Mit zunehmender Digitalisierung sind viele Arbeitswelten heute – oder zumindest bald – deutlich stärker IT-gestützt als früher – bis hin zu dem Punkt, dass sich vormalige „Real World“-Arbeitsplätze in digitale wandeln. In dieser Situation gilt es, das Engagement der Belegschaft zu erhalten und möglichst sogar zu fördern, nicht zuletzt durch den intelligenten Einsatz von IT. Eine aktuelle EIU-Studie im Auftrag von Citrix zeigt, dass Unternehmen darauf hinarbeiten, es aber auch noch Hindernisse zu überwinden gibt.

Der Bauer von heute ist kein Hinterwäldler auf rostigem Traktor. Der Landwirt von Welt wertet – Stichwort „Smart Farming“ – am Tablet Sensordaten seiner Drohne aus, um zu erfahren, welche Pflanzen an welchen Standorten noch Pflege brauchen und welche bereits erntereif sind. Anschließend fährt ein intelligenter Mähdrescher GPS-gesteuert und in Kürze sicher autonom die Felder ab und meldet seine Erntedaten an die Cloud – was erklärt, warum wir in der Tat 5G-Mobilfunk „an jeder Milchkanne“ brauchen.

Die milchkannenfernen Arbeitswelten wandeln sich gerade ebenso grundlegend, vom Dienstleistungssektor bis zur Industrie – im Handel kennt man das längst. Die Effizienz der IT-gestützten Arbeit hängt nicht zuletzt davon ab, wie gut die Mitarbeiterschaft mit ihren digitalen Arbeitsumgebungen zurechtkommt. Deshalb rückt heute in vielen Unternehmen neben der (Online-)Interaktion mit Endkunden („Customer Experience“) auch der Umgang der eigenen Mitarbeiter mit ihren (digitalen) Arbeitsumgebungen, auf Neudeutsch „Employee Experience“ genannt, stärker ins Rampenlicht.

Employee Experience

„Eine Top-Priorität für Entscheidungsträger im Jahr 2019 hat die Verbesserung der tagtäglichen Arbeitsabläufe, für engagiertere und produktivere Mitarbeiter“, sagt Oliver Ebel, Area Vice President Central Europe bei Citrix, mit Bezug auf eine repräsentative Umfrage, die der Intelligent-Workspace-Spezialist jüngst durch EIU (The Economist Intelligence Unit, die Marktforschungsabteilung der Economist Group) durchführen ließ. Für die Studie „The Experience of Work“ befragte EIU im März und April 1.145 Führungskräfte aus Unternehmen mit mindestens 500 Mitarbeitern in acht Ländern (USA, UK, Deutschland, Australien, Neuseeland, Japan, China und Brasilien). In Deutschland interviewte man 160 Teilnehmer, laut Citrix mindestens der Hierarchieebene „Abteilungsleiter“ angehörig.

Ein Teil der Befragten geht laut der Studie davon aus, dass ein effizienteres Arbeitsumfeld zu engagierteren Mitarbeitern und damit zu mehr wirtschaftlichem Erfolg führt. Diese Erwartungshaltung deckt sich mit den Ergebnissen früherer Studien zum Thema, etwa einer Gallup-Umfrage von 2013.

Bei der aktuellen EIU-Studie gaben im internationalen Mittel 43 Prozent der Befragten an, dass sie durch eine verbesserte Employee Experience mehr Produktivität der Mitarbeiter erzielt haben oder aber zumindest erwarten (was in der Studie zusammengefasst wurde, obwohl es eigentlich „zwei Paar Stiefel“ sind). Unter den deutschen Teilnehmern gaben 37,5 Prozent eine Produktivitätssteigerung zu Protokoll. Eine höhere Kundenzufriedenheit der Belegschaft erzielten oder erwarteten in Deutschland 38,8 Prozent (international: 36 Prozent).

Im In- und Ausland geht man davon aus, durch ein modernes Arbeitsumfeld qualifiziertes Personal besser bei der Stange halten zu können (Deutschland: 29 Prozent, international: 30 Prozent). Auffällig: Fast ebenso viele versprechen sich zudem Vorteile bei der Anwerbung neuer Kräfte (28,5 Prozent, international hingegen nur 21 Prozent).

