Hewlett Packard Enterprise (HPE) ergänzt sein Composable-Infrastructure-Portfolio, also dynamische IT-Ressourcen auf Basis eines flexibel nutzbaren Ressourcenpools, um eine Scale-out-Lösung namens Composable Cloud, wie der Konzern auf seiner Hausmesse Discover verkündete. Neuerungen gab es zudem bei den hyperkonvergenten Infrastrukturen (HCI), beim KI-Einsatz (künstliche Intelligenz) im IT-Betrieb sowie beim Storage-Equipment.

Im Rahmen der digitalen Transformation verlagern Unternehmen immer mehr Applikationen und Services – einschließlich kritischer Workloads – in die Cloud, genauer: in verschiedene Cloud-Umgebungen (Multi-Cloud). Daraus, so HPE, ergebe sich allerdings mangelnde Konsistenz im IT-Betrieb. Es gelte deshalb, die herkömmliche (Bare-Metal- oder virtualisierte) IT-Welt und die Multi-Cloud-Welt zu verbinden, um die gewünschte Agilität und Skalierbarkeit zu erzielen.

Vor dem Hintergrund erweitert HPE sein Composable-Portfolio: Schon vor drei Jahren hatte HPE sich mit Composable Infrastructure als Pionier frei „komponierbarer“ IT-Ressourcen positioniert (LANline berichtete); nun kommt mit Composable Cloud eine weitere, technisch allerdings gänzlich anders realisierte Variante hinzu.

Der Ressourcenpool von HPEs Composable Infrastructure ist darauf ausgelegt, als einheitliche Basis für Bare-Metal-, virtualisierte sowie agile, containerisierte Workloads zu dienen: Je nach Bedarf stellt sich das IT-Team mit ein paar Zeilen Code aus den Compute-, Storage- und Networking-Ressourcen den gewünschten Stack zusammen; nach Nutzung fließen die Bestandteile in den Pool zurück, so das Konzept (LANline berichtete). HPE verspricht beim Einsatz dieses Modells um 25 Prozent niedrigere IT-Infrastrukturkosten durch geringere Überprovisionierung sowie deutlich weniger Personalbedarf im IT-Betrieb.

Künftig soll es IT-Organisationen dank Composable Cloud möglich sein, bestehende Rack-Server der Baureihen ProLiant DL 360/380/560 Gen10 zu einer – wenn auch andersartigen, nämlich auf Scale-out angelegten – Composable-Umgebung zu verbinden. Dafür sorge Composable Cloud durch die Kombination von HPEs Infrastruktur-Management-Lösung OneView mit der sogenannten Composable Fabric, einer Fabric-basierten SDN-Lösung (Software-Defined Networking), die HPE vor einem Jahr per Akquisition des Anbieters Plexxi und dessen Software-Defined Data Fabric ins Haus geholt hatte. Damit gibt es von HPE-Seite nun eine Composable Fabric (Netzwerkebene), Composable Racks (mit ProLiant-Rack-Servern), Composable Infrastructure (HPE Synergy) und eine Composable Cloud.

Composable Cloud soll es Unternehmen ermöglichen, Workloads schnell skalierbar bereitzustellen und in einer flexibel nutzbaren Rack-Umgebung zu skalieren. Hierbei könne man zwischen Cloud, Virtualisierung oder Containern wählen. Denn die Lösung unterstütze neben physischem HPE-Speicher und VMwares SDS-Lösung (Software-Defined Storage) vSAN auch die ebenfalls HPE-eigene HCI-Lösung SimpliVity. Dadurch könne man nun also auch Systeme mit kontinuierlicher Datendeduplizierung und -komprimierung sowie integrierten Backup- und Disaster-Recovery-Funktionen für eine Composable-Umgebung nutzen.

Auf SimpliVity-Seite neu ist die Integration des KI-gestützten IT-Betriebs (AIOps) mittels HPEs Softwarelösung InfoSight, was das VM-Management einer SimpliVity-Umgebung deutlich erleichtern soll. HPE betont, im Zusammenspiel von SimpliVity und InfoSight erhalte ein Unternehmen eine KI-Basis für den Infrastrukturbetrieb, den Überblick über detaillierte System-, Leistungs- und Kapazitätsdaten, Datenanalysen für die vorausschauende Wartung sowie Empfehlungen zur System- und Performance-Optimierung.

Auf HCI-Systemseite bietet HPE nun das Modell SimpliVity 325 für entfernte Niederlassungen oder beengte Umgebungen. Das System beherberge in einem hochdichten 1HE-Gehäuse eine AMD-Epyc-CPU und All-Flash-Speicher. Ebenfalls neu ist SimpliVity 380 als Storage-optimiertes System, konzipiert als Langzeitspeicher zur zentralen Aggregation von Kopien standortübergreifender SimpliVity-Implementierungen. Ebenfalls neu ist die automatische Konfiguration von Aruba-Switches beim Deployment neuer SimpliVity-Knoten.

Für geschäftskritische Datenbank- und Data-Warehouse-Anwendungen stellte HPE außerdem Nimble Storage dHCI vor (dHCI: disaggregierte HCI): Sie soll die Einfachheit hyperkonvergenter Infrastruktur mit der Flexibilität konvergenter Systeme verbinden. Dazu kombiniert die neue Lösung das automatisierte Management von Nimble Storage und HPEs ProLiant-Servern. Nimble Storage dHCI soll, so verspricht der Herrsteller, das VM-Management radikal vereinfachen, für unabhängige Skalierung von Rechen- und Speicherkapazitäten sorgen und dabei 99,9999 Prozent Datenverfügbarkeit sowie Latenz im Submillisekundenbereich bieten.

Last but not least: Mit Primera bietet HPE eine neue Plattform für unternehmenskritischen Speicher, die ebenfalls die KI von InfoSight für den Betrieb nutzt. HPE verspricht hier 93 Prozent weniger Zeitaufwand für die Storage-Verwaltung sowie die Möglichkeit, Probleme vorherzusagen und zu verhindern.

Anwender können Primera laut HPE in weniger als 20 Minuten selbst installieren, Storage könne man mittels Primera innerhalb von Sekunden bereitstellen. Integriert ist eine dauerhaft aktivierte Datenreduktion, die man aber auch ausschalten könne. Primavera nutze ein Service-orientiertes Betriebssystem, sodass man Datendienste unabhängig voneinander bereitstellen, aktualisieren und neu starten könne. Die Primera-Software lasse sich dabei innerhalb von nur fünf Minuten unterbrechungsfrei aktualisieren.

Primera ist per Kauf ebenso erhältlich wie als Managed Service über HPEs Angebot GreenLake, bei dem man nur für genutzte Leistung zahlt.

Weitere Informationen finden sich unter www.hpe.com.

Dr. Wilhelm Greiner ist freier Mitarbeiter der LANline.