Kongressmesse Anga Com, 9. bis 11. Juni 2015 in Köln

Plattform für Breitband und Content

16. Juni 2015, 06:14 Uhr   |  Stefan Mutschler/LANline

Plattform für Breitband und Content

Ende letzter Woche ging die diesjährige Anga Com in Köln zu Ende: Mit 450 Ausstellern konnte das Niveau des Vorjahres gehalten werden. Auch bei den Teilnehmern erwies sich die Veranstaltung erneut als Magnet - rund 17.000 Besucher fanden den Weg nach Köln, die Hälfte davon aus dem Ausland. Auch wenn der Boom in der Breitband- und Medienbranche primär durch neue TV-Nutzungsformen getrieben wird - die Entwicklungen sind jedoch für alle relevant, die sich privat oder im Business für Breitband interessieren.

Eine reine TV-, Kabel- und Satelliten-Messe ist die Anga Com in Köln schon lange nicht mehr. Inzwischen ist nahezu alles vertreten, was sich zu Breitband berufen fühlt – und das vom Access über die Verteilnetze bis hin zu den Core-Strecken der Provider. Verantwortlich für den rapide steigenden Bandbreitenhunger auf User-Seite sind immer flexiblere und immer höher aufgelöste TV-/Videoformate. Stichworte dazu waren auf der Messe unter anderem TV Everywhere/Cloud TV, Video on Demand, UHDTV, DVB-T2 und Multiscreen.

Auf Netzwerkseite lagen die Schwerpunkte auf Themen wie All over IP, Glasfaserausbau und insbesondere Fibre-to-the-Home (FTTH) sowie Fibre-to-the Curb (FTTC), dem neuen Breitbandkabelstandard DOCSIS 3.1, der Converged-Cable-Access-Plattform (CCAP) und WLAN. In den Foren und Diskussionen kamen zudem Dinge wie der Breitbandausbau, Netzneutralität, Medienpolitik, Kartellrecht und Digitalisierung zur Sprache.

Neue Services durch intelligente Netze
Netzwerkausrüster wie Alcatel-Lucent, Cisco und Huawei zeigten in Köln unter anderem, wie Netzbetreiber und Service-Provider ihrer Infrastruktur Mehrwerte hinzufügen können, über die sich auch neue Umsatzquellen erschließen lassen. Seit Langem monieren die Netzbetreiber, dass sie für die Bereitstellung der Infrastruktur immer häufiger nur noch mit Kleinbeträgen abgespeist werden, während die Over-the-Top-Anbieter (OTTs) wie Youtube und Netflix, die ungeheure Bandbreiten konsumieren, aber nichts zu deren Bereitstellung beitragen, die großen Verdienste abräumen.

Die Strategie zur Behebung dieses Missverhältnisses: Intelligenz und Steuerungsfunktionen mithilfe von SDN und NFV (Software-Defined Network/Network Function Virtualization) von den Endgeräten ins Netzwerk verlagern. Auf Basis intelligenter Netze sollen Netzbetreiber und Provider in die Lage versetzt werden, vermarktbare Dienste aufzusetzen.

Alcatel-Lucent etwa zeigte in Verbindung mit einem virtuellen Nutzer-Gateway (Übergabepunkt vom Provider zum Kunden) einen Cloud-Service, über den Anwender wichtige Betriebsparameter selbst steuern können. In Haushalten könnte so das Familienoberhaupt beispielsweise festlegen, wann welches Kind mit seinem Tablet über das WLAN ins Netz darf, welche Anwendung welche Bandbreiten verbrauchen darf und vieles mehr. Auch Sicherheitsfunktionen sollen vom Anwender abgezogen und als Service vom Provider angeboten werden. Für kleine Büros und Geschäftskunden könnte der Provider noch detaillierter steuerbare Funktionen anbieten und auch in Rechnung stellen.

Überschaubare Produktnews
Die Produktnews auf der Anga Com waren auch dieses Jahr wieder überschaubar. Unitymedia etwa hat angekündigt, ab kommenden August Teile ausgewählter deutscher Innenstädte in seinem Verbreitungsgebiet mit schnellem, sicherem und öffentlich zugänglichem WLAN auszustatten. Parallel zu diesen „WiFi-Spots“ sollen auch „Power-Spots“ vermarktet werden, über die Betriebe mit Publikumsverkehr (Restaurants, Kinos, Arztpraxen etc.) ihren Kunden Wi-Fi-Services anbieten können.

Highlight bei TP-Link war mit dem VoIP-fähigen Archer CR700v ein Home-Gateway, das Kabelmodem und Gigabit-WLAN-Router in einem Gerät kombiniert. Mit dem Archer VR900 präsentierte das Unternehmen auch ein neues VDSL2-Modem mit integrierter DECT-Basisstation und AC-1900-Dualband-WLAN-Router. Und Dätwyler zeigte das weltweit erste Mini-Hybridkabel für NGN- und NGA-Netze (Next Generation Networks/Next Generation Access). Es kombiniert bei 6,5 Millimetern Außendurchmesser vier zwölffaserige, verseilte Bündeladern mit zwei Kupferlitzen.

Wer sich für Breitband interessiert, kommt an der Anga Com kaum vorbei. 2016 soll die Veranstaltung vom 7. bis 9. Juni 2016 erneut in Köln stattfinden.

Inzwischen ist auf der Anga Com nahezu alles vertreten, was sich zu Breitband berufen fühlt – und das vom Access über die Verteilnetze bis hin zu den Core-Strecken der Provider. Foto: ANGA COM

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