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Dell Technologies World

Wegbereiter für das Datenzeitalter

23. Oktober 2020, 07:00 Uhr   |  Wilhelm Greiner

Wegbereiter für das Datenzeitalter
© Dell Technologies

In seiner Keynote zur ersten Dell Technologies World, die ausschließlich online stattfand, begrüßte CEO Michael Dell die Teilnehmer per Live-Stream aus dem Firmensitz bei Austin, Texas, der einsamen intellektuellen und kulturellen Oase in der texanischen Pampa. Er skizzierte eine Zukunft, in der IT die zentrale Rolle spielt, um eine bessere Welt zu gestalten.

„Die Weltwirtschaft hat eine Kehrtwende gemacht“, sagte Michael Dell, meinte aber zugleich, man könne die aktuelle Pandemielage auch als inspirierende Geschichte der Resilienz unserer Wirtschaft verstehen. Im Einklang mit sämtlichen anderen IT-Vordenkern betonte er: „Die digitale Transformation wird sich von nun an nur noch beschleunigen.“

„Die digitale Transformation wird sich von nun an nur noch beschleunigen“, so Dell-CEO Michael Dell.
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„Die digitale Transformation wird sich von nun an nur noch beschleunigen“, so Dell-CEO Michael Dell.

Da die IT-Branche hierbei extrem große Hoffnungen auf das Protenzial von 5G-Mobilfunk setzt, durfte nach Dells einführenden Worten gleich mal Verizon-Chefin Tami Erwin per Live-Schalte die Werbetrommel für das Mobilfunknetz des US-Carriers rühren: 5G werde „Applikationen und Lösungen ermöglichen, an die wir zuvor nicht einmal gedacht hätten“, so Erwin mit Blick auf autonome Autos, Mobile Gaming, Telemedizin und die nächste Generation der Robotik.

Der Innovationsschwung bei Dell Technologies, so Michael Dell weiter, sei „off the charts“, also extrem hoch. Als Beispiel nannte er die neue Cloud Console, die ein konsistentes Cloud-Betriebsmodell für die hybride Multi-Cloud unterstützen soll. Im Projekt Apex arbeite man zudem daran, sämtliche Lösungen aus eigenem Hause als Service anzubieten. Hier folgt Dell dem Beispiel des Wettbewerbers HPE, der diesen Weg mit seinem Greenlake-Lizenzmodell ebenfalls bereits eingeschlagen hat (LANline berichtete).

Die Pandemie, so Michael Dell, habe ein „Vergrößerungsglas“ auf die aktuelle Situation und deren Mängel gerichtet. Seine Hoffnung sei, dass die digitale Transformation mit einer „menschlichen Transformation“ einhergehen wird. Er beschrieb eine Zukunftsvision, in der IT allen Menschen gleichen Zugang zu Gesundheit, Bildung und Teilhabe verschafft – ein Gegenentwurf zum rückwärtsgewandten, rassistisch geprägten Politikmodell der aktuellen US-Regierung. Als Chef eines global operierenden Unternehmens, das noch dazu auf talentierten Nachwuchs aus aller Herren und Damen Länder angewiesen ist, kann sich Michael Dell offenbar für ein infantil-egoistisches „America First!“ wenig begeistern. Mit Blick auf die Pandemie resümierte er: „Wir haben einen Sprung nach vorn in eine digitalere Zukunft gemacht, und es führt kein Weg zurück!“ Am Horizont sieht er eine „neue Ära des menschlichen Fortschritts“.

