Aufholjagd bei digitalen Geschäftsmodellen

Zukunftsfähig vernetzt

19. Januar 2023, 7:00 Uhr | Dr. Thomas King/wg
Vernetzung
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Um im Wettbewerb zu bestehen, müssen sich Unternehmen, die auf digitale Geschäftsmodelle setzen oder auf solche umstellen, intelligent mit dem Ökosystem ihrer Partner vernetzen. Mittels sogenannter Closed User Groups lassen sich Vernetzungskonzepte auf den neuesten Stand bringen.

Daten sind das Rohmaterial für innovative Dienstleistungen und Produkte. Entlang der digitalen Wertschöpfungsketten generiert, stammen sie aus einer Vielzahl von Quellen – darunter auch externe Partner, Lieferanten, Plattformen und Wiederverkäufer. Zudem verarbeiten und analysieren oft Drittanbieter die Daten und stellen die gewonnenen Erkenntnisse in Cloud-basierten Systemen und Anwendungen zur Verfügung. Die Banken- und Finanzdienstleistungsbranche zum Beispiel wickelt ihre Geschäfte inzwischen fast ausschließlich virtuell ab – selbst Privatkunden besuchen immer seltener eine Bankfiliale.

Um auf solch dynamischen Märkten Schritt halten und erfolgreich neue Dienste entwickeln zu können, müssen sich Unternehmen von den traditionellen Ansätzen einer isolierten Datenhaltung verabschieden. Es gilt, die Netzwerkkonnektivität zu Partnern neu zu bewerten und gezielt auszubauen. Für den sicheren Austausch sensibler und kritischer Daten zwischen bestimmten authentifizierten Partnern bedarf es spezialisierter und exklusiver Interconnection-Ökosysteme.

MPLS als Fortschrittsbremse

Viele Unternehmen setzen auf MPLS-Netzwerke (Multi-Protocol Label Switching), um die Zentrale mit Zweigstellen oder externen Partnern zu vernetzen. Durch Kennzeichnung der Datenpakete erlaubt MPLS, kritische Daten für den Transport zu priorisieren. Der Nachteil: Die Implementierung einer neuen Leitung, etwa zu einem zusätzlichen Partner, kann bis zu sechs Monate dauern – keine Option bei der agilen Entwicklung digitaler Geschäftsfelder.

Hinzu kommt, dass der MPLS-Betrieb sehr teuer ist, sodass Unternehmen aus Kostengründen tendenziell auf zu geringe Netzwerkbandbreiten setzen. Das macht spontanes Skalieren so gut wie unmöglich, was sich in zu trägen Datenübertragungsraten, also hohen Latenzen und schlussendlich einer schlechten Benutzererfahrung niederschlägt.

Closed User Groups

Eine wirtschaftliche und flexible Form der Partneranbindung bietet dagegen eine sogenannte Closed User Group (CUG), eingerichtet an einem Internet Exchange (IX). Dabei handelt es sich um ein privates Interconnection-Ökosystem für den sicheren und reibungslosen Datenaustausch zwischen einer ausgewählten Gruppe von Partnern. Jedes CUG-Mitglied erhält eine dedizierte Verbindung zu diesem exklusiven „Mini-Internet“, das Sicherheit und Datenschutz wie bei MPLS gewährleistet – bei hoher Skalierbarkeit und deutlich weniger Kosten.

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CUGs bilden ein privates Interconnection-Ökosystem für den sicheren und reibungslosen Datenaustausch zwischen ausgewählten Partnern.
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CUGs lassen sich schnell und einfach für den konkreten Anwendungsfall global oder lokal einrichten und skalieren. Zudem kann man den Datenverkehr in CUGs nachvollziehen. Sensible Finanzdaten etwa dürfen die Gerichtsbarkeit der EU gemäß Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) nicht verlassen. Selbst wenn solche Vorgaben mit den verschiedenen Partnern vertraglich geregelt sind, ist der Datenverkehr mit MPLS aber nicht immer im gleichen Maße kontrollierbar – der Verkehr über das öffentliche Internet noch weniger. Mit Unterstützung eines Interconnection-Service-Providers und einer CUG hingegen kann ein Unternehmen die Compliance aller Teilnehmer sicherstellen und verbindlich überprüfen.


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  2. Implementierung einer CUG

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