Hybrid Cloud und Multi-Cloud

Monitoring hybrider Cloud-Ökosysteme

27. August 2020, 07:00 Uhr   |  Stefan Marx/am

Monitoring hybrider Cloud-Ökosysteme
© Bild: Datadog

Komplexe Strukturen in der Cloud.

Cloud Computing ist im Alltag und in der Wirtschaft angekommen. Ob zum Teilen und gleichzeitigem Bearbeiten von Dateien, zum Abwickeln einzelner Anwendungen oder um komplette IT-Infrastrukturen am Laufen zu halten – vor der Cloud kann sich kaum ein Unternehmen mehr verschließen. Je nach Einsatzgebiet nutzen Unternehmen oft sogar verschiedene Cloud-Anbieter. Den Überblick zu behalten, kann zur Herausforderung werden.

Die Idee besteht darin, Workloads auszulagern. War beim Durchbruch des Cloud Computings noch die Rede davon, zwischen öffentlicher und privater Cloud zu unterscheiden, geht der Trend heute zur hybriden Mischform. Multi-Cloud-Infrastrukturen sind das Mittel der Wahl. Dies begünstigt auch die große Vielfalt der unterschiedlichen Infrastrukturanbieter. Ob Amazon, Microsoft, Google, IBM oder Oracle: Der Markt bietet genügend Möglichkeiten, auf die IT-Infrastrukturen und -Dienstleistungen über ein Netzwerk zuzugreifen und sie nicht mehr lokal auf den eigenen Rechnern ausführen zu müssen. Für die Unternehmen gibt es viele gute Gründe, eine hybride Cloud-Architektur zu nutzen. Die Vorteile sind weit gefächert. Die Gefahr, sich von einem Anbieter abhängig zu machen, sinkt. Ebenso kann es vorkommen, dass es firmenintern in Bezug auf Compliance- und Datenschutz feste Regeln zur Nutzung redundanter Systeme gibt. Die hybride Variante erweist sich auch als hilfreich, wenn Unternehmen bestimmte IT-Services noch auf den Unternehmens-Servern laufen lassen wollen –  beispielsweise, weil sie sich in einer Migrationsphase befinden. Ein weiterer großer Vorteil ergibt sich dadurch, dass Anwender in hybriden Cloud-Ökosystemen ganz individuell und je nach Anwendungsfall den jeweils besten Anbieter auswählen können. Dieses Best-of-Breed-Prinzip ist in der Wirtschaft weit verbreitet, da es immer den Zugriff auf das Modul ermöglicht, das am leistungsfähigsten ist oder am besten zu den etablierten Prozessen passt.

Wie so häufig lautet das Stichwort dabei Flexibilität. Unternehmen können durch den Einsatz der Cloud problemlos Kapazitäten anpassen, Dienste hinzuschalten, nicht mehr benötigte Services herunterfahren oder Tools testen. Diese gewonnene Flexibilität, die On-Premise-Systeme häufig nicht bieten können, birgt allerdings auch das Risiko, nicht mehr alle Prozesse und Anwendungen nachverfolgen zu können.

Den Überblick nicht verlieren

Die ersten Schritte in die Cloud liefen eher zögerlich. Entschloss sich ein Unternehmen vor ein paar Jahren noch, Speicherplatz, Rechenleistung oder Anwendungen über die Wolke verfügbar zu machen, setzte es in der Regel auf einen der großen Player am Markt. War dieser Schritt aber erst einmal gemacht, wirkte dies wie ein Türöffner für weitere Cloud-Anwendungen. Dadurch, dass die Compliance- und Datenschutzüberprüfung und eine Anpassung der Prozesse auf die neuen, flexibleren Bedingungen bereits erfolgten, stieg auch die Attraktivität anderer Clouds – abseits der ursprünglich gewählten Lösung. Aufgrund der oben aufgezeigten Vorteile ist es für ein Unternehmen nur logisch, für sich zu überprüfen, ob hybride Cloud-Infrastrukturen der richtige Weg sind, um für die Zukunft optimal aufgestellt zu sein, oder ob es für sie eine sinnvollere Alternative gibt.

Dadurch, dass sich immer mehr Player auf den Markt drängen und auch die Expertise für private Clouds wächst, finden sich in Unternehmen inzwischen häufiger ganz individuelle und heterogene Cloud-Ökosysteme. Dies hat natürlich auch Einfluss auf die Komplexität. Es gilt, das gesamte System zu verwalten. Auch wenn natürlich jede einzelne Cloud einen eigenen Service und eigene Tools zur Verwaltung anbietet, empfiehlt sich der Einsatz übergreifender Systeme wie Cloud-Monitoring-Plattformen, Cloud-Management-Plattformen oder Cloud-Service-Brokern. Diese reduzieren die Komplexität im Optimalfall so sehr, dass am Ende die Verwaltung von Komponenten mehrerer Cloud-Anbieter wie eine einzige Cloud ablaufen kann. Ohne diese Übersicht und die vereinfachte Verwaltungsmöglichkeit würden die angesprochenen Vorteile hybrider Cloud-Umgebungen einer enormen Komplexität gegenüberstehen und somit vielen Unternehmen die Arbeit mit der Cloud erschweren.

Tiefergehende Komplexität

Doch auch wenn spezielle Plattformen den Unternehmen dabei helfen, den Überblick in den Clouds nicht zu verlieren, gibt es in den darunterliegenden Ebenen komplexe, ebenfalls zu überwachende Strukturen. Denn IT-Services, Applikationen und Entwickler-Tools erstrecken sich oft über mehrere Cloud-Umgebungen. Hinzu kommen spezielle Cloud-Dienste für Backups, Internet-of-Things- und KI-Umgebungen, Container, Endgeräte, Serverless-Techniken und mehr. Diese laufen dann möglicherweise noch parallel in unterschiedlichen Regionen und Zeitzonen.
Um auch nur ein annährend vollständiges Bild liefern zu können, müssen moderne Cloud-Monitoring-Lösungen heute bereits über 300 unterschiedliche Integrationen abdecken können. Die Kombinationsmöglichkeiten gehen in die Millionen – Tendenz steigend.

Doch es reicht nicht, einfach nur einen Überblick zu erhalten. Das Gesamtbild muss für die im Unternehmen dafür zuständigen Personen Sinn ergeben. Wenn also alles in einem System zusammenläuft, müssen die einzelnen Messwerte im richtigen Kontext zueinander dargestellt sein, damit die Verantwortlichen überhaupt Rückschlüsse ziehen können. Der Systemforscher Frederic Vester betonte einst, dass „in einem komplexen System die Beziehungen der Elemente zueinander wichtiger sind als die Elemente selbst“. Auch wenn dieses Zitat aus einer Zeit vor modernem Cloud-Computing stammt, lässt es sich eins zu eins auf die Problemstellung der immer dynamischer und heterogener werdenden Umgebungen übertragen. Denn das Zusammenspiel der einzelnen Elemente und Infrastrukturen im Cloud-Gefüge ist ebenso wichtig wie jede Anwendung, jedes Logfile, jeder Container oder jede Cloud für sich.

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