VMworld: Neuerungen beim End-User Computing

VMware liebt Microsoft – oder zumindest Windows 10

03. September 2015, 06:44 Uhr   |  LANline/Dr. Wilhelm Greiner

VMware liebt Microsoft – oder zumindest Windows 10

Am zweiten Tag seiner Hausmesse VMworld in San Francisco stellte VMware EUC-Neuerungen (End-User Computing) vor, darunter neben Horizon 6.2 den Technical Preview von Projekt A2 für das Management von Windows-10-Clients. Dafür bat VMware sogar den Konkurrenten Microsoft auf die Keynote-Bühne.

Microsoft und VMware sind seit langen Jahren in vielerlei Hinsicht erbitterte Konkurrenten, auch das Wort „Erzfeinde“ konnte man bisweilen vernehmen. Dennoch betonte Sanjay Poonen, Executive Vice President und General Manager End-User Computing bei VMware, in seiner Keynote des zweiten VMworld-Tags, VMware „liebe“ Microsoft – und zwar dafür, dass der Konzern aus Redmond mit Windows 10 sein neues Betriebssystem über APIs für das Management mittels EMM-Lösungen (Enterprise-Mobility-Management) wie VMwares Airwatch-Software geöffnet hat.

Poonen holte sogar Jim Alkove, den Corporate Vice President Windows Enterprise and Security bei Microsoft, für ein paar erläuternde Sätze auf die VMworld-Bühne, eine Geste, die Poonen scherzhaft mit dem Fall der Berliner Mauer verglich – mit Alkove als Reagan und ihm selbst als „kleiner, indischer“ Variante von Gorbatschow.

Gar so weltbewegend ist diese Situation freilich nicht: Microsoft hat sein Betriebssystem traditionell für eine Verwaltung durch Drittanbieter wie Altiris, Landesk oder Matrix42 geöffnet; auch die EMM-Schnittstellen in Windows 10 sind keiner exklusiven Partnerschaft zwischen der OS- und der Virtualisierungsgröße geschuldet, sondern stehen generell allen EMM-Anbietern offen – darunter, nicht zu vergessen, Microsoft selbst, propagiert man doch in Redmond mit System Center und dem EMM-Angebot Intune hauseigene Client-Management-Lösungen.

Einen Vorteil im Wettbewerb der EMM-Anbieter um das Management von Windows-10-Clients verspricht sich VMware von seinem Projekt A2 (falls inkorrekt angezeigt: „A hoch 2“, im Englischen „A square“ ausgesprochen), das auf der VMworld als Technical Preview gezeigt wurde. A2 soll es erlauben, die Einführung von Windows 10 erheblich zu beschleunigen, und zwar durch Nutzung der EMM-Funktionalität von Airwatch in Verbindung mit der neuen Lösung App Volumes für die Echtzeitprovisionierung von Anwendungen.

App Volumes erlaube es, bestehende Windows-Applikationen nahtlos in die neue mobile Cloud-Plattform von Windows 10 zu verschieben und somit EMM über alle Windows-Anwendungen hinweg zu nutzen – also für die neuen Universal Apps ebenso wie für klassische Windows-Anwendungen. Dies sorge für ein durchgängiges Management von Windows-10-Desktops über unternehmenseigene Mobilgeräte bis zu den BYOD-Geräten der Mitarbeiter.

„Ganz recht“, twitterte Chris Wolf, Vice President und CTO Americas bei VMware, während der Keynote, „App Volumes integriert sich in SCCM und unterstützt App-Layers auf physischen Desktops.“ Die Verwaltung mobiler und stationärer Endgeräte schreitet damit bei VMware flott voran, ganz so, wie es sich Microsoft für Windows 10 vorstellt.

„Man kann App Volumes auch als zentralen Anwendungs-Hub für das Management aller Apps nutzen, die in physischen und virtuellen Umgebungen bereitgestellt werden (VMware Horizon oder Citrix-Umgebungen), und dies in Echtzeit“, erläuterte Sumit Dhawan, Chef von VMwares Desktop-Produktlinie, auf dem VMware-Blog. Man müsse Anwendungen also künftig nur noch einmal paketieren.

Unter dem Namen „Project Enzo“ nach wie vor in Arbeit ist bei VMware eine Hybrid-Cloud-Architektur für die Bereitstellung virtueller Desktops und Applikationen unter Nutzung der Skalierungsmöglichkeiten der Cloud. Eine derartige Lösung hat Konkurrent Citrix, mit dem sich VMware inzwischen ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefert, in der Form von Workspace Cloud jüngst vorgestellt.

Neu ist VMwares Identity Manager in der „Advanced Edition“. Identity Manager ist ein IDaaS-Angebot (Identity as a Service), das in Airwatch integriert ist, nun aber in der Form der Advanced Edition auch als eigenständige IDaaS-Lösung zur Verfügung steht – ein nützlicher Schritt, ist doch Identity-Management ein wichtiger Baustein jeder Access-Infrastruktur, umso mehr im Mobile-Zeitalter. Die Integration von Airwatch und VMwares Netzwerkvirtualisierung NSX soll dabei durch Mikrosegmentierung für granulare applikationsbezogene VPNs sorgen.

Ebenfalls neu vorgestellt wurde die Version 6.2 von VMwares Virtual-Desktop- und Virtual-Application-Lösung Horizon sowie Horizon 6.2 für Linux. Zu den Neuerungen zählen laut VMware-Angaben eine erweiterte Skalierbarkeit des Applikationsbetriebs für den Multi-Site-Einsatz, Unterstützung von Skype for Business und der aktuellen Nvidia Grid Virtual GPU (VGPU, virtueller Grafikprozessor) sowie Optimierungen des Virtual SAN Storage inklusive der Flash-Optionen. Für mehr Sicherheit soll Support für die biometrische Authentifizierung per Fingerabdruck sorgen.

Mit Horizon 6.2 für Linux zielt VMware auf Organsationen, die besonders hohe Anforderungen an die Sicherheit stellen oder Highend-Arbeitsplätze benötigen. Die Linux-Variante unterstützt dazu ebenfalls Nvidia-Grid-VGPUs und Virtual Shared Graphics Acceleration (VSGA) ebenso wie eine virtuell dedizierte Grafikbeschleunigung (Virtual Dedicated Graphics Acceleration, VDGA).

VMware Identity Manager Advanced Edition, Horizon 6.2 und Horizon 6.2 für Linux sollen noch in diesem Quartal auf den Markt kommen.

Weitere Meldungen zu VMware-Neuerungen – insbesondere auf Server-, Storage- und Software-Defined-Datacenter-Seite – bringt die LANline nach der VMware-Pressekonferenz zum Thema Mitte September. Zudem wird der LANline-Chefkorrespondent Stefan Mutschler Mitte Oktober von der VMworld Europe in Barcelona berichten.

Weitere Informationen finden sich unter www.vmware.com/de.

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