Gastkommentar von Rohde & Schwarz Cybersecurity

Malware aus dem Online-Shop

15. Juni 2022, 12:00 Uhr | Wilhelm Greiner
Falk Hermann, CEO von Rohde & Schwarz Cybersecurity.
Falk Hermann, CEO von Rohde & Schwarz Cybersecurity.
© Rohde & Schwarz Cybersecurity

Der Ransomware-Trend ist nicht neu, doch die Gefährdungslage verschärft sich. Dr. Falk Herrmann, CEO von Rohde & Schwarz Cybersecurity, führt im nachfolgenden Gastkommentar zehn Gründe auf, warum Ransomware immer gefährlicher wird.

1. Die Malware gibt es im Online-Shop. Für Kriminelle wird es immer einfacher, Erpressungsangriffe zu starten. Denn die dafür benötigte Malware kann inzwischen jeder auf einschlägigen Seiten im Internet erwerben. Durch ein solches „Ransomware as a Service“-Angebot wachsen die Verbreitung und die Professionalisierung der Angriffe weiter an.

2. Phishing wird immer professioneller. Personenbezogene Daten stehen bereits für geringe Summen zum Verkauf. Phishing-E-Mails lassen sich dadurch immer realistischer gestalten. Für die Beschäftigten eines Unternehmens wird es nahezu unmöglich, kriminelle E-Mails zu enttarnen. Dies ist extrem gefährlich für die Unternehmen: Phishing gehörte 2021 zu den Haupteintrittsvektoren von Schadsoftware – auch von Ransomware.

3. Fake-E-Mails schüren die Angst. Phishing-E-Mails zum Thema Covid-19 haben 2021 zwar abgenommen. Doch Phishing-Nachrichten nehmen noch immer häufig auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen Bezug, so das Bundeslagebild „Cybercrime“ 2021 des Bundeskriminalamts (BKA). Vor allem aber versuchen Phishing-E-Mails, Unsicherheiten der Empfänger auszunutzen oder eine Angstkulisse aufzubauen. Dies gelingt etwa durch knappe Zeitfristen oder Androhung von Geldstrafen. Die am häufigsten für Phishing imitierten Absender waren 2021 Microsoft, DHL, Amazon, Google und WhatsApp.   

4. Die Erfolgsquote steigt. Die Abhängigkeit von digitalen Daten ist in Unternehmen und Behörden stark gewachsen. Unternehmen sind daher eher bereit, auf die Forderungen von Erpressern einzugehen. Ein wichtiger Hebel für die Digitalisierung war das Home-Office – es liegen heute deutlich mehr Daten auf Behörden- Unternehmens-Servern, als dies noch vor der Pandemie der Fall war.

5. Das Erpressungsgeschäft wird immer lukrativer. Daten werden bei Ransomware-Angriffen längst nicht nur verschlüsselt, sondern auch von den Systemen gestohlen. Auf diese Weise lassen sie sich weiterverkaufen. Außerdem können Hacker Schweigegeld einfordern, wenn sie androhen, diese zu veröffentlichen. Kriminelle erpressen auch Kunden der eigentlichen Opfer damit, ihre Daten zu veröffentlichen, sollte keine Zahlung erfolgen.

6. DDoS (Distributed Denial of Service) verschärft Erpressungen. Zusätzlich zur Datenverschlüsselung und -veröffentlichung legen immer mehr DDoS-Attacken die Websites der Opfer lahm. Im Jahr 2021 hat das BKA verstärkt Multivektor-Angriffe, sogenanntes Carpet-Bombing und eine Kombination von DDoS- und Ransomware-Angriffen, festgestellt. Kriminelle versuchen mit solchen Attacken, das Zielsystem mit einer großen Datenmenge derart zu überlasten, dass es für Nutzer nicht oder nur sehr eingeschränkt verfügbar ist.

7. Cyberkriminelle erfinden sich neu. Gestern Darkside, heute Blackmatter, gerade noch Grandcrab, dann REvil: Steigt der Ermittlungsdruck auf eine Hackergruppe, löst sich diese häufig auf, nur um sich einige Zeit später unter einem anderen Namen neu zu erfinden – häufig mit neuen Methoden und noch gefährlicher als vorher.

8. Emotet ist wieder da. Ransomware war zuletzt auch deshalb auf dem Vormarsch, weil der Trojaner Emotet, „die gefährlichste Software der Welt“ genannt, wieder auftauchte. Er dient als Türöffner, über den sich weitere Schadsoftware nachladen lässt, auch Ransomware. Eigentlich wurde Emotet durch eine internationale Aktion im Januar 2021 zerschlagen, doch bereits im November tauchte er wieder auf.

9. Sicherheitslücke „Faktor Mensch“: Phishing zielt auf die Schwachstelle Mensch. Es verleitet die Beschäftigten immer geschickter dazu, schädliche Anhänge zu öffnen und auf Webseiten mit Schadcodes zu gehen. Mitarbeiterschulungen sind kein geeignetes Mittel, um diese Angriffe abzuwehren, auch ein Hinweis auf das Nicht-Öffnen von Anhängen bietet nur unzureichenden Schutz. Denn der Mensch macht Fehler, und solche Fehler können gravierende Folgen haben.

10. Gängige IT-Sicherheits-Tools sind machtlos. Angesichts dieses immer professionelleren und geschickteren Vorgehens der Täter reichen einzelne Firewalls oder Virenschutzprogramme längst nicht mehr aus.

Was können Unternehmen, Behörden und Kritis-Betreiber gegen diese steigende Gefahr tun? Der Browser ist das Einfallstor Nr.1 für Ransomware und andere Schadware. Der beste Schutz vor solchen Angriffen aus dem Internet ist ein virtueller Browser: Er erlaubt das Surfen im Internet, ohne dass Hacker Zugriff auf die Unternehmensnetzwerke erlangen können. Auf der Rechnerebene erfolgt hier eine komplette Isolation, sodass Schadsoftware vom restlichen PC des Nutzers ferngehalten wird. Zusätzlich wird auf der Netzwerkebene der Zugang zum Internet vom Intranet getrennt. Dieser Mechanismus schützt auch vor Angriffen via E-Mail-Anhängen oder bei Web-Konferenzen mit Mikrofonnutzung und Webcam-Unterstützung. Darüber hinaus sollten Unternehmen weitere Schutzmaßnahmen treffen, beispielsweise die Verschlüsselung der Endgeräte, eine hochsichere VPN-Verbindung und die Absicherung der heimischen WLANs.

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