Soweit das mit breiten Pinselstrichen gemalte Plakat einer schöneren Zukunft. Wie sich dies in Dells Produktstrategie niederschlägt, umriss nachfolgend COO Jeff Clarke. „Der Netzwerkrand wird den Schwerpunkt der digitalen Transformation werden“, so Clarke unter Berufung auf IDC-Schätzungen, dass künftig drei Viertel der Daten außerhalb klassischer Rechenzentren und auch außerhalb der Cloud verarbeitet werden – eben am Netzwerkrand (Edge), also unmittelbar dort, wo die Daten anfallen. Vor diesem Hintergrund nannte er sechs Kernbereiche für Dells Innovationsbestrebungen: der einheitliche Cloud-Betrieb über Public und Private Cloud wie auch den Edge hinweg, eine moderne Edge-Computing-optimierte IT-Architektur, 5G, KI/ML (künstliche Intelligenz/maschinelles Lernen), Daten-Management sowie Security.

„Der Netzwerkrand wird den Schwerpunkt der digitalen Transformation werden“, so COO Jeff Clarke.
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„Der Netzwerkrand wird den Schwerpunkt der digitalen Transformation werden“, so COO Jeff Clarke.

Zum Thema Cloud durfte Keynote-Stammgast Pat Gelsinger, CEO der Dell-Technologies-Tochter VMware, kurz von Fortschritten bei der „VMware Cloud on Dell EMC“-Lösung berichten. Zudem pries er das hauseigene Projekt Monterey als nächste Generation der RZ-Architektur, mit der VMware in Zusammenarbeit mit Nvidia (und natürlich mit Dell, eh klar) die hochperformante, sichere IT-Plattform für die 5G/KI/ML/etc.-Zukunft schaffen will (LANline berichtete).

Angesichts von IDC-Schätzungen, dass 75 Prozent der IT im Jahr 2024 „as a Service“ ausgeliefert werden, betonte Clarke, dass Dell Technologies bereits 2.000 Kunden für dieses Vertriebsmodell habe. Denn Projekt Apex biete einen einfachen, konsistenten IT-Betrieb mit der freien Wahl, wie man IT-Infrastruktur beziehen möchte, also per Kauf oder per Abo. In der ersten Jahreshälfte 2021 will der Konzern Storage as a Service auf den Markt bringen.

Wie die schöne neue digital transformierte Welt einst aussehen könnte, beschrieb dann John Roese, seines Zeichens Global CTO bei Dell Technologies, anhand von drei Zukunftsszenarien. Roese war dabei – anders als Michael Dell und Jeff Clarke – nicht vor dem leeren Dell-Campus zu sehen, sondern eingeblendet in computergenerierte Hintergründe. Ist ja schließlich heute mit dieser modernen Technik alles machbar.

Skizzierte Szenarien der digitalen Transformation: CTO John Roese.
© Dell Technologies

Skizzierte Szenarien der digitalen Transformation: CTO John Roese.

Das Klassenzimmer der Zukunft wird sich laut John Roese nicht auf den banalen Einsatz von Videokonferenz-Tools beschränken (mit dem das deutsche Schulsystem noch ringt): Er skizzierte den künftigen Unterricht als Mixed-Reality-Welt, bei der einige Schüler im Klassenzimmer sitzen, andere per VR-Brille teilnehmen (angebunden mittels 5G, falls wir das noch nicht erwähnt hatten) und das Hands-on-Experiment im Physikunterricht per ferngesteuertem Roboter durchführen. Ziel ist laut Roese ein Bildungswesen, die maßgeschneidert an den Bedürfnissen jedes einzelnen Schülers ausgerichtet ist – inklusive Echtzeit-Übersetzung, damit Lernende rund um den Globus am Unterricht teilnehmen können.

Ähnlich grenzenlos stellt sich der Dell-CTO im Medizinbereich die freie Arztwahl vor (in der Dell-Zukunft sind offenbar alle privat krankenversichert). Auch das KI-gestützte Arztgespräch werde dank Echtzeit-Übersetzung und virtueller Meeting-Räume über Ländergrenzen hinweg möglich sein. Der Patient könne dem Arzt virtuell seinen „digitalen Zwilling“ bereitstellen, sodass dieser dann ebenfalls KI-gestützt individualisierte Heilmittel empfehlen kann – mit per Echtzeit-Telemetrie überwachter Wirksamkeit.

