Hewlett Packard Enterprise (HPE) stellte auf der Discover More in München – dem zentraleuropäischen Pendant zu seiner US-Hausmesse Discover – mit GreenLake Central eine neue Steuerungs- und Verwaltungslösung für hybride IT-Umgebungen vor. Die Software dient als Governance- und Management-Werkzeug für HPEs nach Bedarf (as a Service) beziehbares GreenLake-Portfolio wie auch für Public-Cloud-Ressourcen.

„Statt Datacenters haben wir inzwischen überall Zentren mit Daten“, so HPE-Chef Antonio Neri in seiner Keynote der Discover More. Denn das Unternehmen der Zukunft arbeite Edge-zentrisch, Cloud-gestützt und datengetrieben. Angesichts des Trends zum Edge Computing und damit umso komplexerer Enterprise-IT-Infrastrukturen hat sich HPE neu ausgerichtet: „Wir sind eine Edge-to-Cloud as a Service Company,“ betonte Neri. Auf Unternehmensseite, führte er aus, wünsche man sich die „Cloud-Erfahrung“ überall, also nicht nur bei der Public-Cloud-Nutzung, sondern auch in der eigenen IT-Umgebung.

Auf Edge-Seite soll hier Aruba Central für den Überblick und anwenderfreundliche Verwaltung sorgen. Im RZ wiederum hat HPE mit der verbrauchsorientierten Kostenrechnung der GreenLake-Services und der neuen Kubernetes-basierten Lösung für den Containerbetrieb namens „Container Platform“ die Grundlage für Cloud-ähnlichen IT-Betrieb gelegt (LANline berichtete).

Die Software stellt Applikationen per Container und Kubernetes-Orchestrierung dynamisch und skalierbar bereit, einschließlich Containerisierung von Bestandslösungen. Was allerdings noch fehlte, war eine Steuerungs- und Management-Oberfläche, wie Business-Anwender sie von den Hyperscalern – den großen Cloud-Plattformbetreibern wie AWS, Microsoft Azure und Google – her kennen. Mit GreenLake Central legt der Anbieter nun ein Management-Layer über seine As-a-Service-Hardware- und Softwareangebote.

Mit GreenLake Central ergänzt HPE sein GreenLake-Portfolio von As-a-Service-Infrastruktur um eine Lösung für das Hybrid-Cloud-Management. Bild: HPE

Mit GreenLake Central ergänzt HPE sein GreenLake-Portfolio von As-a-Service-Infrastruktur um eine Lösung für das Hybrid-Cloud-Management. Bild: HPE

Mehr Komplexität im Edge/Cloud-Zeitalter

Der Hintergrund: Gemäß IDC-Prognose von 2019 soll die Zahl der vernetzten Geräte bis 2025 auf über 41 Milliarden ansteigen (zuvor war das Marktforschungshaus sogar von 55 Milliarden ausgegangen), und laut Gartner-Zahlen von 2017 sollen durch den Trend zum Edge-Computing und das Internet of Things (IoT) bis dahin 75 Prozent der Daten außerhalb klassischer Rechenzentren anfallen. Unternehmen haben es dadurch mit einer weit verzweigten IT-Infrastruktur zu tun, die von den Datenquellen am Netzwerkrand (etwa in der Fabrikhalle) über das Datacenter bis zu den diversen Public Clouds einer Multi-Cloud-Umgebung reicht.

Dies bringt erhebliche Herausforderungen: nicht nur in puncto Performance- und Kapazitäts-Management, aber auch für das Kosten-, Risiko-, Security- und Compliance-Management. Diesen Herausforderungen will HPE mit GreenLake Central begegnen: Die Software soll eine lokal installierte, leicht bedienbare Lösung für das Management der hauseigenen IT-Produkte liefern, in die sich aber auch Public-Cloud-Instanzen integrieren lassen. Seitens HPE betonte man aber, dass man im Rahmen von GreenLake-Projekten häufig auch Fremdhardware mitverwalte. Im Vordergrund stehe der IT-Bezug als Service – und auch bei einem AWS-Service frage schließlich niemand, welcher Hersteller die verwendete Hardware geliefert hat.

GreenLake ist ein Service-Portfolio von HPEs Service-Organisation Pointnext: Ein Anwenderunternehmen implementiert dynamisch skalierbare IT-Lösungen lokal, die Verrechnung erfolgt aber dennoch in Cloud-Manier „as a Service“, also nach tatsächlicher Nutzung mit Abrechnung im Stundentakt. Der Konzern kann sich hier über rege Nachfrage freuen: Der GreenLake-Absatz wuchs im Fiskaljahr 2019 laut HPE-Bekunden um 39 Prozent. Besonders beim Channel-Vertrieb komme das On-Demand-Modell gut an. Laut CEO Neri rechnet HPE mit einem jährlichen Wachstum in diesem Segment von 30 bis 40 Prozent.

