Microsoft und Citrix erweitern Kooperation

Hand in Hand zur Cloud

17. Juli 2020, 07:00 Uhr   |  Wilhelm Greiner

Hand in Hand zur Cloud
© Citrix

In den Wochen der Ausgangsbeschränkungen dürfte sich manch ein IT-Leiter gewünscht haben, er hätte die Cloudifizierung der IT-Arbeitsplätze früher und stärker vorangetrieben. Denn die Pandemie verdeutlicht: „Office as usual“ war gestern – heute sind flexible Remote-Arbeitsplätze oft ein Muss. Vor diesem Hintergrund intensivieren nun Microsoft und Citrix ihre Zusammenarbeit.

Angesichts sprunghaft gestiegener Nachfrage nach Remote-Work-Modellen verkündeten Microsoft und Citrix ein mehrjähriges Abkommen zur engeren Zusammenarbeit bei Cloud-basierten digitalen Workspaces. „Die COVID-19-Pandemie hat Unternehmen auf der ganzen Welt gezwungen, die Arbeitsweise ihrer Mitarbeiter zu ändern und gleichzeitig die Geschwindigkeits- und Sicherheitsanforderungen zu erfüllen, die das heutige unsichere Geschäftsumfeld erfordert“, kommentierte Citrix-Chef David Henshall. „Mit Blick auf die Zukunft werden hybride Arbeitsmodelle für viele Kunden zum Standard werden, die eine flexible Infrastruktur benötigen, um ihre Teams zu unterstützen, abzusichern und zu fördern.“

Die Betonung liegt hier auf „hybride Arbeitsmodelle“: Rein Cloud-basiertes Arbeiten, wie es AWS oder Google propagieren, ist für viele Unternehmensanwender nach wie vor nicht realistisch – zu groß ist die Bedeutung der Legacy-Windows-Applikationen. Citrix Virtual Apps and Desktops, Citrix Managed Desktops und Microsofts WVDs (Windows Virtual Desktops) erlauben es hier, Anwendungs-Workloads einschließlich Bestandsanwendungen auf Azure auszuführen und über beliebige Endgeräte darauf zuzugreifen.

Citrix und Microsoft pflegen ein intensives Miteinander, seit Citrix 1995 – die Graumelierten unter den Lesern werden sich erinnern – Windows NT mit Winframe mehrbenutzerfähig gemacht und den Code dafür an Microsoft verkauft hatte. Letzten Herbst, als Microsoft seine Windows Virtual Desktops vorstellte und damit in das Business Cloud-basierter Arbeitsplätze einstieg, stand die Frage im Raum, ob dies zu Lasten des Digital-Workspace-Anbieters gehen könnte – zumal Microsoft nicht nur mit einem Multi-User-fähigen Windows 10 lockte, sondern auch mit verlängertem Support von Windows 7, den sich zahlreichen Unternehmen wünschten.

Doch Microsoft will Citrix nicht ausbooten – vielmehr macht deren 25-jährige Partnerschaft nun einen Sprung nach vorn: Laut gemeinsamer Verlautbarung werden die beiden Konzerne zusammen Tools und Services bereitstellen, um der Citrix-Klientel den Übergang von lokalen Installationen zu Azure zu erleichtern und zu beschleunigen. Auf LANline-Anfrage machte Citrix allerdings keine näheren Angaben, um welche Art gemeinsamer Tools und Services es dabei konkret gehen soll.

Das wäre wohl auch verfrüht. Denn die beiden Kollaborateure wollen zunächst gemeinschaftlich eine Produkt-Roadmap erarbeiten, die Citrix Workspace, Citrix SD-WAN, Azure und Microsoft 365 abdeckt. Vermarkten will man die Angebote dann über den Azure Marketplace ebenso wie über Channel-Partner. Microsoft, so die Verlautbarung, werde „den Vertrieb mit Citrix Cloud leiten, um bestehende On-Premise-Kunden von Citrix auf Azure zu migrieren“.

Hand in Hand will man also Citrix-Bestandskunden auf die Azure-Cloud hieven, um sie zukunftssicherer aufzustellen. Dazu wird Citrix laut eigenem Bekunden seine Workspace-Lösung in Richtung Microsoft erweitern: Es soll tiefe Integrationen zur Optimierung der Performance und Funktionalität geben – nicht nur für Windows Virtual Desktop, sondern auch für Microsoft 365 einschließlich Microsoft Teams.

Eine wichtige Rolle dürften dabei Citrix’ sogenannte Micro-Apps spielen: Citrix Workspace umfasst unter der Bezeichnung „Micro-App“ die Möglichkeit, Arbeitsschritte einzelner Applikationen zu automatisieren und dann per Button im Workspace-Interface direkt verfügbar zu machen. Als Beispiel nennt Citrix gerne die Genehmigung eines Urlaubsantrags, den ein Vorgesetzter damit per Mausklick erledigen kann, ohne erst die entsprechende Applikation zu öffnen. Eine Ausdehnung dieser Funktionalität auf Microsoft 365 und Teams könnte den Arbeitsalltag zahlreicher Endanwender in der Tat deutlich erleichtern – egal ob im Home-Office oder andernorts.

Laut der Vereinbarung soll Citrix Workspace damit zu einer „bevorzugten Digital-Workspace-Plattform für Microsoft-Kunden“ werden, umgekehrt Azure zu einer „bevorzugten Public Cloud“ für Citrix-Anwender. Wohlgemerkt: zu „einer“ – beide Anbieter betonen die Bedeutung der Wahlfreiheit für Anwenderunternehmen und halten sich so Hintertürchen offen. Microsoft wird sicher auch künftig keine Kunden von der Azure-Wolke schubsen, die dort VMwares Workspace One oder Horizon hosten wollen, während Citrix wohl auch weiter keine Einwände hat, Virtual Apps and Desktops auf AWS oder der Google Cloud zu sehen.

Weitere Informationen finden sich unter www.citrix.com.

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