Praxistest Ericom Accessnow

Fernzugriff via HTML5

03. Juli 2014, 06:00 Uhr   |  Eric Tierling (wg)

Fernzugriff via HTML5

Für den Fernzugriff auf Desktops und Anwendungen muss auf dem Client-Rechner üblicherweise eine proprietäre Software vorhanden sein, die diesem Computer das passende Remoting-Protokoll beibringt. Ericom geht einen anderen Weg: Schon ein herkömmlicher HTML5-fähiger Web-Browser reicht aus, mehr Software braucht der Client nicht.Lösungen, um aus der Ferne (remote) auf die im Unternehmen genutzten Desktops und Anwendungen zuzugreifen, gibt es einige. In der Regel benötigen diese jedoch spezielle Remoting-Protokolle. Populäre Beispiele hierfür sind Citrix ICA (Independent Computing Architecture), Microsoft RDP (Remote Desktop Protocol) oder das von VMware lizenzierte Teradici-Protokoll PCoIP (PC-over-IP). Eines haben die darauf aufbauenden Client/Server-Lösungen gemeinsam: Auf jedem Client muss die passende Software vorhanden sein, damit dieser den Server versteht. Daraus resultiert für Unternehmen eine große Herausforderung. Die entscheidende Hürde liegt darin, alle Clients mit der richtigen Software auszustatten, damit diese dieselbe Protokollsprache wie die zugehörigen Server sprechen und sich über LAN- und WAN-Verbindungen miteinander unterhalten können. Wer nicht zur Lösung aus dem Microsoft-Regal greift (in den Unternehmens-Editionen der Windows-Client-Betriebssysteme ist die RDP-Software schon eingebaut), muss sich auf die Suche nach einer passenden Client-Software machen - und sie dann vorab auf allen Clients bereitstellen, damit diese einen Fernzugriff durchführen können. Abhängig von der Unternehmensgröße sowie den Fähigkeiten der hauseigenen IT-Abteilung kann dies ein aufwendiges, fehlerträchtiges Unterfangen darstellen. Die starke Zunahme der Anzahl mobiler Endgeräte ist dabei nur eine Schwierigkeit, denn auch die Betriebssystemvielfalt verursacht Probleme: Apple IOS etwa macht es der Unternehmens-IT alles andere als leicht, eigene Software zu installieren. Andere Plattformen wie Chromebooks (Notebooks mit Googles Linux-Distribution Chrome OS) unterbinden die eigene Installation eigener Softwareanwendungen, was den Einsatz proprietärer Protokoll-Clients erschwert.   Web-Browser als Client Einen Ausweg aus diesem Dilemma versprechen Fernzugriffskonzepte, die keine native Client-Software mehr auf den Endgeräten der Benutzer benötigen. Einer der ersten Anbieter, der mit einer solchen "Client-losen" Lösung bereits Mitte 2011 auf den Markt kam, ist Ericom. In Fachkreisen handelt es sich um keinen Unbenannten: Schon im Jahre 2009 machte sich dieser Anbieter einen Namen mit Blaze, einem Software-Add-on, das RDP-Übertragungen anhand von protokollinternen Optimierungen bei WAN-Verbindungen beschleunigt. Auf den Namen Accessnow hat Ericom sein Produkt zum Remote-Zugriff auf Desktops und Anwendungen getauft, das ganz ohne proprietären Client auskommt. Der Trick dabei: Ericom verwendet das standardisierte HTML5 als Remoting-Protokoll zur Client/Server-Kommunikation. Auf diese Weise ist es nicht mehr erforderlich, auf jedem Client eine Software zu installieren, die sich mit dem entsprechenden Server im Firmennetz unterhalten kann. Vielmehr lässt sich als Client jedes Gerät nutzen, auf dem ein HTML5-kompatibler Web-Browser seinen Dienst versieht. Durch diesen Kunstgriff