LANline-Badge-System im Detail

Spielerisch nützlich

03. Juni 2011, 06:00 Uhr   |  Dr. Wilhelm Greiner

Spielerisch nützlich

Derzeit wird heftig diskutiert, wie man Social Networks durch Spiel-Elemente anregender gestalten kann, um Site-Besucher zu stärkerer Interaktion zu bewegen - "Gamification" genannt. Ein solches Konzept hat LANline.de bereits umgesetzt. Unser neues Social Network für IT-Profis ist allerdings keine "Spielerei": Die Game-Elemente haben vielmehr für die Mitglieder der LANline-Community einen konkreten Nutzen. Warum verbringen Kinder und Jugendliche Stunden, ja sogar ganze Tage mit Computerspielen, während es ihnen in der Schule schnell langweilig wird? Wie nutzen Computer-Games angeborene Verhaltensweisen des Menschen, um ihn in die Spielwelt zu involvieren? Und wie lässt sich dies auf den Business- oder Schulalltag übertragen? Solche Fragen diskutierte der Journalist und Buchautor Tom Chatfield im Sommer 2010 in seinem Vortrag auf der TED-Global-Konferenz in Oxford. Chatfield beleuchtete Aspekte wie die sorgfältig kalibrierten kurz?, mittel- und langfristigen Zielvorgaben erfolgreicher Computerspiele. Wichtig sind auch deren variable Feedbacksysteme, zum Beispiel durch Fortschrittslaufbalken oder sofortige Belohnung für Aktionen, etwa mittels Auszeichnungen (Badges, also Abzeichen), aber auch der Glücksspielfaktor, also wohldosierte Unsicherheit. All diese Mechanismen, so Chatfield, entsprechen der Arbeitsweise des menschlichen Gehirns und regen damit das Engagement des Spielers an - nicht nur kurz?, sondern auch sehr langfristig, von Einzelaktionen über strategisches Vorgehen bis hin zu aufwändig mit anderen Spielern koordinierten Aktionen. Der spannende viertelstündige Vortrag ist auf Englisch (auch mit deutschen Untertiteln) unter bit.ly/bu5lLU zu sehen, ergänzend ist auch dieser TED-Vortrag zu empfehlen: bit.ly/aDmAYY.

Im Umfeld von Social Networks sind solche Forschungsergebnisse relevant, da sich der erste Hype um die sozialen Netze längst wieder gelegt hat und viele Sites mit mangelndem Engagement ihrer Besucher kämpfen. Und so wundert es nicht, dass Social-Media- und Social-Marketing-Experten insbesondere in den USA heftig debattieren, ob und wie man spielerische Elemente im eigenen Kontext nutzen könnte: "Gamification" (auf Deutsch sinngemäß: "Verspielung") nennt sich die Vorgehensweise der Social-Media-Manager und der Marketiers, die das Ziel verfolgt, das Interesse und die Interaktionsbereitschaft vor allem bei Besuchern kommerzieller Websites und Social Networks durch Game-Elemente zu steigern.

Die Standpunkte in dieser Diskussion sind breit gestreut: Während die einen der Gamification positive Effekte zusprechen, halten andere das Ganze nur für eine Modeerscheinung. Skeptiker argumentieren, spielerische Elemente habe es im Alltag - ob Schule, Beruf oder Social Networks - schon immer gegeben, Gamification sei also gar nichts Neues. Ansätze wie Info- und Edutainment gibt es in der Tat schon längst; im Unterschied dazu zielt Gamification aber nicht auf spielerische Informationsvermittlung, sondern überträgt das Konzept auf die Feedback-Loops in Social Networks. Stanford-Professor Byron Reeves betreibt eine Consulting-Firma namens Seriosity, spezialisiert auf Serious-Games- und Gamification-Projekte, sieht aber neben vielem Positivem auch Risiken: Spielmechanismen könnten die Erwartungshaltung nähren, auch im richtigen Leben für Taten immer sofort belohnt zu werden. Der Autor Jon Radoff (Game On) betont die Bedeutung eines Kernelements erfolgreicher Spiele: der übergreifenden Storyline, entlang der sich der Spieler entwickelt. Kritiker befürchten, dass Game-Elemente schnell als bloßer Selbstzweck dastehen - siehe das Facebook-Spiel Farmville. Der Blogger Scott McLeod wiederum bemängelte bereits 2009 die schlechte Qualität von Lernspielen im Schuleinsatz, schließlich legen heute ausgefeilte kommerzielle Games die Messlatte sehr hoch.

