Workspace statt Workplace

Benutzererfahrung neu betrachten

20. September 2022, 7:00 Uhr | Thomas Lococo/wg
LANline-Cartoon Remote Work
© Wolfgang Traub

In den letzten zwei Jahren hat sich die Arbeitswelt durch die oft chaotische Umstellung hin zur Tele- und Hybridarbeit erheblich verändert. Millionen von Beschäftigten rund um den Globus haben sich zudem beruflich verändert und damit die klare Botschaft vermittelt, dass das nächste Kapitel der Ära „Work from Anywhere“ begonnen hat.

Pandemiebedingt mussten Unternehmen seit Frühjahr 2020 im Krisenmodus digitale Fernarbeitsplätze in großem Stil einrichten. Die Verlagerung eines großen Teils der Belegschaft ins Home-Office innerhalb kurzer Zeit hat Unternehmen vor große Herausforderungen gestellt. Dies gilt besonders für jene Unternehmen, die in den Jahren vor 2020 in Bezug auf dieses Arbeitsmodell zurückhaltender waren. Zwischen den Pandemiewellen gab es wieder eine Rückkehr an den stationären Arbeitsplatz im Unternehmen. Dieser situationsbedingte Wechsel dürfte die Unternehmen bis zum Ausklingen der Pandemie begleiten. Es zeichnet sich jedoch bereits ab, dass sich hybrides Arbeiten als langfristiges Modell etablieren dürfte. Es scheint, dass die Zukunft der Arbeit auf absehbare Zeit unklar bleiben wird und dass Unternehmen die Arbeitsplatzinfrastruktur und deren Auswirkungen auf die Benutzererfahrung völlig anders betrachten müssen. Sie müssen die weiterreichenden Auswirkungen einer weit verteilten Belegschaft überdenken und neu definieren, wie der „Arbeitsplatz“ aussieht.

Es geht um Bindung

Oberflächlich betrachtet mag „The Great Resignation“, die nach wie vor die Schlagzeilen beherrscht, wie ein Kampf um steigende Gehälter und Vergünstigungen für die Beschäftigten aussehen. Wenn man jedoch etwas tiefer in die Materie eindringt, stellt man fest, dass es sich dabei eher um Beschäftigte handelt, die sich von ihrem Unternehmen abgekoppelt fühlen, weil sie ihre persönliche Bindung an das Unternehmen und den Sinn ihrer Arbeit verloren haben. Der Einzelne trifft genauere Entscheidungen darüber, welche Art von Arbeit er ausüben möchte und wie sich diese in sein Leben einfügt.

Mit der Pandemie kam für viele Büroangestellte der Wechsel von mehr als 90 Prozent im Büro geleisteter Arbeit zu mitunter fast 100 Prozent digitaler Remote-Zusammenarbeit. Plötzlich sah jede Interaktion wie ein zweidimensionales Engagement aus, das zwar Produktivität bot, dem es aber an echter menschlicher Verbindung fehlte. Es gab nun eine begrenzte Interaktion von Angesicht zu Angesicht. Schwierigkeiten bei der Umsetzung von Aufgaben und eine frustrierende digitale Erfahrung waren die perfekte Formel für den potenziellen Verlust wertvoller Arbeitskräfte. Wenn dies weiter den Arbeitsalltag bestimmt, ist davon auszugehen, dass mehr Beschäftigte dies als unbefriedigend empfinden und sich einen anderen Arbeitgeber suchen, der es versteht, vernünftige Bedingungen für hybrides Arbeiten zu schaffen.

Vor 2020 arbeiteten nur sieben Prozent der Beschäftigten die meiste Zeit von zu Hause aus, aber nach 2020 sind 96 Prozent der Unternehmen bereit, ihren Angestellten flexible Arbeitszeiten anzubieten. Die Rückkehr zu physischen Büros in der einen oder anderen Form wird jedoch den Frustrationsgrad der Beschäftigte erhöhen, da wir uns von einer gleichberechtigten „One Screen“-Erfahrung zu einer fragmentierten Erfahrung entwickeln.


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