lassen sich nicht nur mit Windows, Mac OS X, Linux und Chrome OS ausgestattete PCs als Endgeräte verwenden. Ebenso für den Fernzugriff auf Desktops und Anwendungen geeignet sind Smartphones und Tablets, bei denen Android, Blackberry 10 oder IOS den Ton angeben - also das Amazon Kindle Fire HD, das Blackberry Z30 und das Apple Iphone. Denn entscheidend ist nicht als Betriebssystem, sondern vielmehr der darauf laufende Web-Browser. In Frage kommen der Microsoft Internet Explorer ab Version 10, Mozilla Firefox 4 und höher, Google Chrome 11 und höher sowie Apple Safari ab Version 5. Zusätze wie Active X, Flash, Silverlight oder Java sind nicht vonnöten. Bei Accessnow macht sich Ericom geschickt die Spezifikationen des HTML5-Protokolls zunutze. So ermöglicht zum Beispiel die Canvas-Funktion das Javascript-gestützte Zeichnen von Text- und Grafikelementen auf dem entfernten Gerät. Eine weitere tragende Rolle spielt das bei HTML5 eingeführte Websockets-Protokoll zur bidirektionalen Full-Duplex-Kommunikation über TCP. HTML5 ist jedoch nur die halbe Miete. Denn komplementär zum Client ist für den Fernzugriff auch ein zugehöriger Server erforderlich. Anstatt diesen selbst zu entwickeln, bedient sich Ericom vorhandener Lösungen wie Microsofts Remote Desktop Services (RDS). Dadurch können auf zentralen Terminal-Server-Hosts im Unternehmen Programme wie Word und Excel oder Branchenanwendungen laufen. Über Accessnow greifen die Benutzer darauf dann an ihren Endgeräten mit HTML5-fähigen Browsern zu. Die Verwendung von RDS auf Server-Seite hat noch einen weiteren Vorteil: Ericom zufolge steigert die hauseigene Blaze-RDS-Beschleunigungstechnik das Tempo von Accessnow-Übertragungen, um ein performantes Arbeiten auf Client-Seite zu ermöglichen. Außerdem besteht dadurch Zugriff nicht nur auf einzelne Anwendungen, sondern auch auf komplette Windows-Desktops. Accessnow gibt es aber nicht nur für Microsoft RDS/VDI-Umgebungen (Virtual Desktop Infrastructure). Inzwischen hat Ericom Varianten unter anderem für Citrix und VMware in petto. Das Grundprinzip ist bei allen Ausführungen gleich: Der Anwender besucht per HTML5-Browser die Accessnow-Website seines Unternehmens. Dort ist neben Benutzername und Kennwort der Name oder die IP-Adresse des Servers in der Firma (zum Beispiel ein RDS-Host) einzutippen - ebenso wie die gewünschte Anwendung, falls nicht der gesamte Desktop remote gewünscht wird. Per Mausklick stellt Accessnow dann die Verbindung her und fungiert fortan als Vermittler zwischen Server und Browser.   Accessnow für Microsoft RDS/VDI Wie das Ganze in der Praxis funktioniert, zeigt ein kurzer Test von Accessnow für Microsoft RDS/VDI, das inzwischen bei Version 3.2 angelangt ist. Die Voraussetzungen auf Server-Seite sind gering: Es wird lediglich ein Computer benötigt, der als Host für die Remote-Desktop-Dienste agieren kann. Somit muss es keineswegs ein Windows Server 2012 R2-System sein. Stattdessen kommt sogar ein Windows 7- oder Windows 8-PC in Betracht, auf dem die Professional- oder Enterprise-Edition werkelt. In jedem Fall empfiehlt Ericom, auf dem Host die RDS-Authentifizierung auf Netzwerkebene auszuschalten, was beispielsweise per Gruppenrichtlinie (administrative Vorlagen der Computerkonfiguration) oder über den Remote-Bereich der Systemeigenschaften des Computers erfolgen kann. Die Installation