Die Digitalisierung zieht zum Teil radikale Veränderungen nach sich. IT ist mittlerweile in den meisten Branchen zum strategischen Element aufgestiegen. Moderne Techniken wie Big Data Analytics, Cloud oder künstliche Intelligenz bieten ganz neue Möglichkeiten, Prozesse und Geschäftsmodelle zu verbessern oder zu verändern. Dabei stellen nicht nur die Investitionen der Unternehmen in die Modernisierung der IT-Landschaft sowie die zunehmende Migration von Teilen ihrer Legacy-Anwendungen und der IT-Infrastruktur in die Cloud neue Anforderungen an das IT-Sourcing. Diese Themen stehen im Fokus einer aktuellen Studie des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens Lünendonk & Hossenfelder.

Vor allem die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und Prozessautomatisierungen auf Basis von Cloud-Plattformen wie AWS, Azure etc. sind weitere bedeutende Treiber der digitalen Transformation. Folglich ist die Beschaffung und Bereitstellung von IT-Leistungen in den letzten Jahren immer vielschichtiger und komplexer geworden.

Mit den Sourcing-Strategien von Großunternehmen und Konzernen sowie ihren organisatorischen und technologischen Fortschritten im Zuge des digitalen Wandels hat sich das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Lünendonk & Hossenfelder, Mindelheim, aktuell in seiner Studie 2018 „IT-Strategien und Cloud-Sourcing im Zuge des digitalen Wandels – Der Markt für IT-Sourcingberatung in Deutschland“ beschäftigt. Die nunmehr fünfte Auflage dieser 360-Grad-Analyse in Folge entstand laut den Marktforschern mit fachlicher Unterstützung von Datagroup, microfin und Sepion und ist unter www.luenendonk-shop.de kostenfrei erhältlich.

Dass Cloud-Sourcing für die Unternehmen immer wichtiger wird, zeigen die Antworten der befragten IT-Entscheider deutlich. Für 72 Prozent ist der flexible und skalierbare Betrieb der Anwendungen der am häufigsten genannte Grund für Cloud-Migration oder den Bezug von Software aus der Cloud. Eine bessere Integration von neuen Anwendungen in die Backend-IT-Prozesse steht mit 67 Prozent an zweiter Position. Dabei geht es vor allem um die Migration von Altanwendungen in die Cloud, um neue digitale Lösungen schneller und reibungsloser an die Kernsysteme anzubinden und somit den notwendigen Datentransfer sicherzustellen.

Vor allem aus der Businessperspektive ist die Entwicklung neuer digital geprägter Geschäftsmodelle und digitaler Mehrwertdienste wie Chatbots, Apps etc. ein weiterer wichtiger Grund für Cloud-Sourcing. Studienautor und Lünendonk-Partner Mario Zillmann: „Jedes zweite untersuchte Unternehmen forciert bereits die schrittweise Verlagerung von Anwendungen in die Cloud, um diese besser mit Cloud-Plattformen zu vernetzen und die Geschäftsprozesse und -modelle weiter zu digitalisieren.“

Allerdings können viele Unternehmen die Planung und den Aufbau von Cloud-Infrastrukturen nicht in kompletter Eigenleistung bewältigen. Dafür fehlen entsprechende IT-Fachkräfte, aber auch Fach- und Branchen-Know-how sowie Erfahrungen und Best Practices. Gefragt ist daher externe Unterstützung durch IT-Sourcing-Berater. Dabei steht die IT-Architekturberatung für 76 Prozent der Studienteilnehmer an erster Stelle der geforderten Beratungsleistungen und in dem Zusammenhang auch der Bedarf an Technikberatung hinsichtlich passender Cloud-Lösungen (66 Prozent). Unweigerlich mit IT-Sicherheitsthemen verbunden sind Cloud-Projekte aufgrund des zu gewährleistenden Schutzes sensibler Daten. Folglich haben 69 Prozent der befragten IT-Manager einen konkreten Bedarf an externer Beratung in IT- und Datensicherheitsfragen.

Im Zuge des hohen Bedarfs an externen Beratungsleistungen rund um Sourcing-Projekte beobachtet Lünendonk nach eigenen Angaben bereits seit einigen Jahren eine interessante Entwicklung: Immer mehr Anwenderunternehmen bündeln bei der externen Vergabe von Projekten verschiedene Bestandteile, wie etwa Prozessberatung, IT-Strategie, IT-Architektur, Technikauswahl, mit denen ein Dienstleister beauftragt wird. Dabei entfallen mit 43 Prozent die meisten Nennungen auf IT-Sourcing-Generalisten, also auf Beratungen, die alle Sourcing-Themen abdecken. 38 Prozent der Befragten sehen Management-Beratungen, bei denen IT-Sourcing Teil ihres Beratungsportfolios ist, als bevorzugte Anbietergruppe, während 34 Prozent auch IT-Sourcing-Beratungen beauftragen, die Themen aus der Management- und IT-Beratung mit abdecken.

„Je nach Fokus des Projekts und Schwerpunkt der extern ausgeschriebenen Inhalte wählen Anwenderunternehmen verschiedene Typen von Beratungsunternehmen“, analysiert Zillmann. „Es wird jedoch deutlich, dass Generalisten tendenziell bessere Chancen haben als Spezialisten, da sich immer mehr Beratungsfelder miteinander verzahnen.“

Gleichzeitig zeigt sich ein neuer Trend in der Zusammenarbeit mit den unternehmensinternen Fachbereichen. Cloud-Migration, Hybrid-/Multi-Cloud, Cloud-Orchestration, DevOps, APIs und Business-/IT-Alignment sind nicht mehr nur für CIOs wichtige Themen. Vielmehr sorgt der hohe Reife- und Akzeptanzgrad von Cloud-Technik dafür, dass diese immer öfter die technische Basis von Digitalisierungsstrategien der Fachbereiche bilden. In diesem Zusammenhang gaben mehr als drei Viertel der Studienteilnehmer (77 Prozent) an, dass Fachbereiche und IT-Abteilung bei Cloud-Themen immer enger zusammenarbeiten.

„Maßgeblich unterstützt wird dieses höhere Business-IT-Alignment durch den Trend zur agilen Entwicklung, der dazu führt, dass immer mehr Unternehmen ihre Organisation umbauen und auf themenbezogene Feature-Teams mit Vertretern von Fachbereichen, IT, Einkauf und bei Bedarf externen Dienstleistern setzen“, so Zillmann. „Die Rolle und die Wahrnehmung der IT-Abteilung hat sich damit in den letzten Jahren verändert. Sie ist zu einem Businesspartner der Fachbereiche geworden.“

Für die Studie wurden 104 Anwenderunternehmen und 26 IT-Sourcing-Beratungen befragt. Sie entstand in Zusammenarbeit mit den IT-Dienstleistungsunternehmen Datagroup, microfin und Sepicon und steht unter www.luenendonk-shop.de zur Verfügung.

Dr. Jörg Schröper ist Chefredakteur der LANline.