Patch-Kabelmanagement

Überblick per Funk

11. April 2007, 23:25 Uhr   |  Bernd Gerlach/dp Der Autor ist geschäftsführender Gesellschafter von TKM in Mönchengladbach.

Managementsysteme für den Patch-Kabelbereich bringen Überblick im Verteilerschrank. Die meisten Lösungen basieren dabei auf einem Zusatzdraht im Kabel und Kontakten an den Steckern und Buchsen. Eine Lösung mit Funktechnik soll mehr Flexibilität bei der Komponentenauswahl bringen.

Patch-Management erleichtert nicht nur die Dokumentation und das Asset-Management in
Unternehmensnetzen. Auch Um-Patchungen sind damit weniger fehlerbehaftet als ohne. Da herkömmliche
Systeme in der Regel auf einem Zusatzdraht im Patch-Kabel sowie auf zusätzliche Kontakte an den
Buchsen und Steckern basieren, benötigt der Anwender spezielle Patch-Kabel und -panels vom
Hersteller des Systems. Dies gilt auch für die LWL-Verteiler und die LWL-Anschlusskabel. Das
bedeutet eine sehr enge Bindung an den Hersteller des Systems und ist mit laufenden Zusatzkosten
etwa für Patch-Kabel verbunden. So setzten sich die Systeme bisher nur in Marktsegmenten mit sehr
hohem Sicherheitsbedarf durch. Doch bei einem gewachsenen LAN ohne Dokumentation und
Patch-Management kommt es im Laufe der Jahre zu einem Wildwuchs an Patchungen, der mit jedem Umzug
eines Mitarbeiters wächst. Die Folgen sind totlaufende Hardwareparts, ein hoher Raumbedarf und
lange Patch-Zeiten, die zusätzliche Kosten verursachen. Zudem lassen sich so Anforderungen an die
Ausfallsicherheit und schnelle Umschaltreaktionen nicht einhalten.

Lösung mit Funktechnik: RFID

Eine Lösung, die auf der Funktechnik RFID (Radio Frequency Identification) basiert, soll hier
Abhilfe schaffen. Sie ermöglicht eine berührungslose Datenübergabe zwischen dem Reader-Modul am
Patchpanel und einem Transponder am Patch-Kabel, der keine eigene Energieversorgung benötigt. Er
verfügt über einen Chip mit genügend Kapazität, um alle relevanten Kabeldaten zu speichern. So
lässt sich jeder Stecker mit einer eigenen Identifikation versehen. Am Patchpanel wird jede Buchse
mit einem Reader ausgestattet. Und so erkennt das System jeden Stecker an jeder Buchse des
Patchpanels. Entsprechende Auswertesysteme können nun beide Seiten eines gesteckten Patch-Kabels an
den entsprechenden Steckplätzen identifizieren. Eine Managementsoftware sammelt und verwaltet diese
Daten, überwacht die Ports, und kann zum Beispiel Vorgaben für Um-Patchungen erstellen.

Wer bereits ein LAN betreibt, hat die Möglichkeit, seine Patch-Systeme entsprechend
nachzurüsten. Dazu klebt er die Transponder an die Stecker der Patch-Kabel. TKM hat eine Lösung
entwickelt, bei der die Transponder etwa fünf Millimeter lang sind und einen Durchmesser von 1,5
Millimeter haben. Auch die Patchpanels können nachträglich mit einer Panel-Control-Unit (PCU)
ausgestattet werden. Sie wird auf ein Patchpanel aufgeschraubt und verfügt über die Reader mit
Antenne sowie über LEDs für jeden Port. Der Platzbedarf bei der TKM-Lösung Future-Patch beträgt
vier auf vier Millimeter über den Ports. Eine PCU überwacht bis zu 120 Ports in beliebiger
Verteilung je nach Panel-Ausführung. Hierzu ordnet der Administrator jedem Port einen Reader zu.
Ist das System in Betrieb, fragt die PCU ständig alle ihre Reader auf Zustandsänderungen ab
(Transponder vorhanden oder nicht, Kennungsänderungen). Außerdem schaltet sie die LEDs, zum
Beispiel um Ports für Um-Patchungen zu markieren. Darüber hinaus verfügt sie über eine
Busverbindung, über die sie alle Zustandsänderungen an die zentrale Rack-Control-Unit (RCU) und
damit an die zentrale Management-Console (MC) weiterleitet.

Die RCU setzt die Busdaten auf SNMP3 um und gibt sie über Ethernet an die MC weiter. Die RCU von
TKM benötigt eine Höheneinheit im Schrank und verfügt über einen Monitor-Port. Sie kann die Daten
von maximal vier Bussystemen mit jeweils 40 angeschlossenen PCUs weiterleiten. Sowohl auf den
Bussen als auch auf der Ethernet-Verbindung zur MC findet nur Datentransfer bei Ereignissen im
Patch-Bereich statt.

Integration in Fremdsysteme

Zu den automatischen Statusmeldungen der RCU/PCUs gehören nach Angaben von TKM auch
Informationen über nachgerüstete Komponenten und veränderte Rangierungen. Alle Daten sind in die
ITIL-konforme CMDB integriert und lassen sich über Soll-Ist-Vergleiche analysieren. Geeignete
Reports verschaffen zusätzlich einen Überblick über Zuverlässigkeit und Auslastung aller
eingesetzten Komponenten. Sie sollen die Grundlage für eine effiziente Optimierung der IT-Security
bilden.

Netzwerkmanagementsysteme wie der "Network Node Manager" von Hewlett-Packard oder "Netview" von
IBM/Tivoli sollen mit den Future-Patch-Analysen ihr Layer-2-Management verbessern, verspricht TKM.
Zusammen mit weiteren Informationen aus der CMDB wie Standort, Zuständigkeit oder SLAs stelle
Future-Patch zudem eine Erweiterung des Netzwerk-, Incident- und Problemmanagements dar.

Managementsoftware

Die Managementsoftware bei der vorgestellten Lösung basiert auf "IT-Management AixBOMs" von
Comconsult und ist modular aufgebaut. Sie legt jede Patchung in einer Datei ab. Der Administrator
kann sich das Gesamtnetz, die Patchungen separat, pro PCU oder in einem Schrank in grafischen
Darstellungen ansehen. Jede Patchung enthält dabei auch eine Zielangabe zum angeschlossenen
Patch-Kabel. Außerdem hat er die Möglichkeit, Workflows für Um-Patchungen anzulegen und dabei
Pri-oritäten anzugeben. Für jeden Patch-Befehl leuchten dann an den betroffenen Ports die LEDs auf.
Der Administrator kontrolliert die Vorgänge vor Ort an seiner zentralen Managementkonsole.

Mit dem funkbasierten System lassen sich bestehende Netze also ohne allzu großen Aufwand
umrüsten und aktive Komponenten wie Switches oder Router in die Überwachung integrieren. Bei hohen
Port-Dichten bringt der geringe Platzbedarf der vorgestellten Lösung bei den Patchpanels Vorteile.
Im Gegensatz zu den klassischen Patch-Managementsystemen müssen Glasfaseranschlusskabel nicht mit
Kupferdraht ausgestattet werden.

Jörg Schröper.

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