Citrix-Umfrage zum Remote-Unterricht

Digitalisierung der Schule: Nur Note 3 bis 4

08. September 2020, 11:56 Uhr   |  Wilhelm Greiner

Digitalisierung der Schule: Nur Note 3 bis 4
© Wolfgang Traub

Dass Deutschland in puncto Digitalisierung der Schulen so lange getrödelt hat, ist Lehrkräften, Schulkindern und deren Eltern zur Zeit der Ausgangsbeschränkungen mit einem deutlich hörbaren „Klonk!“ auf die Füße gefallen: Laut einer aktuellen OnePoll-Umfrage verlief der Wechsel zum Online-Unterricht nur bei jedem zehnten Schüler in der „Bildungsnation Deutschland“ reibungslos.

Im Frühjahr, bei Ausbruch der Corona-Krise, mussten Schulen überall auf der Welt schnell auf Fernunterricht umschalten – hierzulande mit eher durchwachsenem Erfolg, wie eine aktuelle OnePoll-Umfrage unter Eltern schulpflichtiger Kinder zeigt. Im Auftrag von Citrix befragte OnePoll im Juli und August 2020 jeweils 3.500 Eltern mit Kindern im Alter zwischen sechs und 18 Jahren sowie 3.500 Studierende. Die Umfrage erfolgte zeitgleich in Australien, Deutschland, Großbritannien, Italien, Kanada, Mexiko und Singapur. Pro Land nahmen 500 Elternteile und 500 Studierende teil.

Das Zeugnis für Deutschland: „Der Schüler bemühte sich, teils mit Erfolg.“ Bei 50 Prozent der befragten deutschen Eltern waren die Schulen laut deren Einschätzung gar nicht vorbereitet, der Fernunterricht habe nur provisorisch stattgefunden. Immerhin 38 Prozent der Erziehungsberechtigten gaben an, die Schulen ihrer Kinder seien hinreichend vorbereitet gewesen und hätten zumindest schon einige Remote-Tools im Einsatz gehabt.

Dennoch: Die – trotz aller bereitgestellten Milliarden an Finanzhilfe – weithin trandöselige Digitalisierung der Schule rächte sich nun. Das pandemiebedingte Improvisieren offenbarte immer wieder Sand im Getriebe: So berichtete ein Sechstel (17 Prozent) der Befragten von anhaltenden technischen Problemen beim Fernunterricht. Knapp die Hälfte (49 Prozent) der Eltern gab an, dass der Zugang zu Remote-Learning-Angeboten zunächst eine Herausforderung darstellte, sich aber dann einspielte.

20 Prozent der befragten Eltern mussten kurzfristig zusätzliche Endgeräte für ihre Kinder beschaffen. Hier galt es zum Beispiel zu verhindern, dass der Fernunterricht den Familien-PC blockiert.

Die ständige Auseinandersetzung mit der Technik im Unterricht hatte aber auch positive Nebenwirkungen: So gab mehr als die Hälfte der befragten Eltern (55 Prozent) an, die Computerkenntnisse ihrer Kinder hätten sich durch den Online-Unterricht verbessert.

Der ruckartige Wechsel zum Remote Learning warf aber auch ein Schlaglicht auf den Nachholbedarf: Die Eltern von Schulkindern wünschen sich vor allem mehr Lehrerfortbildung für Remote Teaching (53 Prozent), eine bessere Organisation des Fernunterrichts (48 Prozent) und mehr direkte Interaktion mit Lehrkräften beim Unterricht per Video (45 Prozent).

„Die Corona-Krise hat den Bildungssektor einem unfreiwilligen Stresstest unterzogen“, so Oliver Ebel, Area Vice President Central Europe bei Citrix. „Es ist bedenklich, dass in einer Industrienation wie Deutschland nur jedes zehnte Kind in der Corona-Pandemie problemlos von zu Hause lernen konnte, weil es mit der technischen Ausstattung und dem Know-how an Schulen hapert. Angesichts einer drohenden zweiten Welle können und dürfen wir uns das nicht noch einmal leisten.“

Deutschland international im Mittelfeld

Im Vergleich mit den übrigen sechs Ländern der Umfrage gestaltete sich der Übergang zum Remote Learning in Deutschland schwieriger als in manchen anderen Nationen. Am besten vorbereitet war Singapur: Hier gaben 30 Prozent der Eltern einem problemlosen Übergang zum Online-Unterricht zu Protokoll, gefolgt von Australien (25 Prozent) und Mexiko (19 Prozent). Die insgesamt beste technische Ausstattung und Anwendungen scheint es ebenfalls in Singapur zu geben. Hier berichteten nur sechs Prozent der Eltern von fortlaufenden technischen Problemen ihres Kindes beim Fernunterricht.

Deutsche Studierende beurteilen die Digitalisierungslage an Universitäten ein gutes Stück entspannter als die Eltern von Schulkindern. Unter Studierenden war die Umstellung auf den Online-Betrieb aber auch weniger dramatisch: Nur 33 Prozent der Studierenden hatten laut eigenen Angaben vor der Krise keinen Zugang zu Online-Kursen. Knapp die Hälfte (49 Prozent) der Befragten bevorzugt für die Zukunft ein hybrides Modell aus Präsenz- und Online-Veranstaltungen, zwölf Prozent würden sogar ihr gesamtes Studium nach der Corona-Krise gerne online fortführen.

Citrix-Manager Ebel rät angesichts dieser Lage zu einer klaren, ganzheitlichen Strategie für die deutschen Bildungseinrichtungen: „Online- und Remote-Angebote werden die schulische und akademische Ausbildung noch eine ganze Zeit lang begleiten. Nicht nur, um die aktuelle Krise zu überstehen, sondern auch, um zukünftig besser gewappnet zu sein, müssen wir einheitliche Online-Umgebungen für den Bildungssektor aufbauen, die sich bei Bedarf schnell aktivieren lassen.“ Diese Technik müsse sicher sein und für Schüler, Studenten, Lehrerkräfte sowie Eltern einfach zu bedienen. Weitere Informationen finden sich unter www.citrix.de.

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