Meist enthält das Betriebssystem zudem standardmäßig Fallbacks zur Systemwiederherstellung. Diese agieren aber nicht proaktiv, sondern kommen nur im Fehlerfall zum Tragen. Gerade im Windows-Umfeld sind einige Mechanismen im Einsatz, die vermeintliche Fehler korrigieren wollen, beispielsweise die Programmassoziation für Dateitypen. Wegen mangelnder Konfiguration lassen sich diese Mechanismen allerdings nur schwer an Unternehmensbedürfnisse anpassen.

Ebenso unterstützt Microsoft den Anwender mit hilfreichen Hinweisen wie „Sicherheitscenter > Virenschutz deaktiviert“, setzt aber bei der Behebung auf den Anwender. Derartige Informationen funktionieren im Privatkundenumfeld, sind für eine Unternehmens-IT aber bestenfalls unterstützende Hinweise, häufig sogar lästig. Zusätzlich sind bereits viele Mechanismen im Einsatz, die ein System, das sich aufgehängt hat, wieder in die Spur bringen sollen. Dazu gehören Aktionen wie der Refresh von Objekten der Gruppenrichtlinien (GPO) oder der Neustart des Explorers. Genau genommen handelt es sich dabei aber nicht um die Korrektur von Konfigurationen, sondern lediglich um die Behebung fehlerhafter Betriebszustände.

Für IT-Teams sind die vorhandenen Möglichkeiten in jedem Fall eine gute Basis, um zusätzliche Lösungen zu implementieren, die dann die Wartung umfassender autonom gestalten. Anbieter von Sicherheits- und IT-Service-Management-Systemen nutzen bestehende Mechanismen und überlassen beispielsweise die Verarbeitung einer Update-Installation und in der Regel auch die Kommunikation mit dem Anwender dem Betriebssystem. Ein übergreifendes System verwaltet hier lediglich die nötigen Impulse zur Installation eines Updates und die passenden Parameter, etwa wie ein Update zu installieren ist und wo es geladen werden soll. Diesem System obliegt auch die finale Prüfung, ob die Installation eines Updates erfolgreich war. Die IT-Administration greift nur auf einer übergeordneten Ebene ein, entscheidet, welche Installationen stattfinden sollen, und legt Parameter fest. Die Orchestrierung kann es getrost Management-Systemen überlassen – und die Umsetzung dann den Automatismen von Windows.

Andere Beispiele für die Nutzung von Bordmitteln sind die Nutzung von Messwerten oder Fehlerbeseitigungs-Tools. Durch deren Einbindung in andere Mechanismen lässt sich die Präzision einer Automatisierungsplattform deutlich erhöhen. So ermöglicht ein Tool im Betriebssystem bereits die automatisierte Festplattenbereinigung. Eine Automatisierung stößt diese lediglich an, noch bevor echte Fehler auftreten.

Fehlermeldungen oder Warnungen, wie sie Windows an einem Privatrechner veranlassen muss, verunsichern so nicht mehr die Beschäftigten. Das Beispiel zeigt, wie ein altbekanntes, aber selten genutztes Bordmittel plötzlich wieder höchst relevant ist. Ein ähnlicher Fall ist der Zuverlässigkeitsindex, ein Messwert, den Windows selbst erstellt, um die Häufigkeit von Fehlern zu beschreiben. Das macht ihn zu einem sehr hilfreichen Instrument, um auftretende Fehler miteinander in Beziehung zu setzen. Der Index dient außerdem der Früherkennung von groben Fehlern. Besonders wertvoll ist diese Information, weil Windows auch unzusammenhängende Fehler addiert und so ein Indikator entsteht, wie oft ein Anwender bei der Nutzung seines Endgeräts gestört wird. Die Beispiele zeigen: IT-Teams nutzen bestehenden Mechanismen zwar als ausführende Instanzen, speisen sie aber mit eigenen Parametern.

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