Die Verkabelung bildet die Basis aller Netzwerke und ist daher auf hohe Qualität bei Produkten und bei der Installation angewiesen. Dies gilt für die Standardinfrastruktur im LAN ebenso wie für die Hochgeschwindigkeitsnetze im Rechenzentrum. Beim LANline Tech Forum in Stuttgart diskutierten die Protagonisten der Branche ausführlich neue Aspekte.

Noch immer genießt die Datenverkabelung als Basis jeglicher IT-Netze nicht den Stellenwert, der ihr zusteht: Gerade im Hinblick auf enorm steigende Datentransferraten – übrigens auch in signifikantem Umfang durch eine schnellere WLAN-Technik befeuert – ist die Branche auf leistungsfähige Produkte und Qualität bei der Installation angewiesen. In diesem Kontext will sich das Tech Forum der LANline zum Thema stets auch als Lobbyveranstaltung für die unterschätzte Kabelinfrastruktur verstanden wissen.

Warum dies sinnvoll ist, verdeutlichte Reiner Behr von TDE Trans Data Electronic in seinem Vortrag gleich zu Beginn: Wenn die physikalische Übertragungsgeschwindigkeit pro Kanal auch bei der schnellen Glasfaser nahezu ausgereizt ist, bleibt nur die Möglichkeit, die Kanäle selbst zu vervielfältigen. Die beiden heute dazu geeigneten Verfahren sind das Wellenlängen-Multiplexing (also eine Vervielfältigung der Farben innerhalb der Faser) oder die Paralleloptik – also die Vervielfältigung der Faserzahl. Behr nutzte seine Präsentation, um gegen Ressentiments zu argumentieren, die die Multifaser-Technik noch immer begleiten. Laut dem TDE-Experten gibt es gegen die Qualität von Kabeln und Steckern heute nichts mehr einzuwenden, und mit einigen Grundkenntnissen gelingt die Konzeption eines Paralleloptik-Netzes ebenfalls. Nötig ist dies laut Behr in jedem Fall, um den schon in sehr naher Zukunft geforderten Übertragungsraten gerecht werden zu können.

„Welche Netze brauchen wir in den 2020-Jahren?“, lautete folgerichtig der Titel der anschließenden Präsentation von Zoran Borcic, Produkt-Manager Datacom bei Draka/Prysmian Group. Borcic zeigte Prognosen, nach denen der weltweite Markt für strukturierte Verkabelung bis ins Jahr 2020 mit jährlichen Wachstumsraten von vier Prozent zulegen wird. Der Verkabelungsmarkt im RZ-Umfeld werde auf 1,6 Milliarden Dollar im Jahr 2020 wachsen. Der RZ-affine Anteil am Verkabelungsgeschäft beträgt dann knapp 20 Prozent. Im LAN-Umfeld wird sich das Verhältnis von Kupferverkabelung zu Glasfaser von 2013 auf 2020 von 98:2 auf 96:4 für Kupfer relativ stabil halten. Im RZ-Umfeld geht dies von 48:52 auf 40:60 zurück. Die Fasertechnik legt also signifikant zu. WLAN ist laut dem Draka-Mann die erste flächendeckende Anwendung, die mit 10 GBit/s angesteuert werden muss. Zusammen mit Power over Ethernet für die Access Points ergebe dies ein ideales Einsatzszenario für schnelle Kupfernetze.

Qualitätsverkabelung gefragt: In Deutschland beobachtet Draka/Prysmian Group einen Trend zu Kategorie-7A-Kabeln. Bild: Prysmian Group

Dass eine schnelle Kupferverkabelung – etwa 25GBase-T – dieser Übertragungstechnik weitere Leben bescheren wird, war auch Quintessenz der Podiumsdiskussion zum Abschluss des ersten Tages des Tech Forums. Günther Wohlhüter (Metz Connect), Karl-Heinz Kutsch (Leoni Kerpen), Jan Moll (DTM Group) sowie Behr und Borcic waren sich einig, dass es noch lange Zeit eine Medienkoexistenz von Kupfer und Glas geben wird.

Vor allem die aktuellen Normierungsaktivitäten rund um 25 GBit/s stärken laut den Experten diese Argumentation. Diskrepanz gab es unter den Diskussionsteilnehmern bei der Bewertung, wie die garantierte Reichweite für einen 25GbE-Link zu bewerten ist, ob die die angepeilten 30 Meter ausreichend sind und mit welchem Kabel oder Upgrade-Pfad einer bestehenden Verkabelung dies schlussendlich zu realisieren sein wird. Messungen, und darüber herrschte wieder Einigkeit, werden in den meisten Fällen bei einer Aufrüstung wohl nötig sein.

Unter anderem, um die Sensibilisierung der Branche für die Bedeutung der Kabelinfrastruktur zu fördern, finden im Lauf des Jahres weitere Tech Foren der LANline statt, etwa in Köln und Wien. Die Teilnahme ist für Leser kostenlos. Ausführliche Workshops – teilweise in Kooperation mit der Bildungsinitiative der Netzwerkindustrie (BdNI) – richtet die LANline ebenfalls aus.