der Accessnow-Software verläuft denkbar einfach. Nach der Aktivierung der RDS-Rolle spielten wir auf dem im Test verwendeten Windows Server 2012 R2 die Ericom-Server-Software auf. Das Setup-Programm dafür bringt nur rund 25 MByte auf die Waage - was einer Lösung, die Effizienz verspricht, gut zu Gesicht steht. Nach ein paar Mausklicks ist die Installation abgeschlossen und Accessnow schon einsatzbereit (Bild 1). Jetzt können Benutzer bereits mit dem Accessnow-Server Kontakt aufnehmen und darüber den Fernzugriff abwickeln.   Praxiseindrücke Bei der Kontaktaufnahme zeigt der Accessnow-Server im Browser des Anwenders eine Maske an, in der grundlegende Eingaben wie Benutzername und Kennwort für den RDS-Host vorzunehmen sind (Bild 2). Falls gewünscht, öffnet das Anklicken von "Advanced" eine weitere Eingabemaske. Darüber ist beispielsweise einstellbar, ob der komplette Remote Desktop oder aber nur eine einzelne Anwendung im Browser dargestellt werden soll. Nach Auswahl von "Connect" erfolgt die Herstellung der Verbindung zum gewünschten Ziel. In unserem Test konnten wir dann, ähnlich wie mit einem nativen Client, aus dem Browser heraus mit den auf dem Host laufenden Anwendungen und Desktops flüssig arbeiten. Das Administratorenhandbuch erklärt auf 70 Seiten sowohl Grundlagen und Besonderheiten als auch die Anpassung der Konfiguration. Beschrieben ist unter anderem, wie Benutzer an ihren Smartphones einen rechten Mausklick ausführen oder wie sich die Eingabemaske, die Benutzer als Startseite erhalten, anpassen lässt. Auf dem RDS-Host steht Administratoren ferner ein Tool zur Verfügung, über das sich das Informationen etwa zur Performance abrufen lassen. Die Kosten für eine Einzelplatzlizenz von Accessnow betragen 55 Euro. Volumenlizenzen für Unternehmen, bei denen der Preis pro Client deutlich sinkt, sind beim Hersteller auf Anfrage erhältlich. Über die Ericom-Website ist zudem eine 30-Tage-Demo verfügbar, was ein Ausprobieren in der eigenen Umgebung ermöglicht.   Fazit Mit Accessnow bietet Ericom eine interessante Lösung für den Fernzugriff mittels unterschiedlichster Endgeräte an. Anstatt sich damit aufzuhalten, native Fernzugriffs-Clients für alle möglichen Endgeräte zu beschaffen, auszurollen und zu warten, brauchen Unternehmen somit nur noch darauf zu achten, dass die verwendeten Geräte einen HTML5-fähigen Web-Browser mitbringen. Eine weitere Besonderheit besteht darin, dass sich Accessnow nahtlos in eine vorhandene Umgebung wie zum Beispiel Microsofts Remote-Desktop-Dienste einfügt, um diese im Hinblick auf den Client-Zugriff zu ergänzen. Anders als die HTML5-Client-Offerten von Citrix und VMware ist das Ericom-Produkt daher nicht als Fallback-Lösung, sondern als Erweiterung gedacht. Außerdem gibt es die Ericom-Lösung nicht nur für Microsoft RDS, sondern auch für die vergleichbaren Angebote von Citrix und VMware, was einen weiteren Pluspunkt darstellt.   Der Autor auf LANline.de: Eric Tierling   Info: Ericom Tel: 0044/845/6443597 Web: www.ericom.com/html5_rdp_client.asp Web: www.giritech.de

Bild 2. Über diese Eingabemaske können Benutzer auf ihrem Client angeben, wie sie die Verbindung zum Accessnow-Server herstellen wollen. Bild 1. Die Installation des Accessnow-Servers auf dem RDS-Host ist binnen Sekunden erledigt. LANline.

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