Neuer Threat Report von Eset zur Eset World

Russland ist Ransomware-Ziel Nummer eins

8. Juni 2022, 7:00 Uhr | Wilhelm Greiner
Eset-CEO Richard Marko
© Eset

Auf der Eset World stand vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs die aktuelle Bedrohungslage im Rampenlicht. Der slowakische Security-Anbieter stellte einen Threat Report mit Cybercrime-Trends vor, zudem seine Planungen für seinen neuen Campus in Bratislava.

Bei seiner Eröffnungs-Keynote blickte Eset-CEO Richard Marko (siehe Bild oben) stolz auf zwanzig Jahre Wachstum zurück, zuletzt sei der Umsatz zwischen März 2021 und März 2022 von 54,9 auf 64,0 Millionen Euro gestiegen. Ein besonders wichtiger Markt war und ist dabei laut dem Eset-Chef der östliche Nachbar der Slowakei: die kriegsgebeutelte Ukraine. Diese sei seit 2014 der am stärksten wachsende Markt für Eset gewesen, so Marko, zwischen 2014 und 2021 habe sich der Umsatz dort versechsfacht, und Eset sei heute der führende Security-Anbieter in der Ukraine.

Entsprechend genau habe man auch die Cyberangriffe auf kritsche Infrastruktur verfolgt und deren gemeinsamen Nenner ermittelt: So habe Eset am 23.2. eine Reihe von Wiper-Malware-Attacken quer durch die Ukraine festgestellt – sieben Stunden später habe die russische Invasion begonnen, berichete Marko. Der slowakische Security-Anbieter engagiere sich heute nicht nur mit Expertise und Software, sondern auch mit Hilfsaktionen für das Nachbarland.

Auf Produktseite hob Marko im B2B-Segment die Lösungen Inspect und Lifeguard hervor. Der Umsatz mit Inspect-Lizenzen habe sich in den letzten zwölf Monaten vervierfacht, besonders Abwehrfunktionalität (Endpoint Detection and Response, EDR) sei gefragt. Auch bei den Dienstleistungen verzeichne man exponentielles Wachstum: Der Umsatz mit Security-Services habe sich verzehnfacht, der mit Threat Intelligence Services (Aufbereitung von Bedrohungsinformationen) verachtfacht. Im B2C-Markt wiederum ist die Kundschaft laut Marko zunehmend am Premiumprodukt interessiert: Der Konsument wünscht sich Rundumschutz in unsicheren Zeiten.

Im Grenzbereich zwischen B2B und B2C ist Esets neue Lösungsfamilie NetProtect angesiedelt: Sie soll es Mobilfunk-Netzbetreibern und ISPs ermöglichen, ihrer Kundschaft mittels DNS-Filtering mehr Schutz zu bieten. Das Angebot umfasst NetProtect for Mobile und NetProtect for Mobile Advanced zum Schutz von Mobilgeräten sowie NetProtect for Home Advanced, das Festnetzanschlüsse absichern soll.

Eset-CTO Juraj Malcho und Jake Moore, seines Zeichens Global Security Advisor bei Eset, stellten im entspannten Dialog den aktuellen „T1 2022 Threat Report“ vor, der allerdings eher von An- als von Entspannung handelt. So beschreibt der Report zum Beispiel das Comeback der berüchtigten Malware Industroyer. Das Schadprogramm zielte darauf ab, Umspannwerke in der Ukraine lahmzulegen.

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Eset-CTO Juraj Malcho (Bild) und sein Kollege Jake Moore stellten im betont entspannten Ambiente den neuen Threat Report vor.
Eset-CTO Juraj Malcho (Bild) und sein Kollege Jake Moore diskutierten im betont entspannten Ambiente den neuen Threat Report.
© Eset

Eine interessante Entwicklung: Nachdem Russland jahrelang vor allem Ausgangspunkt von Cyberangriffen war, hat sich aufgrund des Überfalls auf die Ukraine das Blatt offenbar gewendet: „Russland wurde das Ransomware-Ziel Nummer eins“, so Moore. Im ersten Quartal hatte Putins Reich laut den Eset-Forschern mit zwölf Prozent die größte Last an Ransomware-Angriffen zu tragen, darunter Lockscreen-Varianten mit ukrainischem Nationalgruß.

Malcho berichtete, man sehe bei Ransomware neue Player und auch eine Verbreitung über die Log4j-Schwachstelle, die Ende letzten Jahres aufgedeckt wurde. Remote Work erschwere die Angriffserkennung, da die Notebooks nun häufig nicht mehr im Unternehmensnetzwerk sind, wo Erkennungswerkzeuge die Angriffe aufspüren können.


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