Wireless-Wireline-Konvergenz

Die Netzwerkregeln ändern sich

21. März 2022, 7:00 Uhr | Sally Bament/am
Eine Unternehmenstransformation erfordert einen Wandel in Architektur, Management und Service-Erfahrung.
Eine Unternehmenstransformation erfordert einen Wandel in Architektur, Management und Service-Erfahrung.
© Juniper Networks

Die Netzwerkinfrastruktur ist vergleichbar mit einer Autobahn mit zwei parallelen Fahrstreifen, die in die gleiche Richtung führen. Der eine Streifen ist für den drahtlosen und der andere für den kabelgebundenen Verkehr. Dazwischen befindet sich eine große Betonbarrikade, das heißt, niemand kann sehen, was auf der anderen Spur passiert. Verändern sich die Regeln, zum Beispiel durch eine Pandemie, verändern sich auch die Verkehrsmuster. Im Hinblick auf die Autobahn gibt es weniger Pendlerverkehr und auch die Rushhour fällt aus. Der Verkehr auf der zweiten Spur nimmt hingegen zu, da Personen zu einer komplett digitalen Lebensweise übergehen. Dieser Verkehr benötigt idealerweise eine weitere Fahrbahn, allerdings lässt sich die Betonsperre nicht überwinden.

Wenn die Verkehrssysteme starr sind und der Verkehr kompliziert und dynamisch ist, welche Möglichkeiten gibt es, dies flexibler zu gestalten? Ein Umbau der Fahrbahn ist eine Möglichkeit, allerdings ist das teuer, störanfällig und dauert viel zu lange. Schlimmer noch: Das gleiche Ergebnis könnte eintreten, ohne die Möglichkeit, sich an künftige Verkehrsmuster anzupassen.

So starr wie eine Fahrbahn sind Netzwerk-infrastrukturen glücklicherweise nicht. Hier gibt es eine einfachere Lösung, damit Netzwerke den gestiegenen Traffic bewältigen können. Diese heißt Wireless Wire-line Convergence (WWC) – eine Reihe von Standards, die aus eingeschränkten, isolierten Systemen einen einheitlichen Stack für die Bereitstellung von Services machen. Wireless Wireline Convergence bricht also keine Silos auf, sondern koppelt den Datenverkehr neu. Mit anderen Worten unterstützt WWC Koexistenz, Zusammenarbeit und Interoperabilität. Für Service-Provider bedeutet dies, dass sie flexibel entscheiden können, wie, wo und wann sie sich in Richtung Konvergenz bewegen.

Der Weg der Wahl

Die Umstellung auf WWC kommt zum richtigen Zeitpunkt, denn die Anforderungen an Service-Provider sind so hoch wie nie zuvor. Sie müssen eine nahtlose Konnektivität anbieten, gleichzeitig erhöht sich nicht nur der Traffic insgesamt, sondern es verändern sich auch die Nutzungsmuster. Buchstäblich über Nacht lassen sich neue Spitzenwerte erreichen, die künftig die Normalität darstellen werden. 

Damit stößt der WWC-Vorgänger Fixed Mobile Convergence (FMC) an seine Grenzen. Obwohl man die Fixed-Mobile-Convergence-Technik einst entwickelt hat, um Dienste über siloartige drahtlose und drahtgebundene Infrastrukturen hinweg zu verbinden, konnte sie sich nicht durchsetzen. Der Grund dafür ist, dass Software eng in die bestehenden siloartigen Plattformen integriert war. Service-Provider arbeiten bereits an der Umsetzung verschiedener Aspekte von WWC. Abgesehen von den offensichtlichen Vorzügen eines konvergenten Netzes hinsichtlich der Betriebskosten bietet WWC auch die Möglichkeit, neue differenzierte Services zu bieten.

Ein Vorteil ist eine deutlich bessere Konnektivität als bislang und damit ein einheitliches, zugangsunabhängiges Service-Erlebnis. Kunden erhalten so konsistente Funktionen über Hardware unterschiedlicher Anbieter und verschiedene Multi-Access-Netzwerke hinweg. WWC bietet außerdem ein optimiertes Anwendungserlebnis, indem es die verfügbare drahtlose und kabelgebundene Bandbreite zu einer einzigen logischen Verbindung zusammenfasst. Im Ergebnis bedeutet das eine höhere Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit.

Teilnehmende, Geräte und Anwendungen haben immer höhere Anforderungen an die Bandbreite am Netzwerkrand. Die Nachfrage nach noch schnelleren Diensten steigt daher kontinuierlich. Service-Provider haben zwar schnell reagiert, um den Anstieg des Datenverkehrs zu bewältigen und gleichzeitig Verzögerungen, Qualitätseinbußen und langsamere Geschwindigkeiten zu vermeiden, aber das allein reicht nicht aus. Darüber hinaus wird mit der breiten Verfügbarkeit von 5G der Datenverkehr exponentiell ansteigen und die Netzwerke weiter herausfordern. Hier setzt WWC an und ermöglicht es schneller als bislang, Edge-Services anzubieten.

Ein weiterer Vorteil von WWC ist, dass das konvergente Netzwerk mit der unnötigen Duplizierung von Funktionen wie Authentifizierung, Teilnehmerdatenbanken, Gebührenerhebung und Netz-Management-Tools Schluss macht. Dies ist um Verfahren erweitert, die speziell für den kabelgebundenen Zugang gelten. Gleichzeitig erfolgt die Aktualisierung des Breitband-Zugangsbereichs, um eine Verbindung zum neuen 5G-Kern mit Schnittstellen herzustellen, die denen der Funkzugangsknoten ähneln. Korrekt implementiert ist es auch relativ einfach, unterschiedliche Zugangstypen und CPE-Upgrades (Customer Premises Equipment) innerhalb dieser Umgebung zu verknüpfen. Ein weiterer Vorteil ist, dass Betreiber die Reichweite von 5G durch die Konvergenz von Festnetz und Mobilfunk erweitern können, wobei die Dienste die Vorteile mehrerer Zugangsverbindungen nutzen. Die konvergente Architektur verspricht den Nutzern die bestmögliche Quality of Experience (QoE), indem sie die Vorteile aus beiden Welten – kabellos und kabelgebunden – oder sogar aus beiden Welten gleichzeitig nutzen können. Darüber hinaus lässt sich die drahtlose und drahtgebundene Bandbreite bündeln, um eine logische Verbindung zu schaffen. Das Ergebnis ist eine höhere Geschwindigkeit und eine bessere Dienstqualität (Quality of Service, QoS).


  1. Die Netzwerkregeln ändern sich
  2. Alle Wege führen zu WWC

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