Ende von ISDN: Auswirkungen auf Fax und SMS

Unified Messaging und All-IP

06. Juni 2016, 06:00 Uhr   |  Sibylle Klein, verantwortlich für Public Relations bei Servonic, www.servonic.com./pf

Unified Messaging und All-IP

Die anstehende Umstellung der Telekommunikation von ISDN auf All-IP hat für Unternehmen nicht nur Auswirkungen auf die Sprachkommunikation. Betroffen sind auch Dienste wie Fax und gegebenenfalls SMS. Verwendet ein Unternehmen einen zentralen Unified-Messaging-Server, dann lohnt sich ein Blick auf mögliche Problembereiche und Lösungsoptionen.

All-IP bedeutet, dass die bisherige Übertragungstechnik im Telekommunikationsnetz von ISDN auf das Internet-Protokoll umgestellt wird. Schnittstelle zwischen internen Unternehmensnetzwerken und öffentlichem Telekommunikationsnetz ist in den meisten Unternehmen eine TK-Anlage. Diese dient als Vermittler zwischen den beiden Netzwerken und ist damit von der Umstellung von ISDN auf Voice over IP (VoIP) direkt betroffen. Welche Auswirkungen damit auf die UM-Nachrichten einhergehen, ist je nach Nachrichtenart und entsprechendem Übertragungsweg unterschiedlich.
 
Technische Übertragung von UM-Nachrichten
Eine Add-on-UM-Lösung wie beispielsweise der Unified-Messaging-Server Ixi-UMS von Servonic ergänzt das vorhandene Messaging-System um die Nachrichtenarten Fax, SMS und Voice. E-Mail ist bereits vorhanden, wird über das Internet-Protokoll übertragen und ist daher von der Umstellung auf All-IP nicht betroffen. Die Faxübermittlung läuft dagegen über das öffentliche Telekommunikationsnetz (PSTN). Will der Benutzer eine Faxnachricht versenden, kann er dies direkt über seinen E-Mail-Client erledigen, indem er eine neue Nachricht öffnet, Text in den E-Mail-Body schreibt oder eine Datei anhängt und beispielsweise an "Nummer@ixifax.com" adressiert. Auch ist es möglich, direkt aus Anwendungen wie Word oder CRM/ERP Faxe zu initiieren: Die Adressierung erfolgt dort automatisch.
Aufgrund einer Adressierung wie "@ixifax.com" erkennt das Messaging-System, dass es die Nachricht an den UM-Server übergeben muss. Dieser prüft die Berechtigungen und bereitet die Nachricht entsprechend dem jeweiligen Faxformat auf. Dann geht das Fax via TK-Anlage in das öffentliche Netz. Eingehende Faxnachrichten nehmen den umgekehrten Weg: vom PSTN über die TK-Anlage an den Kernel des UM-Servers. Dieser bereitet die Nachricht zur Übergabe an das Messaging-System vor. Über den Message Transfer Agent (MTA) wird diese im jeweiligen User-Postfach zugestellt.
Kurznachrichten funktionieren im Prinzip genauso: Der Anwender schreibt Text in den E-Mail-Body und adressiert beispielsweise an "Nummer@ixisms.com". Der Messaging-Server übergibt die Nachricht an den UM-Server, der diese wiederum gemäß dem jeweiligen Übertragungsprotokoll aufbereitet. Eingehende Kurznachrichten gehen entsprechend den umgekehrten Weg. Kurznachrichten lassen sich unabhängig vom Festnetz mobil verschicken.
Sprachnachrichten sind meist Anrufbeantworternachrichten. Wird ein eingehender Anruf an den Anrufbeantworter des UM-Servers weitergeleitet, spielt dieser eine Ansage ab, und der Anrufer hat die Möglichkeit, eine Nachricht zu hinterlassen. Diese bereitet der UM-Server entsprechend auf und prüft die Berechtigungen. Über den MTA wird die Voice-Nachricht anschließend als E-Mail mit WAV-Dateianhang im Benutzerpostfach zugestellt.
 