Siegeszug der Spiele

Trotz all dieser Bedenken ist festzustellen, dass Spielelemente, die bislang hauptsächlich der Gamer-Gemeinde vertraut waren, auch in kommerziellen Websites und Social Networks immer stärker Einzug halten. So vergibt zum Beispiel der bekannte Location-Based Service Foursquare Badges für das Einchecken in Lokationen, und das Music-Sharing-Network Blip.fm setzt auf Badges mit verschiedenen Levels, die man durch eifriges Mitmachen erreicht. Herstellergebundene Social Networks wie zum Beispiel die der IT-Anbieter Spiceworks und F5 Networks setzen auf Gamification, und auch trendige Blogs wie Huffington Post, Mashable oder Techcrunch arbeiten neuerdings mit Game-Elementen, um fleißige und/oder kompetente Kommentatoren zu fördern.

Parallel zu diesen Entwicklungen haben wir uns bei der LANline seit 2009 damit beschäftigt, wie wir unseren Lesern und Site-Besuchern ein Social Network bieten können, das für IT-Entscheider und -Fachleute nicht nur informativ und nützlich, sondern zugleich unterhaltsam ist: Community-gerechte Information sollte unsere Plattform mit Entertainment kombinieren, was wir "Communitainment" nannten (der Begriff "Gamification" war damals noch nicht so verbreitet). Und so ist LANline.de Ende März nicht einfach als ein herstellerunabhängiges, redaktionell moderiertes Social Network für deutschsprachige IT-Profis online gegangen, sondern zudem mit der klaren Zielsetzung: LANline.de sollte zu gestaltet sein, dass man die Site nicht einfach nur für News, Recherche und Diskussionen nutzt, sondern sich dort möglichst einfach gern aufhält, weil die Teilnahme unterhaltsam ist. Für einen Entertainment-Faktor sorgen nicht nur die vielen neuen Grafiken, die der LANline-Cartoonist Wolfgang Traub speziell für die Site angefertigt hat, und nicht ganz ernst gemeinte Diskussionforen wie das Forum "Was auch mal gesagt werden muss :-)" - auch ein eigenes Badge-System haben wir konzipiert und speziell für die LANline-Community entwickeln lassen (Bild 1).

Badge-Vielfalt

Sofort ab der Registrierung erhält ein neues Mitglied für seine Aktivitäten auf unserer Site Badges, also kleine Icons, die seinem Profilbild (Avatar) zugeordnet werden. Diese Badges sind sozusagen die "Währung" für die Kommunikation auf unserer Site. Wie jede fremde Währung, so wirkt auch das LANline-Badge-System mit seinen derzeit über 40 Badges auf den ersten Blick verwirrend - und wie bei den meisten fremden Währungen findet man sich nach kurzer Zeit dann doch gut zurecht. Auf LANline.de gibt es mehrere Arten von Badges:

1. Default-Badges: Diese drei Abzeichen erhält jedes neue Mitglied. Das erste Badge zeigt an, dass man Mitglied ist, das zweite das Land, das man bei der Registrierung angegeben hat: Deutschland, Österreich, Schweiz oder "restliche Welt" (als deutschsprachige Site differenzieren wir hier nicht weiter). Das dritte Default-Badge markiert den Einstiegszeitpunkt: Es gibt Badges für die Benutzer, die vor dem Launch am geschlossenen Betatest der Site teilgenommen hatten, für Early Adopter (die ersten 200 registrierten Mitglieder), die ersten 1.000 Benutzer etc. (Bild 2).