Engagement der Belegschaft als entscheidender Faktor

Im Jahr 2011 hatte das US-Meinungsforschungsinstitut Gallup mit einer Umfrage Aufsehen erregt, die ergab, dass 62 Prozent der Mitarbeiter weltweit bei ihrer Arbeit nicht engagiert sind und 27 sogar innerlich schon gekündigt haben. Die Folgerung der US-Meinungsforscher: Die Mehrheit der Mitarbeiter sei „emotional distanziert und wird wahrscheinlich wenig mehr tun, als notwendig ist, um ihren Arbeitsplatz zu erhalten“. Seither ist die Frage, wie man das Engagement der Belegschaft steigern kann, auf der Agenda der Unternehmenslenker und ihrer Personalleiter.

Die Faktoren, die die Befragten der EIU-Studie für das Engagement der Mitarbeiter als am wichtigsten erachteten (Mehrfachnennungen möglich). Bei überdurchschnittlich erfolgreichen Firmen („High Performers“) folgt auf „Unternehmensführung und Management“ die technische Ausstattung, wenn auch mit deutlichem Abstand. Bild: The Economist Intelligence Unit

Die Faktoren, die die Befragten der EIU-Studie für das Engagement der Mitarbeiter als am wichtigsten erachteten (Mehrfachnennungen möglich). Bei überdurchschnittlich erfolgreichen Firmen („High Performers“) folgt auf „Unternehmensführung und Management“ die technische Ausstattung, wenn auch mit deutlichem Abstand. Bild: The Economist Intelligence Unit

Unterschiedlichste Einflüsse können hier bestimmen, wie Mitarbeiter ihr Arbeitsumfeld erleben. Das reicht vom Führungsstil und der Unternehmenskultur über die sozialen Aspekte (Team Spirit oder Mobbing) bis hin zur Architektur (Einheits-Großraumbüro oder vielfältige Arbeitsareale inklusive Fitnessraum). Hinzu kommen Aspekte wie Vertragsgestaltung, Gehalt und Flexibilität bezüglich Arbeitszeit und -ort. Hier zählten 27 Prozent der deutschen Befragten die technische Ausstattung zu den wichtigen Einflussfaktoren (international: 33 Prozent).

In puncto IT war es den Umfrageteilnehmern vor allem wichtig, dass Informationen einfach zugänglich sind (52 Prozent in Deutschland, 47 Prozent international). Zudem bevorzugten es 48 Prozent, von überall aus arbeiten zu können (international 43 Prozent), 41 Prozent legten Wert auf einfache Bedienbarkeit der Lösungen (international 39 Prozent).

Den Referenzwert für Anwenderfreundlichkeit setzen seit einigen Jahren Apps und Services aus dem Consumer-Umfeld – Google, Facebook, Apple und Co. Entsprechend war einfache Bedienbarkeit wie aus dem Privatumfeld bekannt einem Drittel der Befragten wichtig (33 Prozent in Deutschland wie auch international). Die freie Auswahl der Endgeräte und der Anwendungen hingegen folgten erst auf nachgelagerten Plätzen.

Unter den technischen Faktoren, die das Engagement von Mitarbeitern fördern, war den Befragten der schnelle Zugriff auf relevante Informationen am wichtigsten. Bild: The Economist Intelligence Unit

Unter den technischen Faktoren, die das Engagement von Mitarbeitern fördern, war den Befragten der schnelle Zugriff auf relevante Informationen am wichtigsten. Bild: The Economist Intelligence Unit

Der Hintergrund der von Citrix in Auftrag gegebenen EIU-Studie: Der US-Anbieter verfolgt die Strategie, das Engagement der Mitarbeiter mit seinem „Intelligent Workspace“ zu verbessern, einem digitalen Arbeitsplatz, der ortsunabhängiges Arbeiten mit einem Facebook-artigen – und damit vertrauten – Input-Feed und sogenannten „Micro-Apps“ für die zügige Erledigung alltäglicher Aufgaben kombiniert (LANline berichtete). Damit geht Citrix sehr weit in seinem Bemühen, dem Arbeitsplatz einen „Consumer-artigen“ Anstrich zu geben und zugleich die Produktivität zu steigern – denn schließlich ist nicht jede Consumer-App im Unternehmen konzentrations- und produktivitätsförderlich, ebenso wenig der ständige Ansturm von Messages, Benachrichtigungen und Ablenkungen aus dem wilden weiten Web.

