Dem Fachkräftemangel trotzen

Vom Quereinsteiger zum Programmierer

17. Juni 2022, 7:00 Uhr | Cathrin Assenmacher/jos
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© Wolfgang Traub

Derzeit kursieren Warnungen, russische Programmierer zu beschäftigen. Viele Unternehmen sind daher um ihre Sicherheit besorgt. Dies vergrößert die ohenhin vorhandene Lücke im Fachpersonal weiter. In der Branche, in der es ohnehin an gut ausgebildetem Personal mangelt, stellt sich nun also die Frage, wie die Firmen dennoch an Programmierer gelangen können.

Die Zeit scheint daher gekommen, um verstärkt auf Quereinsteiger zurückzugreifen. Fachleute sehen ein erhebliches Potenzial in den Unternehmen selbst, um den Bedarf aus der eigenen Belegschaft zu rekrutieren. Dass sich in der IT-Branche gegenwärtig ein Mangel an Fachkräften einstellt, ist auf unterschiedliche Gründe zurückzuführen. Bisweilen sind viele der dort verfügbaren Berufe mit einem eher hinderlichen Image behaftet: Für den Job des Programmierers sind gute Schulnoten und überdurchschnittlich hohe mathematische Fähigkeiten erforderlich. Doch dies sei falsch ­gedacht, so Fachleute. Denn Programmierer könne praktisch jeder mit einem guten logischen Denkvermögen werden. Andererseits versäumen auch viele Schulen die Chance, die Schüler mehr an die Arbeit mit dem Computer heranzuführen – und damit ihr Interesse für diese Branche zu wecken.

Es geht auch ohne Studium

Die Grundkenntnisse für den Beruf des Programmierers lassen sich innerhalb ­weniger Monate erlernen. Sicher ist es damit noch nicht möglich, ambitionierte Jobs in der Branche zu übernehmen. Der Einstieg in das Betätigungsfeld ist jedoch auf dieser Basis jederzeit möglich. Dies gilt unabhängig davon, aus welchen Berufen die Quereinsteiger ursprünglich kommen und welche Erfahrungen sie mit Computern bislang vorweisen können. Was wirklich zähle, ist ein echtes Interesse an der IT-Arbeit, so die Fachleute. Die Gesellschaft biete – nicht zuletzt auch dank gut ausgebildeter Migranten – somit in jedem Falle genügend Potenzial, um den Fachkräftemangel schnell zu beheben.

Quereinsteigern fällt es oftmals schwer, sich für einen neuen Job zu entscheiden, den sie für die kommenden Jahrzehnte ausüben möchten. In diesem Fall fällt es den Firmen zu, ihnen über Workshops ein erstes Kennenlernen mit der Branche ­anzubieten. Idealerweise existiert bereits eine eigene IT-Abteilung. Andernfalls können die Unternehmen dazu externe Expertinnen und Experten hinzuziehen, um den Kandidaten einen ersten Kontakt mit der Vielfalt der Arbeit des Programmierers zu ermöglichen – und dabei feststellen, ­welche Qualifikationen dafür vorliegen und ob den Bewerbern diese Tätigkeit überhaupt Spaß bereitet. Falsch wäre es ­jedoch, sich dabei nur auf einzelne Programmiersprachen festzulegen.

Den Bedarf definieren

Daneben ist es wichtig, dass die Firma ­ihren Bedarf an Fachkräften im IT-Bereich ermittelt. Genügt es, diesen mit wenigen Angestellten zu decken, oder ist der Aufbau einer ganzen Abteilung erforderlich? Zudem muss die Bereitschaft bestehen, die Programmierer nicht nur unter den aktuellen Kollegen zu rekrutieren, sondern ihnen auch ein modernes Arbeitsumfeld zu bieten. Dies ist die Grundlage, um in allen Abteilungen genügend Personen zu finden, die sich mit einem Wechsel in die IT auseinandersetzen. Unter diesen Voraussetzungen muss es nicht schwer sein, dem Fachkräftemangel zu trotzen – und die Computerspezialisten aus der eigenen Belegschaft zu gewinnen.

Manuel Thaler und Junus Ergin haben mit der Developer Akademie ein Schulungsprogramm entwickelt, mit dem jeder, ­unabhängig von seinem Background, in kurzer Zeit den Quereinstieg in eine Laufbahn als Programmierer und Softwareentwickler schaffen kann. An der Akademie bilden die Experten Menschen aus allen Branchen aus – teilweise ohne vorherige Berührungspunkte mit der IT. Gemeinsam haben alle nur, dass sie eine neue Chance auf dem Arbeitsmarkt wollen, sich einen Job mit Zukunft wünschen und ihr Potenzial voll entfalten möchten. Die Quereinsteiger sind nach Auskunft der Akademie bereits nach sechs bis neun Monaten Weiterbildung bei den IT-Profis bereit für den Arbeitsmarkt.

Cathrin Assenmacher ist als freie Journalistin tätig.


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