Citrix-Studienprojekt „Work 2035“

Zukunftsmotor KI

12. Oktober 2020, 12:00 Uhr   |  Wilhelm Greiner

Zukunftsmotor KI
© Wolfgang Traub

Digital-Workspace-Spezialist Citrix hat in Zusammenarbeit mit Forschern und Beratungsunternehmen Szenarien für die Zukunft der Arbeit im Jahr 2035 entwickelt und dazu in zwei Umfragen mit insgesamt 1.800 Beteiligten die Meinung von Führungskräften und Angestellten eingeholt. Ein Ergebnis: Die Auguren des Projekts „Work 2035“ wie auch die Befragten erwarten, dass KI künftig eine deutlich größere Rolle spielen wird und sich dadurch die Produktivität steigern lässt. Auch sollen ganz neue Berufsbilder rund um KI entstehen.

Für „Work 2035“ hat Citrix mit allerlei externer Unterstützung die ganz große Glaskugel ausgepackt. Schließlich wagt man hier, was sonst den Futurologen vorbehalten bleibt: den Versuch, 15 Jahre in die Zukunft zu blicken. So etwas kann leicht schiefgehen – wer hätte schließlich vor 15 Jahren gedacht, dass die Menschheit heute nur einen halben Schritt davon entfernt sein würde, ihr eigenes Habitat vollständig zu zerstör... OK, schlechtes Beispiel. Das Internet aber gibt es jedenfalls nach wie vor, einstigen Unkenrufen aus Zukunftsforscherkreisen zum Trotz – und das ist gut so, wären wir doch sonst wohl in Lockdown-Zeiten zu Höhlenmenschen degeneriert, die statt per Zoom und WhatsApp nur per Festnetztelefon, Fax und Rauchzeichen mit der Außenwelt kommunizieren.

Um seine Glaskugel auf eine möglichst solide Unterlage zu betten, entwickelte Citrix laut eigenem Bekunden zusammen mit der Beratungsfirma Oxford Analytica (nicht zu verwechseln mit der berüchtigten Datenkrake Cambridge Analytica), den Strategieberatern von Man Bites Dog sowie Think Tanks und Fachleuten aus der akademischen Forschung unterschiedliche Visionen zur Zukunft der Arbeit im Jahr 2035. Der Fokus lag dabei insbesondere auf der sich wandelnden Beziehung zwischen Mensch und Technologie. Mit „Technologie“ meint Citrix vor allem KI-gestützte Ansätze von smarten Assistenten bis zu Augmented Reality und Robotik.

Auf dieser Basis befragte das Forschungsunternehmen Coleman Parkes 2019 und 2020 über 500 Führungskräfte und 1.000 Angestellte von Konzernen und mittelständischen Unternehmen aus den USA, Großbritannien, Deutschland, Frankreich und den Niederlanden zu ihrer Sichtweise. Ergänzend kam im Mai 2020 eine weitere Umfrage unter 300 Führungskräften hinzu. Diese zielte darauf ab, den Umgang mit der Pandemie und deren Einfluss auf Ansichten über die Zukunft der Arbeit zu ermitteln.

Laut den Umfragen schätzt man in den Unternehmen, dass KI künftig eine erheblich gewichtigere Rolle spielt: Über drei Viertel der Befragten (77 Prozent) nehmen an, dass KI in fünfzehn Jahren Entscheidungsprozesse unterstützen und so die Produktivität steigern wird. Wie enorm die Hoffnungen sind, die auf den Schultern der KI ruhen, zeigt folgende Zahl: 90 Prozent der befragten Führungskräfte glauben, dass Investitionen in KI-Technologien zukünftig hauptverantwortlich für das Wachstum eines Unternehmens sein werden. Und rund die Hälfte (51 Prozent) von ihnen meint, dass sich die Produktivität durch KI und Co. sogar verdoppeln lässt. Zugleich erwartet die Mehrheit, dass durch KI neue Berufsbilder entstehen, darunter neben der nächsten Generation der Data Scientists zum Beispiel auch Roboter- und KI-Trainer oder Virtual-Reality-Manager.

Citrix’ Augurenteam geht davon aus, dass KI künftig auf vielerlei Weise einen Beitrag leisten kann. Das Spektrum umfasst neben KI-basierten persönlichen Assistenten (die man ja heute schon kennt) auch Bots, die auf der Basis per KI ermittelter Präferenzen und Gewohnheiten Aufgaben erledigen, oder KI-gestütztes „Nudging“. Damit meinen Soziologen Mechanismen, die den Menschen auf möglichst sanfte Weise in die gewünschte Richtung schubsen. Beispiele sind Müdigkeitserkennung bei Fahrzeuglenkern oder Smartphone-Apps, die den Nutzer dezent darauf hinweisen, dass er auf Schlafmangel zusteuert, wenn er jetzt noch eine Überstunde macht.

KI-Assistenten könnten laut Citrix Mitarbeiter somit bei der Priorisierung ihrer Aufgaben unterstützen und ihnen auch in Bezug auf mentale und physische Gesundheit helfen. Zum Beispiel könne KI dafür sorgen, dass Meeting-Zeiten an den Biorhythmus der Mitarbeiter angepasst werden – was insbesondere bei Meetings über Zeitzonen hinweg eine Herausforderung darstellen dürfte. Weitere Future-of-Work-Szenarien beinhalten den Einsatz von Augmented-Reality-Brillen (auch diese längst keine Zukunftsmusik mehr), Exoskelette zur Unterstützung schwerer Arbeiten (etwa in der Automobilindustrie, wenn es die denn 2035 noch gibt) oder die neuronale Gerätesteuerung.

Unter den Befragten aus deutschen Landen glauben 87 Prozent, dass bis 2035 KI eine entscheidende Rolle für die berufliche Weiterentwicklung spielen wird, weil sie zum Beispiel einfache und repetitive Aufgaben automatisch erledigt. 91 Prozent der hiesigen Befragten befürchten, dass Regulierung die Entwicklung bremsen und dadurch für deutsche Unternehmen ein Wettbewerbsnachteil entstehen könnte.

In 15 Jahren können wir ja dann mal zum LANline-Archiv greifen – „Siri, öffne nach dem Staubsaugen das Hologramm der LANline von 2020!“ – und nachsehen, welche der Prognosen sich bewahrheitet haben. Vorher müssen wir bloß noch das Coronavirus, dessen vielfältige Nachfolger und die Überhitzung unseres Habitats bewältigen. Sonst sind es 2035 wohl statt der Menschen eher die Ameisen, die die lästigen Alltagsaufgaben der Weltherrschaft an KI und Roboter delegieren.

Der vollständige „Work 2035“-Report ist erhältlich unter http://now.citrix.com/work2035.

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