IT und HR im Team

Eine weitere Herausforderung für die erfolgreiche Digitalisierung des Arbeitsumfeldes kann darin liegen, dass sich die IT-Organisation mit anderen Abteilungen eng abstimmen muss: „Dieses Ziel lässt sich nur dann erreichen, wenn HR (Human Resources) und IT eng zusammenarbeiten“, kommentiert auch Citrix-Mann Ebel. „CEOs müssen einer hervorragenden Employee Experience den Weg ebnen, Silos einreißen und gemeinsam mit dem CHRO (Chief Human Resources Officer, Personalleiter, d.Red.) und CIO (Chief Information Officer, d.Red.) für top-engagierte Mitarbeiter sorgen.“

Hier gibt es noch einige Hürden zu überwinden, wie die EIU-Studie ebenfalls offenbarte: Zu den größten Bremsklötzen für die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Personalabteilung und IT zählten die Befragten den Mangel an gegenseitigem Verständnis (34 Prozent), den Mangel an gemeinsamen Zielen und Bemessungsgrundlagen (Key Performance Indicators, KPIs, mit 32 Prozent) sowie – erst an dritter Stelle – ein zu geringes Budget (28 Prozent) oder konkurrierende Prioritäten.

Die größten Hürden für die erfolgreiche Zusammenarbeit von IT und HR. Bild: The Economist Intelligence Unit

Die größten Hürden für die erfolgreiche Zusammenarbeit von IT und HR. Bild: The Economist Intelligence Unit

Hinzu kommen weitere Unsicherheitsfaktoren, oft auf gesamtgesellschaftlicher Ebene, was die Studie ebenfalls anspricht: „Auf breiterer Front hat  Technologie das Potenzial, das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf den Kopf zu stellen“, so das Fazit der Studie. Einige Fragen bleiben im Raum stehen: „Wie werden sich die Arbeitnehmer beispielsweise auf die Veränderungen einstellen, die die KI für das Wesen der Arbeit bringt? Wird die Automatisierung das Leben der Arbeitnehmer bereichern, indem sie sie von der Plackerei befreit, oder wird sie diese verarmen lassen, indem sie ihre Rollen überflüssig macht? Machen eine größere Arbeitsmobilität und das Wachstum der ‚Gig Economy‘ (Vorherrschen von Einzelaufträgen für Freiberufler, d.Red.) jahrelange Mitarbeiterbindung zu einem Relikt der Vergangenheit?“

Angesichts dieser brisanten Gemengelage müssen Unternehmen dafür sorgen, dass die IT-Organisation in puncto Mitarbeiterführung und Förderung des Engagements mit den Zielen der Unternehmensleitung und der Personalabteilung vertraut ist. Und umgekehrt müssen Chef und Personalleiter wissen, was heute zum Beispiel durch künstliche Intelligenz, Automation und moderne Collaboration-Tools alles möglich ist – und vor allem: was davon auch wünschenswert ist. Mehr als die Hälfte (53 Prozent) der deutschen Unternehmen beschäftigen deshalb bereits Fachleute, die eine Brücke zwischen IT und HR schlagen sollen – nicht zuletzt, um hier tatsächlich messbare Erfolge zu ermöglichen.

Dieser Brückenschlag ist ein wichtiger Schritt. Denn zwischen der IT und den übrigen Abteilungen im Unternehmen klaffte früher mitunter eine Lücke, größer als jene zwischen rostigem Traktor und drohnengestützter Agrarflächenanalyse. Angesichts eines sich verschärfenden globalen Wettbewerbs um qualifizierte Mitarbeiter können sich deutsche Unternehmen diese Diskrepanz längst nicht mehr leisten: Kooperation ist gefragt, damit die Saat des Mitarbeiter-Engagements aufgeht.

Die EIU-Studie „The Experience of Work“ ist erhältlich unter theexperienceofwork.economist.com/. Weitere Informationen zum Intelligent Workspace finden sich unter www.citrix.de.

Dr. Wilhelm Greiner ist freier Mitarbeiter der LANline.