Mit GreenLake Central hat der Hersteller nun diesem flexiblen Bezug von IT-Infrastrukturbausteinen eine Management-Oberfläche spendiert, die – wie von den Hyperscalern bekannt – die erforderlichen Informationen und Aktionen per intuitivem Self-Service-Interface zugänglich macht. Dies soll es unter anderem erleichtern, Cloud-Workloads ins Unternehmen zurückzuholen, klage doch eine Vielzahl von Unternehmen über eskalierende Public-Cloud-Kosten.

Das GreenLake-Portal schafft den Überblick über die Nutzung und Kosten von GreenLake- wie auch Public-Cloud-Umgebungen. Bild: HPE

Das GreenLake-Portal schafft den Überblick über die Nutzung und Kosten von GreenLake- wie auch Public-Cloud-Umgebungen. Bild: HPE

Überblick und Kontrolle

GreenLake Central dient der kontinuierlichen Überwachung und Verwaltung der Performance- und Compliance-Parameter der As-a-Service-Umgebungen. Anil Chandrupatia, Vice President of Engineering, Hybrid Cloud Software and Services bei HPE, erläuterte gegenüber LANline, GreenLake Central kommuniziere per API mit den einschlägigen Hyperscaler-Umgebungen für die anschauliche Aufbereitung dieser Informationen. Damit sei auch eine Vergleichbarkeit der abonnierten Cloud-Services gegeben.

Auch der Drill-down auf tiefere Ebenen ist möglich. Bild: HPE

Auch der Drill-down auf tiefere Ebenen ist möglich. Bild: HPE

Chandrupatia betonte allerdings, die Software diene im Fall der Public Clouds nicht dem Operations-Management, sondern vielmehr der übergreifenden Kontrolle (Governance), insbesondere im Hinblick auf drohende Kosten- und Compliance-Risiken. In der Software sind laut HPE-Angaben in der Lösung über 1.500 Kontrollpunkte für Goverance, Risiko und Compliance hinterlegt, die GreenLake Central kontinuierlich überwache.

Das Portal soll unterschiedliche Nutzergruppen mittels Widget-basierter Dashboards mit den jeweils relevanten Informationen versorgen: CIOs, CFOs, IT-Administratoren, Security- und Compliance-Verantwortliche wie auch Entwickler. Ein Nutzer könne zum Beispiel ermitteln: Wie hoch sind die Ausgaben für Public-Cloud-Services, wie hoch für die Private Cloud? Nutzung und Kosten könne man pro Workload, Service, Abteilung oder auch Lokation aufschlüsseln.

Ein Dashboard gibt dem Compliance-Manager Auskunft über Compliance-Status und -Risiken. Bild: HPE

Ein Dashboard gibt dem Compliance-Manager Auskunft über Compliance-Status und -Risiken. Bild: HPE

Norbert Schöfberger, Vice President Global Sales DACH für HPE Pointnext Services, erläuterte im Gespräch mit LANline die Rolle, die HPEs Service-Truppe dabei spielt: Man stehe den Anwenderunternehmen hier nicht nur für Planung, Migration und Integration zur Seite, sondern könne zudem auf Kundenwunsch auch einzelne Management-Disziplinen als Managed Services übernehmen, beispielsweise das Incident- oder das Capacity-Management.

Für die Wahrung zugesagter SLAs im Rahmen eines an Pointnext delegierten Capacity-Managements halte man vor Ort nach eigenem Ermessen Zusatzkapazitäten für Skalierung und Notfälle bereit. Diese müsse das Anwenderunternehmen aufgrund der On-Demand-Lizenzierung natürlich nicht bezahlen.

Die Ausstellungsfläche von HPEs europäischer Hausmesse war gut besucht. Bild: Dr. Wilhelm Greiner

Die Ausstellungsfläche von HPEs europäischer Hausmesse war gut besucht. Bild: Dr. Wilhelm Greiner

HPEs Anspruch ist es, mit GreenLake Central eine einheitliches Self-Service-Management-Portal für die gesamte hybride IT zu liefern. Damit ist die Software nach der kürzlich vorgestellten Container Platform ein weiterer konsequenter Schritt auf dem von HPE eingeschlagenen Weg: zu einer On-Demand-Bereitstellung und einheitlichen Verwaltung von IT-Umgebungen, deren aktuelle Komplexität der Begriff „Hybrid Multi-Cloud“ oft nur erahnen lässt.

GreenLake Central soll im ersten Quartal 2020 auf den Markt kommen. Weitere Informationen finden sich unter www.hpe.com/greenlake .

Dr. Wilhelm Greiner ist freier Mitarbeiter der LANline.