Unterschied intern - extern
Die TK-Anlage als Vermittler zwischen internem und externem Telekommunikationsnetz spielt eine zentrale Rolle bei der Umstellung auf All-IP. Die interne Anbindung an die TK-Anlage kann über andere Schnittstellen und Protokolle erfolgen als die externe Anbindung an das PSTN. Die jeweiligen Protokolle sind voneinander unabhängig. Der Unified-Messaging-Server kann sich intern über ISDN, SIP oder H.323 mit der TK-Anlage (PBX) verständigen, je nachdem, welche Protokolle die PBX bietet und welche die jeweilige UM-Lösung unterstützt.
Extern war bis dato die Anbindung über ISDN üblich, dies ändert sich jetzt auf das VoIP-Protokoll. Für ein Unternehmen hat die Umstellung je nach TK-Anlagen-Situation unterschiedliche Bedeutung. Setzt ein Unternehmen eine IP-PBX ein, kann sowohl die interne Anbindung als auch die externe Anbindung wie gehabt bestehen bleiben. Verwendet es eine ISDN-TK-Anlage, brauchen sich die internen Anbindungen nicht zu ändern. Nach extern jedoch muss das Unternehmen bis zur endgültigen Umstellung auf All-IP umgerüstet haben.
Dabei gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder setzt ein Unternehmen ein VoIP-Gateway zwischen TK-Anlage und PSTN ein, oder es migriert auf eine IP-basierende TK-Anlage. Im letzteren Fall wäre es sinnvoll, wenn die internen Anbindungen ebenfalls über ein IP-basierendes Protokoll erfolgen. Ist die UM-Lösung ohne TK-Anlage direkt am Amt angebunden, lassen sich die Daten über einen SIP-Trunk zwischen Unified-Messaging-Server und All-IP-PSTN übertragen. Setzt das Unternehmen eine flexible UM-Lösung ein, unterstützt diese bereits wahlweise alle gängigen Standardprotokolle und -schnittstellen. Die Umstellung wäre damit relativ einfach zu bewältigen.
 
Übertragung von Faxen und Kurznachrichten
Ist ein Unternehmen TK-seitig für die All-IP-Umstellung gerüstet, gilt es, die Fax- und SMS-Übertragung genauer zu betrachten. Dabei ergeben sich wiederum jeweils zwei mögliche Varianten:
Fax: Unabhängig von der eingesetzten UM-Lösung werden Faxe im IP-Netz paketweise übertragen. Dafür gibt es grundsätzlich zwei Verfahren: über das Fax-over-IP-Protokoll T.38 oder über ein Verfahren, das unter den Namen "Softfax", "Fax Passthrough" oder "G.711 Clear Channel" bekannt ist. Bei Letzterem erfolgt die Übertragung der Faxdaten über das analoge Faxprotokoll T.30 als Audiodatenstrom zwischen UM-Fax-Server und der jeweiligen Gegenstelle. T.38 dagegen definiert die Übertragung der Faxinformation als Pixeldaten. Zusätzlich bietet dieses Protokoll die Möglichkeit, durch Redundanz eine hohe Toleranz gegenüber Paketverlusten zu erreichen.
SMS: Für die Übertragung von Kurznachrichten zwischen UM-User und mobilem Benutzer bietet eine Unified-Messaging-Lösung wie etwa Ixi-UMS zwei Möglichkeiten: SMS im Festnetz oder über GSM-Adapter. Kommt ein GSM-Adapter zum Einsatz, werden die Daten direkt über das Mobilfunknetz ausgetauscht, die Umstellung auf All-IP ist damit irrelevant. Nutzt das Unternehmen "SMS im Festnetz", laufen die Daten über einen Voice-Kanal zwischen dem UM-Server und einem sogenannten Festnetz-SMSC (Short Message Service Center).
Derzeit bieten die Deutsche Telekom sowie Materna mit "Anny Way" ein Festnetz-SMSC an. Die Telekom stellt jedoch ihren Dienst Ende dieses Jahres ein. Unabhängig vom Festnetz-SMSC-Anbieter ist es erforderlich, die Daten entsprechend den Protokollen der übermittelnden TK-Anlage aufzubereiten. Wie gehabt gibt es dabei drei Möglichkeiten: Setzt ein Unternehmen bereits eine IP-basierende TK-Anlage ein, steht das IP-Protokoll zur Verfügung. Setzt das Unternehmen eine rein ISDN-basierende PBX ein, kann es auf IP-PBX migrieren oder ein VoIP-Gateway zwischenschalten.
 
Fazit
Den Auswirkungen der Umstellung von ISDN auf All-IP im Telekommunikationsnetz können Unternehmen in Bezug auf ihre Unified-Messaging-Lösung gelassen entgegensehen: Mit einer entsprechend anpassungsfähigen und standardbasierenden Lösung, die die jeweils gängigen Protokolle unterstützt, bleibt das Unternehmen flexibel. Die internen Anbindungen müssen sich nicht zwingend ändern, lediglich gegebenenfalls die Anbindung der TK-Anlage an das Telekommunikationsnetz.

Eine flexible Unified-Messaging-Lösung unterstützt alle gängigen Protokolle, die Umstellung auf All-IP wirkt sich intern kaum aus. Bild: Servonic Unified Messaging für Fax und SMS nach All-IP-Umstellung: Faxe lassen sich über T.38 oder Softfax übermitteln, SMS-Kurznachrichten via GSM-Adapter oder SMSC. Bild: Servonic

Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenAuf Linkedin teilenVia Mail teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Unified Messaging einfacher in Exchange-Umgebungen integrieren

Verwandte Artikel

All-IP

Estos

Servonic