Umfragen von Bitkom und Citrix zu Remote Work in Zeiten der Corona-Krise

Deutschland pirscht sich ans Home-Office heran

02. April 2020, 12:00 Uhr   |  Von Dr. Wilhelm Greiner.

Deutschland pirscht sich ans Home-Office heran

In Sachen Home-Office und Remote Work waren viele Unternehmen in Deutschland bislang Nachzügler. Noch Mitte Januar meldete Bitkom Research, dass nur 39 Prozent der deutschen Unternehmen ihre Belegschaft von zu Hause aus arbeiten lassen. Pandemiebedingt waren es Mitte März laut Bitkom dann immerhin schon 49 Prozent, darunter drei Prozent, denen das Home-Office zuvor verwehrt war. Laut einer Citrix-Umfrage von Ende März glauben 71 Prozent der deutschen Büroarbeiter, dass diese Arbeitsform künftig einen deutlich höheren Stellenwert einnehmen wird.

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie misst laut einer Bitkom-Umfrage, vorgestellt Mitte März, eine deutliche Mehrheit der befragten rund 1.000 Bundesbürger der Digitalisierung große Bedeutung bei: Knapp zwei Drittel (65 Prozent) erachten digitale Technologien - also Home-Office-Arbeitsplätze, Web-Conferencing etc. - als Mittel, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Von den berufstätigen Befragten arbeitet fast jeder Zweite (49 Prozent) ganz oder zumindest zeitweise im Home-Office. Fast jeder Fünfte (18 Prozent) durfte zuvor nicht zu Hause arbeiten, macht dies aber nun zeitweise (15 Prozent).

Lediglich zusätzliche drei Prozent der Arbeitnehmer konnten ihren Arbeitsplatz angeischts offizieller Social-Distancing-Vorgaben vom klassischen Büro vollständig in die heimischen vier Wände verlagern. Weitere 31 Prozent waren bereits zuvor mit Home-Office-Arbeit vertraut, nutzen dies aber nun häufiger (17 Prozent) oder zur Gänze (14 Prozent). 41 Prozent der Befragten gaben hingegen an, ihre Tätigkeit sei grundsätzlich nicht für Home-Office geeignet.

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Fordert ein Umdenken in der Kultur vieler Unternehmen: Bitkom-Präsident Achim Berg. Bild: Bitkom

"Die Corona-Pandemie und die drastischen Beeinträchtigungen des öffentlichen Lebens erzwingen ein radikales Umdenken in der Kultur vieler Unternehmen", kommentierte Bitkom-Präsident Achim Berg. Noch stärker gefordert seien öffentliche Arbeitgeber, für die Home-Office "oft ein Fremdwort" sei. "Digitale Technologien sind der Schlüssel, um die Arbeitsfähigkeit von Wirtschaft und öffentlichen Einrichtungen wie Ämtern und Schulen auch in dieser außerordentlichen Krisensituation zu gewährleisten", so Berg weiter. "Dass mobiles Arbeiten und mobiles Lernen zum Standard werden könnten, schien bislang undenkbar. Jetzt aber werden wie unter einem Brennglas die immensen Potenziale sichtbar, die digitale Technologien grundsätzlich bieten - im Kampf gegen das Virus wie auch in der Reduzierung des Berufsverkehrs und verkehrsbedingter Emissionen."

Die Aufgabe für Wirtschaft, Verwaltung und Politik fasst Berg so zusammen: "Corona ist auch Aufforderung, Wirtschaft, Verwaltung und Gesundheitswesen noch entschiedener und schneller zu digitalisieren, etwa indem Technologien für Web-Konferenzen eingeführt werden und Home-Office zum Standard wird."

Im Vergleich zu Frankreich, Italien oder UK liegt Deutschland dabei laut der aktuellen OnePoll-Umfrage im Auftrag von Citrix gar nicht mal so schlecht im Rennen: 43 Prozent der wiederum 1.000 befragten Büroarbeiter hierzulande arbeiteten auch schon vor der Corona-Krise mindestens einmal pro Woche von zu Hause aus. Nur in UK lag dieser Wert in der Umfrage mit 45 Prozent höher. Franzosen und Italiener arbeiteten dagegen vor der Krise nur zu 26 beziehungsweise 22 Prozent regelmäßig im Home Office.

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Sieht Arbeitgeber in der Pflicht, Büroarbeitern die technische Ausstattung für Remote Work zu bieten: Citrix? Deutschland-Chefin Petra-Maria Grohs. Bild: Citrix

Den größten Vorteil der Heimarbeit sieht knapp die Hälfte (49 Prozent) der befragten Deutschen darin, dass sie die Pendelzeit produktiv nutzen können. 42 Prozent nannten als Vorteil weniger Stress, zum Beispiel durch das Wegfallen von Stau oder überfüllten Zügen.

"Als Arbeitgeber sind wir alle gefordert, unseren Angestellten auch am heimischen Schreib- oder Küchentisch die notwendige technologische Ausstattung zu bieten", erklärte Petra-Maria Grohs, Regional Vice President Deutschland bei Citrix. "Ich bin überzeugt, das Home-Office wird in der Zukunft ein fester Bestandteil der deutschen Arbeitskultur werden, anstatt eine individuelle Regelung zu sein, wie es in vielen Branchen und Unternehmen jüngst noch der Fall war."

Die jetzige schwierige Lage zeige, dass dies der richtige Weg ist: "Jeder Büroarbeiter, der aktuell zu Hause arbeiten kann, macht nicht nur seine Arbeit, sondern unterstützt die ganze Gesellschaft und trägt dazu bei, dass wir diese Krise so schnell und gut wie möglich hinter uns lassen können", so Grohs.

Weitere Informationen finden sich unter www.bitkom.org und www.citrix.de.

Dr. Wilhelm Greiner ist freier Mitarbeiter der LANline.

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