DaaS als Geschäftsmodell für Service-Provider

Mandantenfähige Basis für virtuelle Desktops

02. Dezember 2014, 08:15 Uhr   |  Raphael Buehner ist Lead Solutions Engineer EMEA Cloud Solution Sales bei Citrix, www.citrix.de./wg

Mandantenfähige Basis für virtuelle Desktops

Die Mandantenfähigkeit beim Thema DaaS (Desktop as a Service) hat die nächste Stufe erreicht: Für einzelne Kunden in einer Cloud-Umgebung müssen Unternehmen oder Service-Provider nun nicht mehr länger auf eine dedizierte Infrastruktur zurückgreifen. Stattdessen arbeiten verschiedene Organisationen und Anwender als Mandanten auf der gleichen Plattform. Über eine Management-Oberfläche kann ein Service-Provider dafür jeweils individuelle Desktops anlegen.

Bei einer modernen DaaS-Plattform sind dank einer Referenzarchitektur, die sich beliebig in unterschiedliche Richtungen skalieren lässt, Erweiterungen jederzeit möglich. So lassen sich bei Bedarf zusätzliche Server in das Gesamtsystem integrieren, aber auch entfernen. Selbst wenn die einzelnen Mandanten unterschiedliche Anforderungen haben, ist es dennoch möglich, die Desktops auf einer einheitlichen Architektur abzubilden. Dabei werden auch softwareseitig so viele Komponenten wie möglich geteilt, vom Exchange Server über Sharepoint-Anbindungen bis zum File-Server. Zugriffspunkt ist jeweils der zentrale Application Delivery Controller (ADC).
Darauf aufbauend kann ein Service-Provider für einzelne Zielgruppen maßgeschneiderte Angebote entwickeln, die nicht zuletzt für typische Office-Szenarien attraktiv sind. Schließlich lassen sich gerade Desktops von Anwendern ohne hohe Softwareanforderungen in hohem Maße standardisieren. Der Service-Provider schickt dabei lediglich einen monatlichen Report über die in den vergangenen 30 Tagen verbrauchten Lizenzen an die betroffenen Softwarefirmen. Meldet sich der Benutzer im nächsten Monat nicht an, so muss das Unternehmen die Lizenz auch nicht bezahlen. Dadurch entstehen keine Vorlaufkosten für lediglich potenziell benötigte Lizenzen.
Dank einer solchen mandantenfähigen VDI-Umgebung (Virtual Desktop Infrastructure) können Unternehmen ausgesprochen flexibel auf neue Herausforderungen reagieren, zum Beispiel wenn im Callcenter für das Weihnachtsgeschäft zusätzliche Mitarbeiter erforderlich sind. In diesem Fall würde das Unternehmen kurzfristig bei seinem Service-Provider beispielweise 50 neue Desktops buchen. Diese werden für den Monat Dezember einmalig bezahlt. Dadurch fallen keine weiteren Kosten für Hardware an und auch der Management-Aufwand bleibt im Rahmen.
 
Lösungen für Entwickler
Ein wenig komplexer sind Installationen, bei denen zum Beispiel Entwickler dedizierte Maschinen benötigen. Für dieses Anwendungsszenario existiert die sogenannte Server-VDI. Dabei arbeiten nicht mehrere Benutzer auf einem einzigen Desktop, sondern es besteht eine Eins-zu-Eins-Zuordnung, bei der jeder Anwender den Zugriff auf seinen eigenen Server bekommt.
Dieses System ist mit den Microsoft-Lizenzbedingungen konform und liefert dem Nutzer den "Look and Feel" eines Windows-7- oder Windows-8-Systems. Tatsächlich jedoch läuft im Backend für jeden Anwender ein eigener Server. Wenn jeder Anwender in einem solchen Beispiel vier GByte virtuellen RAM und zwei virtuelle CPUs zugewiesen bekommt, steigen zwar die Hardwareanforderungen und damit die Kosten; das Management eines solchen Systems ist dennoch so unkompliziert wie bei der Variante ohne eigenen Server pro Anwender.
Dank Server-VDI lassen sich darüber hinaus noch weitere Szenarien umsetzen. Beispielsweise können CAD-Anwender auf physische Grafikkarten zugreifen und damit virtualisiert Anwendungen wie Catia oder NX nutzen. In sämtlichen Fällen greifen die virtuellen Maschinen beziehungsweise die Anwendungen jeweils auf eine zentrale Infrastruktur zu. Dabei werden so viele Ressourcen geteilt, wie dies die Technik hergibt.
 