Im Bereich Transport und Logistik schließlich werde man die Grenzen überwinden, die uns die physische Welt in Pandemiezeiten aufgezeigt hat, so Roese: Man müsse „überdenken, was in unserer Welt fix und was mobil ist“ – die Smart-Mobility-Revolution werde die erforderlichen „Erfahrungen“ (in der Sprache der IT-Anbieter ist alles eine „experience“) zu uns bringen. Dabei denkt er nicht nur an Paket- und Essenslieferdienste, sondern auch an ein mobilisierte Medizininfrastruktur, siehe oben. Für diese Szenarien sei Dells Portfolio der Wegbereiter, zum Beispiel in Form der neuen Tanzu-Angebote, mit denen Daten über ein gemeinsames softwaredefiniertes Netzwerk in einer konsistenten Multi-Cloud nutzbar seien.

Abgesehen von der Ankündigung der Cloud Console und von Storage as a Service für 2021 hielt sich Dell mit Produktankündigungen in den Keynotes sehr zurück. Begleitend zur Online-Hausmesse gab es aber eine ganze Reihe von Meldungen zu Neuheiten. So vereine das neue Speichersystem Dell EMC PowerStore Speichermedien der nächsten Generation mit Multi-Cloud-Vernetzung und einem softwarezentrierten Ansatz. Dell EMC PowerScale soll einen neuen Standard für die Speicherung unstrukturierter Daten setzen, während Dell EMC PowerFlex mit seinem softwaredefinierten Storage auf maximale Performance und Resilienz für geschäftskritische Workloads ausgelegt sei.

Die Cloud Console soll ein konsistentes Cloud-Betriebsmodell für die hybride Multi-Cloud bieten.
© Dell Technologies

Die Cloud Console soll ein konsistentes Cloud-Betriebsmodell für die hybride Multi-Cloud bieten.

Erweiterungen der Dell Technologies Cloud sollen es Unternehmen ermöglichen, ihre Public und Private Clouds ebenso wie ihre Edge-Cloud-Umgebungen nahtlos, konsistent und ganzheitlich zu verwalten. Das Cloud-Portfolio habe man nun mit Cloud PowerScale for Google Cloud ausgebaut. Diese Lösung führe Network-Attached Storage von PowerScale mit Analyse- und Computing-Services der Google Cloud für anspruchsvolle Einsatzfälle zusammen.

Die HCI-Appliances (hyperkonvergente Infrastruktur) der VxRail-D-Serie schließlich habe man speziell für anspruchsvolle Remote-Umgebungen entwickelt. Die Geräte sind laut Hersteller äußerst kompakt und kommen mit extremen Umweltbedingungen zurecht: Sie sollen Stößen bis 40 G standhalten und seien für den Betrieb in bis zu 3.050 Metern Höhe konzipiert.

Dell Technologies zeigt sich also auf breiter Front gut gerüstet für den Aufstieg in neue Höhen des „datenzentrierte Zeitalters“. Wie schnell dieses weiter über uns hereinbricht, können wir dann anlässlich der nächsten Dell Technologies World Revue passieren lassen. Sollte die Zukunft nicht gar so ideal ausfallen, wie von Michael Dell und seinen Mitstreitern inszeniert, könnte es sein, dass auch die kommende Dell-Hausmesse wieder rein online stattfinden muss. Dann wollen wir aber bitte alle Keynote-Sprecher in eine vollanimierte Virtual-Reality-Kulisse eingebettet sehen. Es kann schließlich nicht angehen, dass die Business-IT der Gamer-Welt weiterhin so stark hinterherhinkt! Allerdings hat letztere natürlich einen großen Vorsprung: Begeisterte Gamer betreiben schon seit Jahrzehnten konsequent Social Distancing. Aber der Rest der Welt holt nun auf – unter Mithilfe globaler Vernetzung, allgegenwärtiger Daten und eines kleinen, bösen Virus.

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