2. Badges für die Beitragsquantität: Diese Badges zeigen vor allem an, wie häufig man Beiträge bewertet, kommentiert oder eigene Beiträge gepostet hat. Diese Badges gibt es jeweils in den Stufen eins, fünf, zehn und 25 (Bild 3). Sie erscheinen auf Aktionen hin automatisch.

3. Badges für die Beitragsqualität: Diese ebenfalls automatisch generierten Badges machen sichtbar, wie oft die Beiträge eines Benutzers mit einem Fünf-Sterne-Rating bewertet wurden (Bild 4) oder wie oft ein Beitrag des Benutzers der bestbewertete Beitrag der Woche war.

Die automatisch erzeugten Badges summieren sich im Lauf der Zeit zu aggregierten User-Levels, für die es wiederum eigene Badges gibt (Advanced User, Power-User etc., siehe Bild 5).

4. Manuell vergebene Badges: Diese Badges zeigen vor allem Rollen an: Mitglieder des LANline-Teams erkennt man am LANline-Badge, und auch für Forenmoderatoren gibt es ein eigenes Abzeichen. Derlei Badges erhält aber zum Beispiel auch, wer eines der zahlreichen geplanten Gewinnspiele und Preisausschreiben gewinnt oder an einem unserer Tech Foren teilnimmt.

Mehrfachnutzen

Anwendern ohne Gaming-Hintergrund mögen diese Badges zunächst als bloße "Spielerei" vorkommen - doch die Badges haben für die Mitglieder unserer Community einen gleich mehrfachen Nutzen. Erstens geben sie dem Benutzer ein unmittelbares Feedback auf seine Aktionen und machen damit sein Engagement in der Community sichtbar - und dies anschaulicher und detaillierter als lediglich mit einem Zahlenwert (Score), wie man ihn in vielen Foren findet. Zweitens geben jene Badges, die Angaben zur Beitragsqualität eines Benutzers beinhalten, anderen Mitgliedern einen Anhaltspunkt dafür, mit wem sie es in Diskussionen oder auf der Suche nach Ratschlägen zu tun haben: mit einem LANline.de-Neuling oder einem Benutzer, der sich auf LANline.de einen Namen gemacht hat, wie etwa unser LANline-Stammautor Frank-Michael Schlede. Badges geben also nicht nur spielerisch sofortiges Feedback bei - wie wir hoffen: reger - Teilnahme, sondern ermöglichen es engagierten und kompetenten Benutzern zugleich, sich in der Community einen guten Ruf aufzubauen.

Abschließend ein weiterer wichtiger Punkt: Jenseits des Badge-Jagens und -Sammelns sowie des Aufbaus einer Reputation können Badges auch konkrete reale Benefits bedeuten. So wird die LANline zum Beispiel regelmäßig Preise und Gutscheine unter Mitgliedern verlosen, die an Community-Aktionen teilnehmen oder auch bestimmte Levels erreicht haben. Die LANline-Redaktion wird zudem künftig ihre "Tipps & Tricks" für die gleichnamige Rubrik der Print-Ausgabe immer öfter aus den bestbewerteten Beiträgen im Forum "Tipps & Tricks" auf LANline.de auswählen. Für jeden abgedruckten Tipp erhält der Autor 40 Euro. Der Badge-Erwerb kann also letztlich zu Preisen und Autorenhonoraren führen. Haben Sie Fragen, Kritik und Anregungen zu diesem Thema? Dann posten Sie dies doch einfach in unserem Forum "Badges auf LANline.de". Das Schöne daran: Auch dafür erhalten Sie Badges!

Der Autor auf LANline.de: wgreiner

Bild 5. Auf LANline.de können Benutzer mehrere User-Levels erreichen, wie man dies von Computerspielen her kennt. Bild 3. Badges, die die Quantität der Beiträge und Aktivitäten anzeigen, geben den Benutzern unmittelbares Feedback auf Aktionen. Bild 4. Mittels Badges, die die Qualität der Beiträge aus Sicht der Community darstellen, bauen sich Mitglieder auf LANline.de einen guten Ruf auf. Bild 2. Default-Badges machen unter anderem sichbar, welches Land ein Benutzer als sein Herkunftsland angegeben hat. LANline.

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