Spezialisierung schafft Mehrwert
Die Anbieter von VDI-Lösungen raten Service-Providern, sich auf einen bestimmten Unternehmensbereich oder eine Branche zu spezialisieren. Im Idealfall kann sich der Service-Provider auf eine branchentypische Spezialapplikation konzentrieren und in diesem Bereich mit seinen Services und Support-Dienstleistungen ein einmaliges Angebot abliefern. Eine mandantenfähige DaaS-Lösung richtet sich vor allem an Service-Provider, die an kleine und mittlere Unternehmen verkaufen. Ein typisches Unternehmen, das von einer solchen Lösung profitiert, beschäftigt zirka 100 bis 250 Mitarbeiter. Unternehmen dieser Größe haben in der Regel nicht genügend eigene IT-Ressourcen, um sich um das komplexe Thema Management ausreichend kümmern zu können.
Einem Service-Provider fällt es auf diese Weise ausgesprochen leicht, für seine Zielgruppe ein attraktives Bündel an Leistungen zusammenzustellen. Dazu gehören in der klassischen Büroarbeiter-Variante Komponenten wie ein Standard-Office-Paket, ein Exchange-Mail-Postfach, Filesharing-Lösungen für das Synschronisieren von Daten sowie eine bestimmte Menge an Festplattenplatz.
Über Web-basierte Portale können die Mitarbeiter von Service-Providern problemlos auch große Umgebungen verwalten. Doch es ist es ebenfalls möglich, den Kunden Self-Service-Oberflächen zur Verfügung zu stellen. Dies bedeutet in der Praxis, dass jeder Mandant sich unkompliziert einen eigenen Desktop buchen kann. Alternativ können IT-Verantwortliche unkompliziert für eine Vielzahl an Mitarbeitern einen neuen Arbeitsplatz einrichten. Dazu startet der Administrator des Unternehmens über eine URL den Vorgang und kann unkompliziert selber Benutzer anlegen. Über Checkboxen definiert er dabei, welche Services der Anwender oder die Anwendergruppe bekommen soll. Anschließend genügt ein Klick, und der Vorgang startet vollkommen automatisiert. Der Nutzer selbst erhält innerhalb kürzester Zeit die Zugangsdaten per E-Mail.
In der Lösung zur Anwendungsvirtualisierung laufen mehrere Prozesse automatisch ab: In dem Moment, indem der neue Kunde im System angelegt und definiert wird, welche Services dieser erhalten soll, erfolgt ein Austausch zwischen dem Konfigurationswerkzeug und dem Orchestrierungs-Tool. Dieses installiert anschließend automatisch die virtualisierten Anwendungen oder kompletten virtuellen Maschinen, die für diesen Kunden erforderlich sind. Zugleich wird das Frontend mit einem zentralen Zugriff über eine URL konfiguriert. Dadurch ist es einfach, eine komplette mandantenfähige Umgebung automatisiert anzulegen.
Eine solche Applikationsorchestrierung kann noch einen Schritt weiter gehen und zum Beispiel eine komplette Virtual-Desktop-Umgebung automatisiert installieren lassen. Auch hier ist das Onboarding eines neuen Kunden beim Service-Provider ein typisches Szenario.
 
Referenzarchitektur und Einsatz
Bereits heute werden hundertausende Arbeitsplätze mit mandantenfähigen Systemen dieser Art bedient. Dabei verfolgen nicht alle Hersteller von Virtualisierungslösungen den gleichen Ansatz: Mancher stellt eigene Rechenzentren zur Verfügung, andere versorgen Service-Provider mit der nötigen Software, um eigene Angebote zu entwickeln. Es existieren bereits mehrere Referenzarchitekturen für unterschiedliche mandantenfähige Umgebungen (Multi-Tenant-Szenarien). Im Prinzip handelt es sich dabei um in den Solution Labs der Hersteller getestete Umgebungen, die dort in verschiedenen Varianten und Konfigurationen aufgebaut wurden und sich im Dauertest bewährt haben. In umfangreichen Dokumenten sind sämtliche Details zu diesen Installationen hinterlegt. Dank der Referenzarchitektur haben Service-Provider eine umfassende Anleitung für den Aufbau ihrer Infrastruktur und die Garantie, dass der Support reibungslos funktioniert.
 
Fazit
Multi-Tenant-Umgebungen bringen nicht nur Service-Providern neue Ertragsmodelle, sondern erleichtert IT-Verantwortlichen das Management von Ressourcen. Bereits heute bieten einzelne Anbieter attraktive Pakete für etwa 30 Euro pro Benutzer pro Monat. Dabei spielt das Modell seine Vorteile nicht nur bei Standard-Office-Programmen aus, sondern funktioniert ebenso gut auch mit speziellen Anwendungen für einzelne Branchen oder Unternehmensbereiche.

Schematischer Aufbau einer mandantenfähigen DaaS-Umgebung. Bild: Citrix
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Der Markt bietet verschiedene Möglichkeiten, Mandantenfähigkeit für VDI umzusetzen. Bild: Citrix

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