Satelliten-Internet, Teil 2

Störrische Kameras, falsche Alarme


Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Das Wundermittel „Neustart“

Die Kamera lässt sich dann via Browser aufrufen, nutzen und konfigurieren. Zusätzlich stellt der Hersteller ein Management-Tool für Windows bereit, das mehrere Kameras verwalten kann. So weit, so gut – in der Praxis holpert es dann aber doch ein wenig. Nicht etwa wegen der Satelliten-Verbindung: Management, Dreh- und Schwenkbewegungen und reines „Zugucken“ wirken nur manchmal leicht gummiartig verzögert, aber wirklich störend ist das nicht. Die Ärgernisse sind vom Ursprung her satellitenunabhängig, wirken sich bei einer echten „Fernbeziehung“ zum Einsatzort aber stärker aus als an einem Ort, bei dem der Admin auch mal im Turnschuh-Modus nach dem Rechten sehen kann.

Als erstes fällt auf, dass die NC 450 immer mal wieder, typischerweise nach etwa 24 bis 48 Stunden, den Kontakt zum WLAN verliert und dann für das Fern-Management komplett unzugänglich wird. Startet man sie vor Ort neu, verbindet sie sich wieder mit dem Netz. Die Signalstärke an ihrem Montageort liegt ihrer eigenen Messung zufolge bei 89 Prozent, Kontrollmessungen mit anderen Geräten am gleichen Platz ergeben ein ähnlich positives Bild. Dabei macht sich der Outdoor-AP-bezahlt, den wir auf dem Test-Haus-Dach installiert haben. Aber ein gutes Netz allein löst diese Probleme nicht.

Einziger Workaround bisher: Ein regelmäßiger Neustart in der Nacht, bei uns veranlasst durch – oh Graus – eine simple mechanische Schaltuhr. Die Raspberry-Kamera (siehe Kasten) braucht den verordneten Neubeginn übrigens auch von Zeit zu Zeit. Dort kann der Minicomputer jedoch mit einem Cronjob geplante Reboots durchführen. Glaubt man Erfahrungsberichten aus Internet-Foren, tut ein gelegentlicher Reset wohl fast allen WLAN-IP-Kameras gut – ein Verhalten, das man gerade bei der Fernüberwachung ohne Personal vor Ort kennen und berücksichtigen sollte.

Die nächste Herausforderung sind die Bewegungserkennung und Fern-Alarmierung per E-Mail. Diese Funktionen sind für das Test-Szenario „Pflicht“, weil wir von einer nicht immer gleich schnellen Internet-Verbindung ausgehen müssen. Wir setzen voraus, dass E-Mails auch dann noch durchkommen, wenn ein Streaming via Satellit zum Beispiel wegen allzu dichter Wolkendecken und Unwetter einmal schwierig wird.
Was die Bewegungserkennung betrifft, so merkt man allen unseren Kameras an, worauf sie in dieser Hinsicht optimiert sind: das nächtliche Monitoring leerer Räume, in denen fast jede Bewegung eine Anomalie darstellt. Bei der NC 450 kann man zwar relativ detailliert per Maus-Pointing erfassen, welche Zonen des Bildes in die Bewegungserkennung integriert und welche ausgeklammert werden sollen (Bild 1), aber wenn es um Outdoor-Überwachung geht, machen sich fallende Blätter, im Wind wackelnde Zweige und andere Phänomene doch immer wieder als Auslöser von „False Positives“ bemerkbar.

 

Bild 2. Eine flatterende Abdeckplane verursacht Daueralarme.
Bild 2. Eine flatterende Abdeckplane verursacht Daueralarme.
© LANline

Bild 2 zeigt sehr schön, wie schnell eine scheinbar „stabile“ Zone im Bild zum lebhaften Bewegungszentrum wird. Ein Containerdienst hat in der Bewegungs-Überwachungszone einen Bauschutt-Behälter aufgestellt, was von der Kamera auch gut gemeldet wurde. Der Fahrer hat den Behälter jedoch auch fachgerecht mit einer Plane gegen Regen gesichert, die nun fröhlich in die Überwachungszone hinein flattert. Und schon läuft das Admin-E-Mail-Konto mit Unmengen an Serienbildern von erkannten Bewegungen voll.

Ohne regelmäßiges Nachjustieren wird man mit dieser Bewegungserkennung also nicht glücklich. „Motion“ auf dem Rasp­berry funktioniert übrigens anders. Dort ist zur Einstellung der Empfindlichkeit der Bewegungserkennung festgelegt, wie viele Pixel im Bild sich gleichzeitig ändern müssen, damit ein Alarm ausgelöst wird. In einer Hinsicht beeindruckt die Bewegungserkennung durchaus: Ihre Fotofunktion im Bewegungsfall reagiert blitzschnell. Dies lässt sich daran erkennen, dass sich im Alarm-Postfach inzwischen eine bemerkenswerte Sammlung an Bildern von Blaumeisen und Hausrotschwänzen im Flug angesammelt hat. Zur Videoverwaltung allerdings werden wir in der nächsten Folge einen anderen Weg vorschlagen und auf dem lokalen Server eine „Alarmzentrale“auf Open-Source-Basis einrichten.

Datenschutz
Kameraüberwachung unterliegt Datenschutzvorschriften. Außerdem sollte man sich als „maskierter Mensch“ hinter dem kalten Auge gegenüber den Menschen davor fair verhalten. Die LANline kann zwar keine rechtsverbindlichen Auskünfte erteilen, aber immerhin auf Parameter hinweisen, die im hier geschilderten Projekt eine Rolle spielen. Es dürfen nur Ihre Räume und Ihr eigenes Grundstück oder das Ihrer Organisation im Bild sein, und das Areal muss als Privatgrund erkennbar sein (zum Beispiel durch Umfriedung). Blicke auf Nachbargebiete oder öffentlichen Raum sind tabu. Wann immer Sie eine Kamera dort aufbauen, wo Unbeteiligte Zutritt haben, sollten Sie einen Spezialisten hinzuziehen und Ihr Projekt prüfen lassen. Außerdem müssen Sie auf die Überwachung hinweisen. Betrachten Sie also immer sehr kritisch, was Sie auf dem Bildschirm sehen.

 


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  2. Das Wundermittel „Neustart“
  3. Improvisierte Kameras

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